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30. DerGang zun Neihen box 34/2
*20
Dienstag, 17. Februar
Allgemeine Zeitung
Theater der Komiker
8 Uhr
Täglich
11 Uhr
Gcimnes Reidev. inte Wienzeile 6 Tel. A 35-3-86
V. Drer standen Lachstarmhe..
Fritz Grünbaum, Sandor Rott
Armin Berg, Franz Engel
heatet
Trienensadbierens
Armin Springer, Fritz Schrecker
Kurt Reding, Hans Starkmann
Berta Türk, Paula Walden
Schlalen eie in meinem der
Paula Pfluger, Lilly Laube

Der Schnitz'er=Abend des
Teine Aausmaunckost
Karten reservieren (A 35-3-86), da täglich ausverkauft
Burgtheaters
„Der Gang zum Weiher“
den er den „Kanzler“ nennt — alles in
exemplarisch burschikosem Temperament, aber
Arthur Schnitzlers „Baumeister Sol¬
diesem flutenden Reigen schweifender Ge¬
doch wohl ohne den Flaum und Flor ver¬
neß“. Auseinandersetzung mit der Jugend
sichte: ist irgendwie Symbol. Man erfüllt
messen törichten Knabentrotzes. Stellt Herr
und ihrem fast rührend egoistischen Un¬
und überwindet sich, so scheint es ihm und
Heine eine gespenstisch flirrende Episode
gestüm. Flucht vor den gaukelnden Gespen¬
allzu solid hin.
uns dank seiner Zauberrede, durch das
stern eigener Vergangenheit. Bekenntnis
Bekenntnis zur Reife und zum Reichtum
Inniger fließt des Dichters Geheimnis
freilich auch zur Weisheit des Alters. Zu
des Herbstes, durch den Mut, das Große
von Frauenlippen: Frau Wohlgemuth spricht
ihrem lächelnden und verzeihenden Verzicht,
mit kleiner Gebärde zu tun, zu erobern, wo
Worte überlegener Entsagung mit höchstem
der zugleich ihre höchste Kraft ist. Eine hell¬
man zu verzichten scheint. In diesem Sinn
und sanftestem Burgtheaterschwung und
sichtige Dichtung, irdische, allzu irdische Kon¬
besiegt Alter hier die Jugend, indem es sie
Frau Johannsen Barocknixe Leonilda scheint
bestätigt.
flikte beinahe wie eine Schachbrettaufgabe
mitunter von in der Tat okkulten Schleiern
betrachten“. Ein schmerzlich reifes und bitter
umweht. Oft lispelt sie wie verloren in den
sanftes Werk. Es ist mit sichtlicher Verach¬
großen kalten Raum. Oft schlägt es wie leid¬
voll grimmer Hohn aus ihrer blumig zarten
tung des Erfolges geschrieben, ist tief ver¬
Femnind unmamnan
Mnui
Rede. Ein seltsamer Fall, wie gut ihr das
sponnen in Melancholie und in Heiterkeit
somnambul Verführerische liegt.
des Abschieds. Es klingt und haftet — hof¬
Gleichwohl weht es kühl und schatten¬
fentlich lange vor der Zeit — wie das Ver¬
Herrn Balser möchte man übrigens so
haft um diese Gestalten, die doch ganz Glut
rasch nicht abtun. Er schwingt und klingt von
mächtnis eines Dichters der Liebe, ihrer
und Glanz sind. Ein Strom herb melodischer
gespannter Glut des Wortes. Er ist eine
Komödien und ihrer selig süßen Verwir¬
Verse hüllt sie in ein unnahbar starres
Hoffnung, aber diesmal eine falsch be¬
rungen.
Prunkgewand, Vergangenheit umdämmert
Eine Hoffnung ist auch die
schäftigte.
sie. Ihre dramatische Verkettung scheint,
Tatsache dieser Aufführung, für die man
Nur er, nur Arthur Schnitzler, konnte
allerdings erhabene und hochmütig unbe¬
Dank und Achtung abstattet.
eine Gestalt ersinnen, wie dieses Mädchen
denkliche, Konstruktion. So führen sie,
Leonilda, Rautendelein im Barockschloß,
sturmgerüttelt, dennoch auf der Bühne ein
Symbol unergründlicher Verführung und
Für Schnitzler kein Geschäft mit Amerika.
einsam frierendes Dasein.
hoheitsvoller Verzeihung. Ein elbisch Wesen,
Aber ein Gruß seiner tief in sich selbst
Ein umso einsameres, als die in jeder
blickenden Vereinsamung. Ein Gruß an die
das Dichtern ihre grausamsten Träume ent¬
Silbe höchst ehrerbietige Aufführung des
Jugend, die er umso heißer und gütiger
lockt und Männern ihre brutalste Wahrheit.
Burgtheaters (Regie Albert Heine) gleich¬
liebt, je weiter sie ihm, schamlos süß, ent¬
Eine Liebende, die das Geheimnis gefunden
wohl im Ton viel zu ungleich ist, Pathos
schwindet. Ein Gruß an das Alter, dessen
hat, sich zugleich hinzugeben und zu bewah¬
neben Sachlichkeit setzt und sich auch in der
goldene Frucht reineren und sicheren Wissens
ren, frei und gebunden zu sein, Ersüllerin
Besetzung vielfach großzügig geirrt zu haben
er demutsvoll empfängt.
scheint.
und Zerstörerin von unirdisch verruchtem
Das Theaterstück einer großen Seele.
Reiz.
So hat Herr Balser für den verschlossen
Ein Alzerswerk? Aber das Werk was für
und fast verschmitzt altersweisen Kanzler
Um ihretwillen geht ein Träumer, den
eines Alters! Ein Buchdrama? Aber es ist
einen entschieden zu jugendlichen und zu
sie mitleidlos scharfsichtig erweckt, in den
das Buch des Lebens, das es aufschlägt.
straffen Ton, so scharf und klug er auch
Tod. Um ihretwillen handelt ein Jüngling,
Kurz, Kaviar für Premierentiger!
spricht und so sehr er von hoher und edler
und von ihr gespornt, wider alle Ehre und
Intelligenz der Auffassung zeugt. So ist
Ludwig Ullmann
Vernunft, aber der Wahrheit seines Blutes
Herr Onno als traum= und todgeweihter
folgend, der sie sich beugt. Um ihretwillen
Ekstatiker eine prachtvoll fiebernde, aber un¬
lächelt ein weiser alter Mann im Abend¬
ausgesetzt fiebernde Vision. Spielt Herr
sonnenglanz.
SHOWDafI mum
Hennings einen Zwanzigjährigen mit! n
Nur Arthur Schnitzler konnte dies
Spiel unerfüllter Leidenschaft spinnen. Nur
er ein Echo eigener Jugendsehnsucht in der
erhaben zerrissenen Seele jenes alternden
Was Sahmann in Hamburg zu
Poeten widerklingen lassen, den ein uner¬
bittliches Mädchenlächeln ins Schattenreich
treibt. Nur er im vollen Sonnenstrahl, von
hoten belam
gen Umstytmnelt, Dieses Sinat:!