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Frau Beate und ihr Sohn
28. Ma. e en e e e e e e eene
von Literaten überwunden zu wer= wird, „armselige" Besenbinder mit
den braucht, um sittliche Entschlossen¬
seinen Leuten, frierend, hungernd,
heit zu gestatten, eine Einstellung auf
arbeitend, und je nachdem: stehlend.
rein Zeitliches und allzusehr Be¬
Gäbe uns Gott satt zu essen, ist des
dingtes (möge dies alles noch so
Alten Philosophie, so brauchten wir
scharf umrissen und analysiert sein),
die grüne Kuh nicht zu melken, es
wird sich also wohl so gehören, wir
die jeden Jauch wirklicher, kraftvoller
Aberlegenheit und innerlich mäch¬
stehen alle mit einem Fuß in der
tiger Lebensgestaltung vermissen las¬
Sünde und in der Schande. Mit
dem andern freilich, ja, da ist die
sen. Und von alledem ist so mancher
Zug in diese arme Novelle überge¬
Hoffnung: sein jüngerer Sohn näm¬
gangen! Sitzt ihr nur immer, leimt
lich, der ihm von seiner gestorbenen
zusammen! — das ist das Wort des
Frau das Prachtmädel, die Rapun¬
Dichters zu diesem Werke des
zel, zurückließ („reine sollt ihr sie
„Autors“. Es hat diesem Buch denn
mir halten, reine!“), der Glücksucher,
der wird wiederkehren, und dann
auch nicht an schneidender Kritik ge¬
ist's Elend aus und die Seligkeit da.
fehlt. Ich schließe mich keineswegs
den heftigen und wenig gründlichen
Zum Gefiedel des Todes, des
Ausführungen an, die jemand wie
grundguten alten Gesellen, tanzt das
B. Isemann sogar in Broschürenform
ganze Stück. Ein kurzes Vor¬
äußerte, aber wir begreifen wohl,
spiel: da geigt er, und die junge
daß Mann nicht Fülle und Liebe
Ppunzel tanzt dazu mit dem Johan¬
genug hatte, um den allmählich
nes Habundus vorüber, ihrem Vater,
innerlich wachsenden Widerspruch
der irgendwo draußen sein soll und
gegen sein Auftreten zu übertönen;
zu dem all ihre Gedanken spinnen.
als voreilig und unpassend erschlene
Erster Akt: die Besenbindersleut,
es dennoch, auf ein kleines Werk hin
auch die alte Einlegerin dazu, der
einem Mann sozusagen die literari¬
ein harmloser Größenwahn ihr Jam¬
schen Ehrenrechte abzuerkennen oder
merleben vergoldet, in der Hütte. Der
gar seinen frühen dichterischen Ban¬
nachforschende Gendarm kommt, denn
kerott auszuschreien. Der „Tod in
im Wirtshaus ist eingebrochen wor¬
Venedig“ würde für manchen Kleine¬
den, die Diebsleute kommen, das
ren als Thomas Mann noch immer
Mahl kommt — endlich hat die Gier
eine Höchstleistung bedeuten, die nur
Sättigung, tierische, aus der das
Menschliche aufsteigt. Und nun der
zu guter Lebensstunde gelingt. Wir
aber können nur warten, ob Mann
Rausch. Alles, was ihnen im Kopfe
nicht doch noch einmal eine freiere
lebt, tanzt nun in Gestalten her, den
Höhe und höhere Freiheit erreichen
Kraum des Alten aber malt der
wird als mit diesem Buch.
Hweite Akt, droben vor der Himmels¬
Wolfgang Schumann
tür, und malt damit ihn selber, wie
(Beide Bücher sind im Verlag
er die Welt um sich sieht und fühlt.
Der dritte Akt: im Dorfkretscham
Fischer in Berlin erschienen.)
A
ist Johannes Habundus eingekehrt,
der Diamantenbergsucher der's Glück
(Karl Haupfmanks „Arm¬
gefunden hat: der will nicht erkannt
selige Besenbirder“.
werden, aber kennen lernen, darum
Dresdner Cle#
spielt er einen wildfremden Reichen,
ied Thenta: die Seele
wie er weiß, so denken sich die Leute
Wdes arsc Menschen. „Irgend¬
hier die Reichen. Der vierte Akt
wo hoch droben in der letzten Hütte“
eine Gerichtsszene ungefähr derselben
haust der, wie immer wieder betont
Umwelt wie beim Biberpelz — wo¬
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