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Geschichte eines Genies
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Nenes Wiener KagUs Wien
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# # 935
* Alma Seidler und Karl Eidlitz vom Burgtheater
geben morgen, Montagsim großen Saal der Urania einen
modernen Vortragsabend Alma Seidler liest aus dem Nachlaß
Artur Schnitzlers zwei Nopellen, „Das Genie" und „Ein
Erfolg“, und aus dem Roman „Die Jungen aus der Paulsgasse“
von Franz Molnar ein heiteres Kapitel, Karl Eidlitz eine
unveröffentlichte Novelle von Lernet=Holenig, „Die heiligen drei
Könige vom toten Leben", und Gedichte von Günther, Gregor,
Oberkofler und Zuckmayer.
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Ausschnitt aus:
neues Wiener Abendblatt
Vom:
1 4 MR Z. 1935
* (Vortragsabend Alma Seidler=Karl Eidlitz.)
Alma Seidler und Karl Eidlitz gaben jüngst einen Vor¬
tragsabend in der Urania mit einem ganz besonders gücklich
gewählten Programm. Eidlitz las zunächst eine Erzählung
von Alexander Lernet=Holenia, „Die heiligen drei Könige
von Totenleben“, aus dem Manuskript vor. Schlicht und ein¬
drucksvoll wird uns die Zusammenkunft der drei feindlichen
Feldherren Turenne, Melander und Wrangel geschildert, die,
als „Sternsinger“ verkleidet, eine geheime Zusammenkunft
abhalten, um zu entscheiden ob die Heere den endlich zu
Münster begonnenen Friedensverhandlungen beistimmen
sollen, die für den Soldaten ja das Aufhören der herrlichen
Kriegsjahre bedeuten. Und wie der Anblick eines neugebornen
Kindes den fast schon verschütteten Quell der Menschlichkeit in
ihren Herzen aufs neue erweckt. Dann interpretierte Eidlitz
sehr eindringlich Gedichte von Josef Gregor, J. G. Oberkofler
und Karl Zuckmayer. Zwei Kabinettstückchen Arthur
Schnitzlers gab Alma Seidler mit der ganzen herzbezwingen¬
den Anmut ihres Wesens wieder. Insbesondere übte die Ge¬
schichte des braven Wachmannes Engelbert Friedmann („Ein
Erfolg“) ihre schon oft erprobte Wirkung aufs neue. Köstlich,
wie der Biedere sich grämt, daß das Schicksal es ihm hartnäckig
versagt, sich als Hüter der öffentlichen Ordnung zu bewähren
und einen Delinquenten stellig zu machen, weil durch einen
unseligen Zufall niemand sich etwas in seinem Rayon zu¬
schulden kommen läßt während er Dienst tut, und wie er dann
schließlich die eigene Braut verhaftet und damit den hei߬
ersehnten Erfolg erringt. In zwei Märchen Andersens, „Das
Mädchen mit den Schwefelhölzern" und „Der Schweinehirt
und die Prinzessin“, von Richard Maux melodramatisch be¬
arbeitet, übertraf sich die Künstlerin selbst, und man erlebte die
beiden altvertrauten Märchen, als hörte man sie zum ersten¬—
mal. Der Komponist saß am Flügel und brachte seine die Ge¬
schehnisse diskret und stilvoll untermalende Musik bestens zur
Geltung. Der zweite Teil des Abends stand dann ganz im
Zeichen der Heiterkeit. Zwei entzückende Lausbubengeschichten
von Paul Keller und Franz Molnar (die erstere von Karl
Eidlitz, die letztere von Alma Seidler vorgetragen), jede in
ihrer Art so vollendet, daß man nicht wußte, welcher man den
Vorzug geben sollte. Das zahlreich erschienene Publikum
dankte den beiden Künstlern mit herzlichem, langanhaltendem
Beifall, der deutlich den Wunsch zu erkennen gab, der schöre
Abend möge recht bald eine Fortsetzung finden. B.=Sch.