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30. Der Gang zun Neihen box 34/2
und d
spiel
lichkeit, aber Väterlichkeit auch der Welt und der Zeit gegen¬
komm
über. Ihn gebraucht Balser, um uns ihren Reichtum zu
sich a
entriegeln; er gebraucht ihn mit Kraft und Anstand, spricht
der E
auch vortrefflich, und wenn auch kein Devrient, für den der
Behar
Kanzler wohl gedacht war, zeigt er sich doch durchaus seiner
und L
schwierigen und verpflichtenden Aufgabe gewachsen. Ebba
Johannsen gibt die verwöhnte Leonilda, die den Ab¬
Mn
solutismus ihres Vaters auf das erotische Gebiet überträgt,
mit einer eigenwilligen Grazie, die sich nur sprachlich den
ihnen
Raumverhältnissen des übergroßen Hauses etwas vernehm¬
daß si
licher anpassen lernen müßte. Hierin ist Frau Wohl¬
nehme
gemuth Meisterin. Man kann einen schönen Strauß Verse
hagen,
nicht anmutiger auseinanderlegen und zusammenbinden, als
zunehr
sie es mit vollendeter Kunst tut; aber auch menschlich bringt
Wird
sie uns das Schicksal des in Schönheit alternden Mädchens
trunke
näher, dessen unterdrückte Mütterlichkeit sich sachte in Haus¬
erschei
mütterlichkeit zu wandeln beginnt. Onno als Sylvester ist
der er
so problematisch wie die Figur, die er darzustellen hat;
zur 2
Hennings als Konrad ebenso unproblematisch wie die
gewöh
ihm gestellte Aufgabe. Sein junger Offizier ist wirklich ein
an die
junger Offizier, was auch in einem pazifistisch gerichteten
die des
Stück aus künstlerischen Gründen wohltut. Hingegen gibt
körper
Heine dem Publikum, daß er mit der gespenstischen Rolle
durch
des Sekretärs nichts anzufangen weiß, etwas zu deutlich zu
Tempe
verstehen. Herzerfreuend Herr Müller als Diener
somit
Dominik. Solche Diener gibt oder — gab es nur in Oester¬
reich. Daß aber Schnitzlers neues Stück solche Gewesenheiten
ohne Wehleidigkeit, wenn auch nicht ohne Wehmut, in Be¬
tracht zieht, macht seinen feinsten Reiz und unwiderstehlichen
bakt
Zauber aus. „Die Stürme sind — die Jugend ist vorbei“
Fähia
versichert Sylvester, der sie um jeden Preis halten will.
die V
Allein Leouilda, die es wahrscheinlich von ihrem Vater weiß,
tröstet ihn und seine Zeit mit dem wundervollen Wort:
daß n
„Als lernte Leid sich leicht. Auch Leid ist Gnade"
auch
Und da sagt man, daß die Zeit des Verses vorbei ist. Im
Milch
Gegenteil, sie hebt erst wieder an, und Schnitzler, dessen
könne
erstes Stück vor sechsunddreißig Jahren im Burgtheater zur
grüf
Aufführung kam, steht an ihrem Anfang.
R. A.hörd