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17.4. Manionetten zukIus
## Scicago, Cloveland, Caristlant.
Ropenhagen, London, Madrid, Mailand, Minneage
New-York, Paris, Rom, San Francisco, Stockholm, St. P###ss¬
burg, Toronto.
(Quellenangabe ohne Gewähr.)
Ausschnitt aus:
Wiener-Hanfrauen Zeitung, Wien.
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Kleine Theaterplaudereien.
Wien, 15. Februar 1912.
„Marionetten“ laute der Sammeltitel der drei Novitäten Artur
Schuitlers, die im Volkstheater in Szene gingen. Und in allen diesen
drei Stücken, „Püppenspieler“, „Der tapfere Cassian“ und „Zum großen
Wurstel“ ist der Weisheit letzter Schluß: die Menschen sind Puppen,
die wie diese an Drähten hängen und Schicksal zu spielen, ist eine recht
gewagte Sache. Speziell in „Puppenspieler“ ist dem Autor der Beweis
hiefür sehr gut gelungen. Hier finden wir Georg Merklin, einen ab
sonderlichen Menschen, der einst auch die Vorsehung spielen wollte und
dem Oberspieler Eduard Jagisch eine reizende Blondine beigesellte, um
dessen Selbstbewußtsein zu kräftigen. Nun nach Jahren sehen sich die
beiden Männer wieder; jene Blondine, die dazumal den Puppenspieler
Merklin geliebt, ist Jagisch' Frau geworden, während Marklins Frau
diesen verlassen hat und sein Kind gestorben ist. Ein müder Puppen¬
spieler, mit sich und der Welt unzufrieden, lebt er jetzt dahin, während
seine Puppen vergnügt und zufrieden sind. Diese „Studie“, wie Schnitzler
das Werk nennt, ist vorzüglich gezeichnet und fand auch eine ebenso gute
Darstellung; Kramer, Onno und Fräulein von Wagner boten ihr Bestes,
um den Intentionen des Dichters gerecht zu werden. — „Der tapfere
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Cassian“ ist der Landsknecht, welcher mit festem Griff seinem Vetter Gold,
Braut und dann auch die Geliebte wegnimmt und im dritten Stücke
„Zum großen Wurstel“ zeigt der Direktor des Wursteltheaters daß das
Leben ein Theater sei, und daß das Abbild des Lebens, die Bühne, auch
nur ein trauriger Spaß ist, wo, wenn man näher zusieht, gar bald die
Drähte sichtbar werden. Der Dichter macht sich hier über alle lustig:
über die Kritik, das Publikum, den Direktor und über sich selbst und da
dies in feinsinniger Weise geschieht, ist auch diesem Werke ein herzlicher
Erfolg beschieden gewesen. Frau Glöckner und Herr Homma im zweiten
Stück, die Damen Galafres und Waldner im dritten Werke, sie alle
mußten wiederholt für den Beifall danken.
An der Josefstädter Bühne ist ein lustiger englischer Schwank „Mein
Baby“ von Margaret Mago, zum erstenmal aufgeführt worden Hier
verdächtigt Alfred seine junge Frau Kitty eines höchst harmlosen Be¬
truges und würde sich der Gatte nur durch ein — Baby versöhnen lassen.
So läßt sich denn Kitty ein solches von einem Säuglingsheim ver¬
schreiben und überrascht damit den Ehemann. Aber plötzlich sind im
Gefolge der Schwank=Mißverständnisse gleich drei Babies da, bis sich
schließlich natürlich alles in Wohlgefallen auflöst. Der Schwank von
Maran, Schroth und den Damen Clemens und Rona sehr flott gespielt,
errang einen ehrlichen Heiterkeitserfolg.
Zum Schlusse muß noch des Ablebens des Hofschauspielers Konrad
Löwe gedacht werden, an dem das Burgtheater einen vornehmen
Künstler verliert. Am 6. Februar 1856 geboren, studierte er an der Wiener
Universität und entschloß sich 1877 zur Bühnenlaufbahn. Nachdem er
in Brünn, Teplitz und Olmütz gewirkt, wurde er 1881 nach Berlin
engagiert und trat 1888 in den Verband des Burgtheaters, dem er mit
einer Unterbrechung von vier Jahren, die er im Deutschen Volkstheater
verbrachte, seither angehörte. Löwe ist hauptsächlich als Charakterdar¬
steller und Heldenvater beschäftigt gewesen, verschmähte auch nicht die
kleinste Rolle und ist zum letztenmal bei der Novität „Die fünf Frank¬
furter“ aufgetreten. Ein Herzschlag hat nun seinem Leben ein Ende ge¬
macht und wenn er auch nicht zu den Großen der Burgtheatergilde ge¬
hörte, so wird diese Bühne dennoch dem bescheidenen Manne, der seinen
Platz jederzeit voll und ganz ausfüllte, ein ehrendes Andenken bewahren
it.