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Frau Bertha Garlan
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Frau Bertha Garlan. Roman vor#
Schnitzler. Berlin, S. Fischer. S#
Jedem Talente sind seine Grenzen gezogen. Der
feine Schnitzler, dessen Dialoge zum Reizvollsten in
der modernen Literatur gehören, hat hier einen Roman
seinen ersten! — der von jedem
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beliebig#mittelmäßig begabten Anfänger hätte ge¬
rießen werdenkönnen. Seine „Frau- Bertha Garlan,
delche den Leser über 250 Buchseiten hinaus
die Held
gist eine kleine bürgertieg Gans, die
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weit unter d Durckschnitt stehtzund garnicht perdient,
daß von ihr die Rede####
ne Wittive“ gibt
sich aus Liebessehnsucht eiManne hin, den sie
früher einmal gern hatte — Das ist die gonze
Geschichte. Hätte diese kleine Wittwe Geist, oder wäre
dieser auf den Mann im Allgemeinen gerichteten Liebes¬
sehnsucht irgend eine höhere Empfindung beigemischt,
so könnte man für die langathmige und langweilige
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Aufzeichnung vielleicht eine Entschuldigung finden.
Aber nun handelt es sich um ein ganz dummes
Gänschen, das garnichts denkt und denken kann,
trotzdem müssen wir erfahren, was sie thut und
sie sinnt, wie sie lebt und wie sie arbeitet —
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die Mitte des Buches glaubt man immer,
noch irgend etwas Bedeutendes kommen, ac es
kommt nichts als die kleine aunselige Liaten, die mit
dem Beginn auch schon zuEnde iste Denn Der, dem
die kleine Wittwe sich ohne. Kampf# die Arme wirft,
hat sicherlich dieselbe Empfindung, welche der Leser
hat — die Geliebte eines Augenunks ist ihm zu haus¬
backen, zu gewöhnlich, zu alltäglich, um der Zusammen¬
kunft irgend welchen Ernst beizumischen. Einer zweiten
Begegnung beugt er durch ein kühles Schreiben vor
und die Wittwe kehrt in ihre Klause zurück. Schnitzler
##nd sich in einer argen Selbsttäuschung, als er
sen Roman niederschrieb und ihn veröffentlichte.
stimmt nicht zu den anderen Werken des Dichters,
or dem Roman scheint sein Talent Halt zu machen.
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vieer bund Jasielate
20K. 04-
78/60
Da könnte man Arthur Schnitzler's neues Buch
„Frau Berta Garlan“ (Berlin, S. Fischer), über das
vor wenigen Tagen an anderer Stelle dieses Blattes schon
Einiges gesagt worden ist, weit eher für ein Product
weiblicher Herkunft halten, so weich, zart und sensitiv ist
es geschrieben. Es ist Schnitzler's erster Roman und zugleich
der erste gelungene Roman aus dem sogenannten „Jungen
Wien“. Was dieses visher an Romanen geleistet, war eine
Reihe von Mißgeburten, an denen sich die künstlerische
Impotenz dieser selbstbewußten Gilde in unzweifelhaftester
Weise offenbarte. Daß es erst Schnitzler gelungen ist, auf
diesem Gebiete ein tüchtiges Werk zu schaffen, ist eigentlich
nicht zu verwundern, denn er ist der Einzige aus „Jung¬
Wien“, bei dem Können und Wollen nicht in schreiendem
Mißverhältniß stehen. Er will nicht nur, er kann auch.
Sein Gebiet ist allerdings etwas beschränkt, aber in diesem
kleinen Bereich ist er groß, da ist er zu Hause und kann
alle Vorzüge seines feinen Talents entfalten. Wer aber etwa
glauben sollte, sein neues Buch sei ein Wiener Roman im
eigentlichen Sinne des Wortes- und diese Annahme läge
ja nahe, da er aus „Jung=Wien“ kommt —, der würde sich
sehr täuschen, denn dazu fehlt ihm eigentlich Alles; man
wird überhaupt gut thun, den Wiener Roman, der eigentlich
noch immer ungeschrieben ist, nicht von „Jung=Wien“ zu
erwarten, denn die ganze Denk=, Gefühls= und Ausdrucks¬
weise dieser literarischen Gruppe ist Alles eher als wienerisch.
Scanes Asnuen
410A.
2
Schutteler, Arthur, Frau Bertha Garlan.
K. 3.60.
In diesem Romane hat der Verfasser
der „Liebelei“ das Problem aufgegriffen,
ob eine junge Frau, die durch Jahre an
einen kranken Gatten gebunden ist, den
Teebesfreuden entsagen muss, und er bringt
dies mit der Frage in Zusammenhang, ob
eine junge Witwe dadurch, dass sie sich
nach dem Tode ihres ungeliebten Gatten,
durch den sie Mutter geworden, ihrem
einst und heute noch wirklich Geliebten
hingibt, eine Untreue begeht. In Frau
Bertha Garlan ist die letztere Art ver¬
treten, während der erstere Typus in einer
ihrer Freundinnen verkörpert erscheint.
Diese hat, um sich eines keimenden
Lebens zu entledigen, Gift gebraucht, was
jedoch auch ihren Untergaug herpeiführt.
Von der Witwe aber sagt nun Schnitzler:
„Sie ahnte das ungeheuere Unrecht in
der Welt, dass die Sehnsucht nach Wonne
ebenso in die Frau gelegt ward als in den
Mann; und dass es bei den Frauen Sünde
wird und Sühne fordert, wenn die Sehn¬
sucht nach Wonne nicht zugleich die
Sehnsucht nach dem Kinde ist.“ Ganz
richtig, ausgenommen das
„Unrecht“.
Allerdings kommt es darauf an, ob man
das Recht engherzig modern auffasst oder
nicht. In dieser Hinsicht gibt das Buch
Schnitzler’s Gelegenheit genug, Anschau¬
ungen zu überprüfen, die Vorwürfe gegen
den Mann darstellen und sich wie ein
Freibrief für die Frau ausnehmen. In¬
dessen meinen wir, dass die Frauen, die
Goethe „edel“ nennt, Frau Bertha Garlan
zum Trotz nicht zweifelhaft finden würden,
was sich ziemt.
F. Ch.
— —— — — —
Minbarger Kendenbial
vom 76
„ 1401
7Frau Bertha Garlau. Roman von Arthur
Schnitzler. Berlin, S. Fischer.
Jedem Talente sind seine Grenzen gezogen. Der
feine Schnitzler, dessen Dialoge zum Reizvollsten in
der modernen Literatur gehören, hat hier einen Roman
veröffentlicht —
seinen ersten! — der von¬
hätte
beliebigen, mittelmäßig, begabten Anfäng
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schrieben werden können. Seine „Frau
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die Heldin, welche den Leser über 250
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daß von ihr die Rede ist. Eine „klei
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