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30. Der Gang zun Weiher
Gald. Zeita
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„ Allgemei
Tädliches 1 Angozin.
Seite 16 (Beilage IV)

cke-Dia
—echenrub der Eener Aligemeinen. =eitung.
für Citeratur und schrt
größer. In der Kunst der Hintergründe; auf
Das Buch der Woche
dem Schachbrett des großen Warum ein
L. U.
Arthur Schnitzlers neues Drama leidenschaftlicher Rechner.
„Der Gang zum Weiher. (S. Fischer,
Verlag, Berlin.)
In kühlen, klaren Szenen kämpfen Sym¬
bole, handeln Prinzipien, gestalten sich Ein¬
fälle romantischer Phantasie zu seltsamen
Tagesspuk.
Dr. Man Goldschmiet
Abgeklärt, verklärt und doch irgendwie
Büro für Zeitungsausschnitte
umschleiert, ja geheimnisvoll wirken diese hart
und klug gezogenen Szenen, die bisweilen
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Telelon: Norden 3051
gleichsam zu tragischen lebenden Bildern er¬
starren, schmerzlich spröd, spiegelndem Marmor
gleich.
Deutsche Tagesseitung, Berlin
Alter und Jugend, Bestimmtheit und
Verlockung, Gedanke und Sehnsucht, treten
23 feb 1926
sich, umschmeichelt von der Flut scheinheilig
Ein neues Drama von Arthur Schnitzler erscheint dem
harmonischer Verse, gegenüber: freundlichen
nächst bei S. Fischer „Der Gang zum Weiher“. Schnitzler
Worts und ingrimmiger Gewißheit. Durch
gibt in dem Werke, das im 18. Jahrhundert spielt, ein Schau¬
Welten der Resignation getrennt. Zu ver¬
spiel der Seelenwende zwischen Jugend und Alter, die von den
Vorzeichen eines hereinbrechenden Krieges zu ihrer vollen Selbst¬
geltung aufgerufen werden. Er nennt das Werk eine „dramatische

der Wirklichkeit sich anders als mißverstehen
Dichtung in fünf Akten“.
zu können. Trotzdem wird Handlung, um¬
düstert und trauervollen Ausklangs hier mehr
Spiel als Kampf. Von einem unhörbaren
Orgelspiel scheuer Weisheit begleitet. Ist es
nicht eigentlich Schnitzlers erstes Werk, in
dem Alter und Reife des Herzens mit sicherer
Dr. Max Goldschmidt
Hand salutiert werden und der Stolz der Er¬
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gewisser¬
fahrung auch zur Form wird
Büro für Zeitungsausschnitte
maßen?
BERLIN N4
Teleion: Norden 3051
Die Gestalten wandeln und stehen
repräsentativer als sonst. Sie führen eine Art
konzentrierter Zitatensprache, eine Art An¬
sprache an Schicksal, Welt, Zeit, Gesinnung.
Semeler Dampfboo
Dabei aber tragen sie die Schnitzlersche Seele,
1926
die von Zweiseln und Müdigkeiten zersungen
und zerblüht, wobei geheime Dämonie ver¬
wirrter Herzen gleichwohl melodisch ans Licht!
Ein neues Drama von Arthur Schnißler er¬
fteigt: Strindberg in Cis=Moll
(scheint demnächst bei S. Fischer „Der Gang zum
Weiher“ Schnitzler gibt in dem Werke, das im
Es ist — allerdings — ein Kostümstück
18. Jahrhundert spielt, ein Schauspiel der Seelen¬
und aus dem Milieu jenes Jahrhunderts der
wende zwischen Jugend und Alter, die von den
schärfsten Grazie und der feinsten Raison
Vorzeichen eines hereinbrechenden Krieges zu ihrer
geigen an sich Haltung, Linie, Esprit geistiger
vollen Selbstgeltung aufgerufen werden. Er nennt
das Werk eine „dramatische Dichtung in fünf Akten“
Geste. Der Dichter Schnitzler nimmt sie immer
liebevoller auf, spiegelt sie lächelnd und tiefen
Spiels zurück, auch hier im Verschweigen fast!