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C VES I
C. J. F. F. F. P. F.
totmllä i
UBSERVER L'Oesterr.
gehördl. konz.
Büro für Zeitungsnachrichten
IV WIEN T, WOLLZEILE 1
WIENEN ZEITUNG
5,5, Milz.
Einatterabend der Staatsakademie.
Die Schauspielklasse des Professors Dr. Schulbau?
veranstaltete am Montag einen Einakterabend, der, mit
Molières „Sganarell“ beginnend, über Rittners „Besuch
in der Dämmerung" und Schnitzlers „Silpesternacht" zu
Auernheimers „Lügenbrücke“ führte, Man konnte fest¬
stellen, daß sich in dieser Klasse mehrere hochbegabte
Talente befinden, die von ihrem Lehrer auch bereits ein
wertvolles Rustzeug zur wirkungsvollen Ausübung ihres
Handwerks erhalten haben. Wenn in den drei ersten
Einaktern auch noch keine ausnahmslos befriedigenden
Leistungen zu sehen waren, stand die Ausführung von
Auernheimers „Lügenbrücke“ auf einem so hohen Niveau,
daß man dieses Ensemble ruhig in die Landeshauptstädte
Österreichs entsenden könnte. In diesem Schwank fand
Rega, die Frau, die zwischen dem Gatten und dem
lillegitimen Verehrer schwankt, in Margarete Paulus¬
Jarosch eine sehr sympathische Vorstellerin, die, eine
Lübsche Bühnenerscheinung, sehr degagiert spielte und
ganz perfekt konversierte. Auch als Zofe in „Sganarell“
war diese junge Kunstlerin schon als Glanzpunkt des
Ensembles aufgefallen. Man glaubte ihr die geistige
Überlegenheit, mit der die Zote das hapy end herbei¬
führt. Eine reife, voller Anerkennung werte Leistung bot
auch Else Pircher in „Besuch in der Dammerung".
Ebenfalls im Besitz einer hübschen, reizvollen Erschei¬
nung brachte sie die Gestalt der Dame in Rosa in jeder
Hinsicht zu wirkungsvoller Geltung. Mit großer Aner¬
kennung muß ihr deutliches Sprechen hervorgehoben
werden. Wahrend man, was Der ältere Freund und
Der Herr in Schwarz sagten, zur Hälfte erraten mußte,
was die Wirkung dieses Stückes leider stark beeinträch¬
tigte, verstand man bei ihr jedes Wort. Dabei sprach sie
keineswegs lauter als ihre beiden männlichen Parkner.
Ein zu guten Hoffnungen berechtigendes Talent ist auch
Anna Blausten, die sich als Agathe in der „Silvester¬
nacht" sehr geschickt behauptete, ohwohl der Zialog dieses
Stückes keineswegs besonders effektvoll ist. Anna
Krenet zeigte als Betti in der „Lügenbrücke" eine
beachtenswerte humoristische Begabung. Von den Herren
ist Hermann Schwedt an erster Stelle zu nennen, der
sich als Spanarell einen demonstrativen Applaus auf
offener Szene holte. Da entwickelt sich in aller Stille
ein vielversprechendes komisches talent, das sich auch
als älterer Freund in dem Rittnerschen Stückchen be¬
wahrte und auch in der „Lügenbrucke“ (Rechtsanwalt
Winkler) dem Darsteller wie dem Dichter einen vollen
Erfolg sichern half. Ein sympathischer Liebhaber, der sich
sehr gewandt bewegt und sein hübsches Organ geschlatt
zu verwenden weiß, ist Hans Arndt. Leo Fruh¬
wirth (Gorgibus) und Herr in Schwarz verstehen
scharf zu charatterisieren, desgleichen Robert Kitzs, Ober¬
H. P.
kellner.
60X 21/1
I. Oesterr.
OBSERVER behördl. koriz.
Büro für Zeitungsnachrichten
WIEN T, W DLLZEILE 11
Reichspost, Wien,
vom 11.5.1955.
Akademietheater. Vier C nakter hatte Professor
Dr. Schuldauer vermaßen zu einem Abend (Auf¬
fuhrung der Staatsakademie für Musik und darstellende
Künst) gewählt, daß die Schuler seiner Schauspielklasse
möglichst unterschiedliche Aufgaben vorfanden, an denen
sich ihr Fortschritt und ihr Können zu bewahren ver¬
mochte. Man gewann denn auch sehr befriedigenden
Einblick in die erfolgreiche Tätigkeit dieses Lehrers. Wohl
stellte der Beginn des Abends, Molières einaktiges
Lustspiel „Sganarel!" (in der formgewandten
Uebertragung Ludwig Fuldas) an die jungen
Leute Ansprüche besonderer und kaum resilos erfüllbarer
Art. Hier kommt es vielleicht nicht soiehr auf schau¬
spielerisch erlernbares Können an, als vielmehr um ge¬
reiftes Wissen um das Leben. Und dieses Wissen kann
eben nur das Leben selbst bringen. Immerhin wurde im
Gesamtbilde der Aufführung der Ton Molieres glücklich
getroffen und istgehalten und Hermann Schwedt
als Sgaranell. Erna Perutta als Gelia, Hans
Arndt als Lelo, Erna Goldgruber als Frau
Saanarell zeigten hübsche Leistungen. Der Einakter wurde
frohlich belacht. Karl Mayl hatte eine eigenartige
„musikalische Untermalung“ beigelteuert, Erwin
Matauschef ein langes Bühnenbild. Hierauf folgte:
„Besuch in der Kammerung“ von Thaddaus
Rittner. Gleichfalls ein schmieriges Unternehmen für
Schüler. Schien uns auch die Ablicht des Dichters nicht
vollig erfaßt, so muß doch dem Bemühen Else
Virchers, Leo Fruhwirts und Hermann
Schwendts Achtung gezöllt werden. Ein Schnisler¬
cher Buhnendialog
„Silvesternacht“ wurde
dann von Leo Fruhwirth und Anna Blausten
mit erstaunlicher Einfühlung in die Stimmung dieses
kleinen Einfalles vorgeführt. Den Schluß des Abends
machte Raoul Auernheimers Schwank „Die
Lugenbrücke“. dessen etwas gemagter Humor von
Margarete Paulus=Marosch. Leo Früh¬
wirth, Hermann Schwedt und der originellen
Anna Krenet zu guter Wirkung gebracht wurde.
Dem Abend war ein ansehnlicher Erfolg beschieden. B.
C VES I
C. J. F. F. F. P. F.
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5,5, Milz.
Einatterabend der Staatsakademie.
Die Schauspielklasse des Professors Dr. Schulbau?
veranstaltete am Montag einen Einakterabend, der, mit
Molières „Sganarell“ beginnend, über Rittners „Besuch
in der Dämmerung" und Schnitzlers „Silpesternacht" zu
Auernheimers „Lügenbrücke“ führte, Man konnte fest¬
stellen, daß sich in dieser Klasse mehrere hochbegabte
Talente befinden, die von ihrem Lehrer auch bereits ein
wertvolles Rustzeug zur wirkungsvollen Ausübung ihres
Handwerks erhalten haben. Wenn in den drei ersten
Einaktern auch noch keine ausnahmslos befriedigenden
Leistungen zu sehen waren, stand die Ausführung von
Auernheimers „Lügenbrücke“ auf einem so hohen Niveau,
daß man dieses Ensemble ruhig in die Landeshauptstädte
Österreichs entsenden könnte. In diesem Schwank fand
Rega, die Frau, die zwischen dem Gatten und dem
lillegitimen Verehrer schwankt, in Margarete Paulus¬
Jarosch eine sehr sympathische Vorstellerin, die, eine
Lübsche Bühnenerscheinung, sehr degagiert spielte und
ganz perfekt konversierte. Auch als Zofe in „Sganarell“
war diese junge Kunstlerin schon als Glanzpunkt des
Ensembles aufgefallen. Man glaubte ihr die geistige
Überlegenheit, mit der die Zote das hapy end herbei¬
führt. Eine reife, voller Anerkennung werte Leistung bot
auch Else Pircher in „Besuch in der Dammerung".
Ebenfalls im Besitz einer hübschen, reizvollen Erschei¬
nung brachte sie die Gestalt der Dame in Rosa in jeder
Hinsicht zu wirkungsvoller Geltung. Mit großer Aner¬
kennung muß ihr deutliches Sprechen hervorgehoben
werden. Wahrend man, was Der ältere Freund und
Der Herr in Schwarz sagten, zur Hälfte erraten mußte,
was die Wirkung dieses Stückes leider stark beeinträch¬
tigte, verstand man bei ihr jedes Wort. Dabei sprach sie
keineswegs lauter als ihre beiden männlichen Parkner.
Ein zu guten Hoffnungen berechtigendes Talent ist auch
Anna Blausten, die sich als Agathe in der „Silvester¬
nacht" sehr geschickt behauptete, ohwohl der Zialog dieses
Stückes keineswegs besonders effektvoll ist. Anna
Krenet zeigte als Betti in der „Lügenbrücke" eine
beachtenswerte humoristische Begabung. Von den Herren
ist Hermann Schwedt an erster Stelle zu nennen, der
sich als Spanarell einen demonstrativen Applaus auf
offener Szene holte. Da entwickelt sich in aller Stille
ein vielversprechendes komisches talent, das sich auch
als älterer Freund in dem Rittnerschen Stückchen be¬
wahrte und auch in der „Lügenbrucke“ (Rechtsanwalt
Winkler) dem Darsteller wie dem Dichter einen vollen
Erfolg sichern half. Ein sympathischer Liebhaber, der sich
sehr gewandt bewegt und sein hübsches Organ geschlatt
zu verwenden weiß, ist Hans Arndt. Leo Fruh¬
wirth (Gorgibus) und Herr in Schwarz verstehen
scharf zu charatterisieren, desgleichen Robert Kitzs, Ober¬
H. P.
kellner.
60X 21/1
I. Oesterr.
OBSERVER behördl. koriz.
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Reichspost, Wien,
vom 11.5.1955.
Akademietheater. Vier C nakter hatte Professor
Dr. Schuldauer vermaßen zu einem Abend (Auf¬
fuhrung der Staatsakademie für Musik und darstellende
Künst) gewählt, daß die Schuler seiner Schauspielklasse
möglichst unterschiedliche Aufgaben vorfanden, an denen
sich ihr Fortschritt und ihr Können zu bewahren ver¬
mochte. Man gewann denn auch sehr befriedigenden
Einblick in die erfolgreiche Tätigkeit dieses Lehrers. Wohl
stellte der Beginn des Abends, Molières einaktiges
Lustspiel „Sganarel!" (in der formgewandten
Uebertragung Ludwig Fuldas) an die jungen
Leute Ansprüche besonderer und kaum resilos erfüllbarer
Art. Hier kommt es vielleicht nicht soiehr auf schau¬
spielerisch erlernbares Können an, als vielmehr um ge¬
reiftes Wissen um das Leben. Und dieses Wissen kann
eben nur das Leben selbst bringen. Immerhin wurde im
Gesamtbilde der Aufführung der Ton Molieres glücklich
getroffen und istgehalten und Hermann Schwedt
als Sgaranell. Erna Perutta als Gelia, Hans
Arndt als Lelo, Erna Goldgruber als Frau
Saanarell zeigten hübsche Leistungen. Der Einakter wurde
frohlich belacht. Karl Mayl hatte eine eigenartige
„musikalische Untermalung“ beigelteuert, Erwin
Matauschef ein langes Bühnenbild. Hierauf folgte:
„Besuch in der Kammerung“ von Thaddaus
Rittner. Gleichfalls ein schmieriges Unternehmen für
Schüler. Schien uns auch die Ablicht des Dichters nicht
vollig erfaßt, so muß doch dem Bemühen Else
Virchers, Leo Fruhwirts und Hermann
Schwendts Achtung gezöllt werden. Ein Schnisler¬
cher Buhnendialog
„Silvesternacht“ wurde
dann von Leo Fruhwirth und Anna Blausten
mit erstaunlicher Einfühlung in die Stimmung dieses
kleinen Einfalles vorgeführt. Den Schluß des Abends
machte Raoul Auernheimers Schwank „Die
Lugenbrücke“. dessen etwas gemagter Humor von
Margarete Paulus=Marosch. Leo Früh¬
wirth, Hermann Schwedt und der originellen
Anna Krenet zu guter Wirkung gebracht wurde.
Dem Abend war ein ansehnlicher Erfolg beschieden. B.