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17.2. Der tanfere Cassian
Der Bund, Bern
S2 FER 994
ran
(Kassian“. Es ist nicht mehr als ein Puppen¬
Die „Neue Rundschau“.
theaterstück, aber als solches so beschaffen, daß
Auch im Februarheft macht die „Neue man angesichts dieser fröhlichen Leistung des
Rundschau“ (S. Fischers Verlag, Berlin) dem Wiener Dichters zu dem Schlusse kommt, der
prächtigen Gewande, das sie seit Neujahr trägt, gespeit gaulois, sei offenbar ein Exportartikel
mit dem Inhalt alle Ehre, so daß man beinahe geworden und also auch an der schönen blauen!
Donau zu finden.
mit unserm Haller ausrufen möchte: „Gerech¬
testes Gesetz, daß Kraft sich Zier vermähle; in
einem schönen Leib wohnt eine schön're Seele!“
Wir hatten namentlich an den nachdenksamen
„Jugenderinnerungen“ von Georg Brandes
unsere Freude, ferner an den feinen Betrach¬
tungen, die Maeterlinck in einer Apotheose
seines kleinen Hundes über das Verhältnis von
Mensch und Tier überhaupt anstellt. Die Fort¬
setzung des Romans „Kreuzungen“ von Emil
Strauß bringt das interessante Motiv eines
nach Selbständigkeit ringenden Mädchens aus
spießbürgerlichem Hause. Weniger hat uns die
altenglische phantastische Diebsgeschichte „Sara
MMalcolm“ von Jakob Wassermann an¬
gesprochen. Der Verfasser versündigt sich am
Mitleid des Lesers, indem er eine mit verbreche¬
krischen Instinkten behaftete Natur zu einer un¬
kwahrscheinlichen Höhe schöner Gefühle und Phan¬
stasien hinaufschraubt, die den Untergang des
farmen Geschöpfes unverhältnismäßig schmerzlich
gempfinden läßt. Glücklicherweise kann man den
verlornen Humor wieder herstellen an Arthur
[Schnitzlers lustiger Burleske „Der tapfere