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36. Flucht
di
Finsternis
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OBSERVER
I. österr. behördl. konzessioniertes
Unternehmen für Zeitungs-Ausschnitte
WIEN, I., WOLLZEI.E 1I
TELEPHON R-23-0-43
ISSCHNITT VOM:
22. eKl. 1931
Vossische Zeitung, Berlin
Abend=Ausgabe
Schnitzlers letztes Werk
Die Kovelle von der „Flucht in die Finsternis“ die
unst# Lser bereits kennen, ist ein schmerzvolles und wehmütiges
Buch des Abschieds. (S. Fischer, Berlin.) Der Sektionsrat
Robert, ein weltmännischer Wiener Beamter, ein reiferer Jung¬
geselle, der zwischen Traum und Tag der Erfüllung seines Lebens
entgegengeht, nimmt Abschied, Abschied von dieser Zeitlichkeit,
von der Liebe, von dem Dasein im Licht. Aus dem Sanatorium
durch die Straßen der Stadt und die Zufälle des Alltags führt
der Weg, und ein dunkles Schicksal liegt über ihm. Der korrekte
Munn des Büros ist von Krankheit in Verwirrung gebracht, von
einer Zwangsvorstellung beschattet und muß, vom Gichter mit
eindringlicher Psychologie motiviert und abgerollt, de
bsturz
in den Wahnsinn selbst sehen und bewußt zu Ende ####
Auch
diese Dichtung Schnitzlers ist, wie Heinrich Mann ein muy
lierte, „überaus süßes Leben und das bittere Sterben.
sames Wissen um unsere Nichtigkeit zwischen den Abgründen“
und Schwermut über so vieles, das wir wohl vermocht hätten,
aber, versäumt haben.“
In Schnitzlers Nachlaß befindet sich ein fast vollendeter Roman,
der im Theatermilieu spielt und ein großes, seit 1895 regelmäßig
geführtes Tagebuch, das vorläufig noch nicht veröffentlicht
werden soll. Ferner gehört zu dem Nachlaß, zu dessen Verwaltung
Schnitzler den Dramaturgen der Reinhardt=Bühnen Dr. Franz
Horch eingesetzt hat, ein Schauspiel „Zug der Schatten“.
Es steht noch nicht fest, ob dieses Schauspiel vollendet ist.
In der Berliner Funkstunde spricht heute abend um 7 Uhr
Walter von Molo Worte des Gedenkens.
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DOBSERVERC
I. österr. behördl. konzessioniertes
Unternehmen für Zeitungs-Ausschnitte
WIEN, I., WOLLZELLE 11
TELEPHON R-23-0-43
Ausschnitt aus
Münchner Neueste Nachrichten
Nr vom.
1930
Arthur Schnitzlersletztes Werk
Kurz vor seinem Tode hat Arthur Schnitzter
noch eine größere Erzählung vollendet, die
merkwürdigerweise den Titel „Flucht in die
Finsternis“ führt. Sie ist soeben im Ver¬
lag S. Fischer (Berlin) erschienen. In dieser
Erzählung führt uns der Dichter, schon ange¬
schauert von den Ahnungen des Todes, in das
Grenzgebiet zwischen der Selbstbestimmung
eines Menschen und dem über ihn verhängten
Schicksal. Es ist die Geschichte einer Zwangs¬
vorstellung, die Schnitzler in seinem letzten
Werk gibt. Wir werden von der bestürzenden
metaphysischen Logik dieser Prosadichtung ge¬
fesselt, und wir begreifen deutlicher, wie der
holde Wahn des Genialen und der unholde des
Kranken einander gefährlich beupchbart sind.
Dennoch darf man aus dem Theia nicht nur
auf ein düsteres und gespenstisches Buch schlie¬
n. Bis dicht an dash ernste, verhüllte Ziel
führt der Weg durch die wohltätig vertraute hei¬
matliche Fülle des Daseins. Ueber dem Ganzen
liegt die zarte und wissende Wehmut eines ver¬
frühten Abschieds von der Kraft und Gesur
heit der Welt. Einen treibt es in die Finster¬
nis nachdem er noch ein letztes Abenteuer der
Liebe gepflückt und die bittersüße Erinnerung
an frühere gekostet hat, viele aber bleiben in der
abendlichen Schönheit der Zivilisation Altöster¬
reichs, in der blühenden Unerschöpflichkeit der
irdischen Natur.