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box 22/10
17.4. Marionetten ZVK—
em, Kopen¬
Malland. Minneapolis, New-Vork,
Falis, Kom, San Francisco, Stockholm, St. Petersburg.
(Guelienangabe ohne Gevam.)
= Ausschnitt aus:
—I. Dise.
E vom:
er Bühnenbote, Chemmitz 1 S.
Prag.
Neues deuisches Theater „Marionetten“
von Artbur Schnißler Die Wiener Muse geht au¬
leichten ist zart und duftig und einer
ihrer speziellsten Vertreter ist der Dichter Arthur
Schnitzler. Die Gedanken seiner Werke haben alle
den besonderen Charakter, ob sie nun ernst oder beiter
sind, immer lehrreich zu wirken. Sie sind stimmungs¬
tief und selbst bei einer keck humoristischen Pointe,
mit jener leichten Sentimentalität durchsetzt, die dem
Wiener Typus eigen ist, die aber dennoch nichts von
falscher Stimmungsmacherei in sich hat, sondern so
dazu gehört, wie etwa das süße Mädel zum Prater.
„Die Marionetten“ eine der letzten Schöpfungen
von Schnitzler, enthält so ziemlich alles, was als
Substrat seiner Muse gelten kann. Die gedankenreich
angelegte Studie „Der Puppenspieler“ ist in seiner
abgeklärten Ruhe und harmonischen Einheit der Situa¬
tion ein Kabinettstückchen Wiener Poesie, des Wiener
Waldes, der Wiener Dichter. Der Einakter enthält die
Geschichte eines glücklichen Ehepaares, das sich sand,
weil sich ihr Freund, der Dichter, als Puppenspieler
gesiel und seinem Freunde, dem Oboespieler eine glück
liche Stunde schaffen wollte, um alles Gute, das da
in ihm war, zu wecken. Und siehe, der Puppenspieler,
der die Drähte unsichtbar bewegte, wurde selbst zur
Puppe. Die Aufgabe, die er sich gestellt, wuchs über
ihn hinaus und wurde zu einem großen Werke, wäh¬
rend ihm selbst dabei am schlechtesten mitgespielt
wurde.
Die drei Figuren, der Oboespieler, seine
Frau und vor allem jene des Dichters, der den
Glauben an seine göttliche Sendung nie verliert, sind
Schnitzler vortrefflich gelungen
Manning gab
den Dichter mit suggestiv wirkende Psyche, eine glück¬
liche Auffassung, weiche die Figur glaubs aft erscheinen
läßt und ins reale Leben versetzt. Max Schütz als
Oboespieler war wie immer einfach, mit natürlichem
Spiel, er weiß, daß er mit solchen Mitteln immer
viel erreicht. Sehr gut jand sich auch Fritzi Niedt mit
ihrer kleinen Rolle ab. — Ueber das Puppenstiel „Der
tapfere Cassian“ ließe sich polemisieren. Ich sand vor
allem den Titel etwas gewagt, denn tapser ist doch
dieser bramarbasierende Cassian nicht.
Er ist mehr
oder weniger ein Allerweltspousseur, der sich nich:
scheut, seinem besten Freunde und Cousin das Mädel
wegzuschnappen, mit der Tapferkeit hat dies nichts
gemein und den Sprung aus dem Fenster, den er
der schönen Sophie zuliebe tut, ist auch nicht ernst
zu nehmen. Viel tapferer benimmt sich da der Mar¬
tin, der eine Liebe opfert, um eine ungestillte Sehn¬
sucht zu befriedigen, von der er weiß, daß sie sein
Unglück wird. — Gespielt wurde dieser Akt mit allem
Raffinement, das eine sehr geistreiche Regie (Dr. Eger)
zur Verfügung hatte. Die Szene war intim und hatte
für das Puppenspiel den richtigen Rahmen. Licht
und Schatten waren mit großer Sorgfalt verteilt und
schufen so Situationen, die an alte holländische Meister
sehr erinnerte, die scharsen Silhuerten der Spieler
hoben sich sehr vorteilhaft vom Hintergrunde ab. Es
war ein sehr delikates Bild. Tiller als Cassian war
vorzüglich in Maske und Sprache Hermine Medelsky
(Sophie) war lieblich anzuschauen. In ihrem Spiel
war verhaltene südliche Glut und Sehnsucht nach
großer Liebe, die alle Schranken der guten Sitte
durchbricht. Das stumme Spiel zwischen ihr und
Cassian war jedenfalls sehenswert.
Der Abschluß
„zum großen Wurstel“ bildet den heiteren Ausklang
dieses Abends. Die Burleske spielt im Prater und
brinigt aue 5