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6.
Der Ehrentag

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Tagesdronung hinwegzugehen. Es mag Opernbesucher in
In Hülle und Fülle geben, die auf ihrem abonnierten Stamm¬
sitz keine Vorstellung auslassen und bei denen der Gedanke
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an den Chor, seine Existenz, die sich doch aus soundsovielen
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Individnalitäten zusammensetzt, aus Menschen mit Sorgen
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und Hoffnungen, mit Freuden und Kümmernissen niemals
im¬
über die Schwelle des Bewußtseins getreten ist. Sie haben
sor
niemals der großen Tragik des Chors gedacht, der die
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Wiege der Künstlerschaft darstellt und weit öfter noch ihr ruhm
loses Grab. Denn es ist nicht anzunehmen daß einer zum
Theater geht mit dem genügsamen Vorsatz, Chorist zu werden.
orist zu bledenEs mögen Männer unter ihnen sein, die
mit hochgeschwellten
Hoffnungen zum erstenmal die Bühne
sich
beiraten. Es
ie wenig, gar nicht an, daß heute kein
kritisch Lied
kein Heldenbuch des Theaterzettel
hren Namen
nennt, daß sie sich
einreihen müssen in die dumpfe Menge,
ie auf den gleichen Ton, die gleiche Bewegung gedrillt wird.
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und dem Heute wird
Morgen
dieses Morgen bedeutet die Auferst
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Rauvenhülle des Choristentums von sich wirft. Dann komn
der Ruhm und die Ehre, der
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tücke und lockenden Frauenlächelns. Aber es folgt ein
dem
dem anderen, und sie gleichen einander und es will
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mörgen werden. Und jeder Tag stimmt die H
sich
läßt die kalten, krostlosen Nebel der Ernüchterur
und unentrinnbarer zusam
ersche
wohl, der
die Wiege des Künstleitums sein, und mehr als einer u
eine ist ihr triumphierend entstiegen. Aber das ist die Mind
ahl, die meisten sterben am Wege, seelisch zum mind
der
die Kinderkrankheiten des
s sind gefährlich u
todbringend. Weit öfter ist der Chor das Grab geweser
Künstlerschaft, die Zufli
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nicht mehr Anlaß, sich d
den anderen, die zu gleichen Rollen auserlesen sind. Hatten
doch auch sie eine ähnlich
wie er und hatten
auf kleinen Bähnen vor Jahren erste Helden, Liebhaber oder
Intriganten gespielt. Nur daß
eld der Schnitzlerschen
Geschichte seltsamen Hoffnungen auf eine großartige Wand¬
lung nicht entsagen kann, auf Zufälle, die ihn auf einen
anderen Platz stellen würden, ihm eine Gelegenheit brächten,
wo die Welt erkennen würde, daß er ein großer Schauspieler
sei. So warket der Mann auf seinen „Ehrentag“, und diesen
Titel hat auch die Novelle bekommen. Dieser Ehlantag bricht
auch wirklich an. Da machen sich zwei Lebejünglinge mit dem
armen Choristen einen bösen Scherz, lassen ihm eine Ovation
veranstalten mit Hervorrufen, Beifallsstürmen und Lorbeer¬
kränzen. Der Unglückliche aber geht in seine Garderobe ab und
erhängt sich dort — an seinem Ehrentag. Muß man nicht
die anderen glücklich preisen, die dritten mit denen sich jene
Kollegen nicht verstehen, die von ihrer Zukunft träumen oder
von ihrer Vergangenheit. Das sind die Zufriedenen, die ihre
geringe Kunst von jeher als brave Handwerker betrieben
haben und von ihr nichts verlangen als ein bescheidenes
Auskommen. Nur meinen sie, dürfe diese Bescheidenheit nicht
übertrieben werden. Als aber die Chorherren der Wiener Hof¬
oper dieser Meinung auf unangebrachte Weise Ausdruck
gaben, mußten sie zu ihrem Leidwesen erfahren, daß nicht
nur die Kunst Verpflichtungen auferlegt, sondern auch das
Konsthandwerk. Die Hoftbeuterbehörden sind freilich ver¬
pflichtet, den Grundsatz „Noblesse oblige“ nicht nur für das
Verhalten der Chorherren, sondern auch für ihr höchsteigenes
St—g
bindend zu erklären.
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