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Das Tagebuch der Redegonda
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27. Uu gsacn unaushunun
Schnitzl. rechen mmo=Kunno8n bargen
Köpfen unserer modernen Literaturgeschichte. Er gehört zu den einem
Dichtern, die die deutsche Dichtung modern und mondän gemacht im übr
haben. Aber mehr als die anderen hat er sich in der Gunst sei= bei der
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iner Freunde und gegen die Wandlungen der Zeit behauptet, wisse 3
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Auch der zweiundsechzigjährige Schnitzler ist eine Persönlichkeit, soll. E
Städtische Schanspiele Baden=Baben.
Spielplanänderung: Infolge Erkrankungen im Personal mit der man rechnen muß — mit Sudermann rechnet man z. B. die in 3
nicht mehr; selbst die Gestalt Hofmannsthals hat an Schärfe ver= der Re#
wird heute Dienstag Abend 7½ Uhd in Platzmiete A. 18 statt
loren —, er ist produktiv geblieben, weil er als Dichter tief im Das Z
„Der Dieb“ der Schwank „Der Meisterboxer“ von Otto
Leben wurzelt, nicht im Zeitlichen, aber dafür desto mehr im
Grund#
Schwartz und Carl Mathern gegeben.
dung
Mittwoch Abend 7½ Uhr in Platzmiete B. 18 „Hoheit Menschlichen.
Schade, daß die Vorlefestunde nicht so interessant war, wie
Plan e
lanzt Walzer“, Operette von Julius Brammer und Alfred
schen
der Vorlesende es selbst ist. Schnitzler verzichtete darauf, seine
Grünwald. Musik von Leo Ascher.
Stellung in der Dichtung der jüngsten Gegenwart zu kennzeichnen
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Die musikalische Leitung hat Christian Rausenbarth über¬
= die Gründe dafür dürften in meiner österreichischen Literatur¬
nation
nommen.
geschichte zu finden sein —, er las aus älteren Werken, sogar ars
Vorsta
Donnerstag Abend 7½ in Platzmiete C. 18 „Das Apostel¬
seinem ältesten, dem „Anatol“ (1893). Er begann mit der Novelle Union
spiel“ von Max Mell, bierauf „Paracelsus“ von Arthur
„Das Tagebuch der Redegonda“, einer klug ersonnenen, Verb
Schnitzler.
psychologisch ergründeten spannenden Geschichte, die jedoch nicht,
Samstag Abend 7½ Uhr in Platzmiete D. 18 „Das Nürn¬
ganz befriedigte, da das Verhältnis zwischen Mystik und Wirk¬
bergisch Ei“, Schauspiel von Walter Harlan.
Sonntag Abend 8 Uhr findet das Gastspiel Hannelore lichkeit, auf dem die Handlung aufgebaut ist, willkürliche Verschie¬
Ziegler mit ihren eigenen Tänzen statt. Es sei darauf hinge= bungen erlitt und noch weiter gestattet. Schnitzler las sodann den
dem fr
wiesen, daß sämtliche Platzmieter gegen Vorzeigen ihrer Miete= Einakter „Dieletzten Masken“ (1902), eines jener köstlichen
stenauf
karte ein Drittel Ermäßigung auf Kassenpreise erhalten. Eine kleinen Schauspiele, in denen dem Leben die verborgensten Züge
Verkeh
Niederdeutsche Zeitung (Goslar) schreibt folgendes über die Gast= abgelauscht sind, die sich dem Beobachter in jenen Momenten zu
richten
spiele von Hannelore: Seit vielen Monofen zum ersten Male erkennen geben, da die Kraft des Willens vor dem großen Un¬
wieder ein ausverkauftes Haus! Das war der ungeahnte Erfolg bekannten die Wassen streckt. Den Schluß der Vorlesung bildete ten Ba
einer
der Ankündigung, daß Hannelore Ziegler, diese im In= und Aus= der frauenhaft zart empfundene Dialog „Weihnachtsein¬
beitret
lande gleich begehrte Tänzerin, im Kaisersaal tanzen würde, käufe“ aus dem Anatol=Zyklus.
Schnitzler ist ein gestaltungsfähiger, ausdrucksvoller Vorle¬
forder
Der Beifall, der gleich beim ersten Tanz lebhaft einsetzte, steigerte
ser. Er hebt die Personen seiner Werke aus dem Buche heraus,
ugu
sich von Folge zu Folge und ward im zweiten Teil zum Jubel¬
er wird zum Puppenspieler, und die Kraft seines Wortes steht
gründe
sturm. Und wie die Künstlerin tanzte. Das war Rhythmik in
Verkel
künstlerisch freiester Form, höchste feelische Ausdrucksfähigkeit dem auf der Bühne gesprochenen nicht nach. Man stand im
mende
alles Großen, Gewaltigen, Erschütternden und Ergreifenden, aber Banne einer Persönlichkeit, aber sie offenbarte sich uns nicht
A. M.
fassen
auch alles Innigen, Zarten, Frohgemuten und Heiteren. Ein ganz.
Sie
00.5
Künstler von gleich großem Format ist Heinz Bongartz, der stän¬
Gesellschaftliche Veranstaltungen im Kurhaus.
dige musikalische Begleiter Hannelores, der sich in Taktart, Ton¬
(64
In den oberen Gesellschaftsräumen des Kurhauses findet am
weise und Harmonie vorbildlich anpaßt.
Samstag Abendtanz und am Sonntag Nachmittag ein 5=
[Uhr=Tee und Tanz statt.
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AUS
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TEDEDESCHEADIENSTE
Vorlesung Arthur Schnitzler.
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(Teleph. Eingänge des „Badeblattes“ und „Bad. Tagblattek“,
Baden=Baden beherbergte für kurze Zeit einen berühmten
Gast. Es war nicht das erste Mal, daß Arthur Schnitzler zu
Amtlicher Bericht über die Regierungsbildung.
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uns kam, wohl aber das erste Mal, daß er sich als Dichter hören
Berlin, 13. Januar. Um halb 10 Uhr abends wurde sol¬ Für ##
ließ. Das Interesse, das seiner Vorlesung aus eigenen Werken
gende amtliche Mitteilung ausgegeben:
entgegengebracht wurde, war der Bedeutung des Dichters entspre¬
Der Reichzminister Dr. Luther hat seine informatorischen
chend groß. Der Kleine Bühnensaal des Kurhauses wies keinen
2
Verhandlungen mit den Fraktionen gestern den ganzen Tag über
leeren Platz auf.
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fortgesetzt. Er hat Vertreter des Zentrums, der Deutschnatio¬
Marc
Die literarische Persönlichkeit des Wiener Dichters Arthur
nalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei und der Bayeri¬
Gesag
Schnitzler bedarf keiner Einführung. Alle Welt kennt ihn; und
schen Volkspartei empfangen. Den Kernpunkt aller Besprechun¬
wer ihn etwa nicht kennen sollte, der gewänne auch um vieler
Worte willen kein Verhältnis zu ihm. Seit dreitig Jahren zählt gen hat die Erörterung über die Bildung einer Regierung Luckon
Druc und Verlag von Grnß Koeletin, Hoserzdruckerei, Baden=Baden, Stephanie