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Text

Sohn
un
Frau Be
ihr
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28. ese e e den e e e ete e e e e e
Ste Ru 1.
Kurt Kersten, Josef Giampietro
Er selber blieb wohl meist unberührt.
Josef Giampietro
Man lachte nicht über ihn, sondern
In dieser Stimme, die nicht mehr
über das, was er darstellte. (Bei
klingen soll, dröhnte oft ein Rollen
Thielscher ist es umgekehrt.)
und Grollen, das leise bange machte
In ihm waren die ganze Triebkraft
und zuletzt doch erschütternd komisch
des Geschlechts, aber auch die Zivili¬
wirkte. Wenn Jahre vergehen, man
sation einer hochstehenden Rasse, er
vergißt es nicht. (Dabei war die Um¬
war umstrahlt von der Sieghaftigkeit,
gebung meist so unsagbar albern.)
Sorglosigkeit und. Helle dieser zivili¬
Im Grunde war es wohl nur die
sierten Abenteurer, denen „das höchste
Stimme der alten Komödianten, der
Gut“ das Leben bedeutet.
Abenteurer und Weltmenschen. Man
Dies alles ist jäh vorbei
hatte manchmal das Gefühl, Macbeth
Kurt Kersten
und Lear hätten sich verirrt und
trieben Allotria. „Weil ja alles so
Frau Beate und ihr Sohn.
gleichgültig ist.“
Ich hatte diese jüngste Novelle Arthur
Es schien auch, als sei die „alte
Schule“ endlich am Variété gelandet,
Schnitzlers neulich einer jungen Frau
und mache sich ihr letzter „Sproß“
gettehen und fragte ein paar Tage
später nach dem Eindruck, den das Buch
über die „Ahnen“ lustig. Die Helden
auf sie gemacht habe. — Es hat mich
waren gestorben, die Narren trieben
erschreckt, sagte sie, — es hat mich
Possen. Er hatte dieselben Mittel,
erschauern gemacht. Und als ich sie
sie leuchteten nur in anderen Farben
überrascht und ein wenig verständnis¬
und anderen Stimmungen. Wer sagt
los ansah, setzte sie hinzu: — Es ist
denn, daß die Helden besser sind, die
schrecklich, Dinge, Regungen, die in
mit dem Leben nicht fertig werden?
Einem leben, ohne daß man je wagen
Er litt nicht mehr. Er war fertig.
würde, sich das einzugesiehen, plötzlich
Und er schien kaum noch zu arbeiten,
von einem Anderen, einem Fremden
weil er etwas konnte. Das war das
erkannt, hervorgeholt, besprochenz u
Wunderbare. Seine Kräfte wären
sehen —— man kommt sich belauscht,
unerschöpflich gewesen, und er hätte
ertappt vor.... Nun verstand ich;
nie versagt.
und entsann mich eines ganz ähnlichen
Er hatte eine seltene Freiheit und
Geständnisses, das mir einst eine Dame
Ungebundenheit, eine wunderbare
machte, als sie „Frau Berta Garlan“
Grandezza und doch eine verhaltene
Wildheit, die gefährlich werden konnte.
gelesen hatte. Gewiß sind solche Ge¬
ständnisse keine Kritik. Allein mich
Aber noch dem Niedrigsten gab er
dünkt, sie berühren dennoch das Wesent¬
Klang, Reiz, Schwungkraft und Me¬
liche der Frauennovellen Schnitzlers.
lodie. Es ist schwer, Schlagwörter wie
„Suggestion" und „Souveränität“
Er macht die Frauen erschauern —
so sehr kennt er sie. Er fühlt und ahnt
nicht auszusprechen.
die letzten, die geheimsten, die licht¬
Diese Kraft der Beherrschung und
scheusten Schwingungen ihrer Seele,
Ueberlegenheit wirkte oft so, daß man
die Vorgänge der tiefsten Schächte des
glaubte, für diesen Mann ist das Ganze
Unterbewußtseins. Und, was mehr,
nur noch ein Hokuspokus.
er weiß diese Dinge, die sonst weit
In großen, aber doch gebrochenen
hinter allen Möglichkeiten des Wortes
Linien, um die stets ironisch Lichter
liegen, zu gestalten.
flackerten, gab er seine Karikaturen.