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16.4. Literatur box 22/3
und erinnert stellen= einen spielerischen Eindruck, und mit gewissen sehr billigen
das gegenüber dem
Effekten bereitet es Unbehagen. Das beste ist, wie „der
kelt haben das Frl.
arme Narr“ im Zimmer des Groß=Kaufmanns, seines
ll. Der erstaunliche
Bruders, wo nichts seit der Kindheit verändert ist, die
unst Frl. Ilms ver¬
Erinnerung an seine Jagend und seinen Vater wieder
imph. Was man von
erwachen fühlt. Das hat etwas menschlich Rührendes.
gilt auch von ihr:
Bei Dehmel steht irgendwo die Strophe: „Ich sah eine
rüner bot als alter
Menschengestalt, mit Leidenszügen mannigfalt, aber im
hat eine artige Szeue
Gruß der blassen Hand und im Lichte der Augen stand:
err, der Journalist,
nur selig“. Das ist dichterisch mehr wert als das ganze
ner als Zeugen der
Drama Bahrs.
mache, und wie der
Gespielt wurde das Stück von den Herren Duschak
Korbes wird, den die
(Kaufmann), Nowotny („der arme Narr“) und Ehrens
(der zweite Bruder) höchst lebendig und eindringlich.
Schauspiel „Der
Namentlich Herrn Nowotny gebührt hohes Lob für seine
knheit eines frischen,
vorzügliche Schilderung des Psychopathologischen.
dantisch pflichtmäßige,
n: an einem gesund¬
Kleine Chronik.—
B=Kaufmann als dem
Zur Ausstellungalter zürcherischer
ernden, freudlosen Ar¬
Maler im Künstlerhaus. Es interessiert viel¬
intensives Leben mit
leicht noch den und jenen Besucher der Ausstellung, daß
ußte, aber in seinen
von den zwei im Katalog unter Nr. 22 und 23 bloß
cklichen Menschen sich
mit Bezeichnung „Figurenbild“ aufgeführten Gemälden
des Groß=Kaufmanns,
Heinrich Freudweilers, zwei tüchtigen, male¬
#nches sehr Dunkle in
risch gefälligen Arbeiten, das eine den Ratsherrn und
ihm die Erinnerung
Zuckerbäcker David Vogel bei der Berufsarbeit darstellt,
nz als unverlierbarer
assistiert von seinem Söhnchen, während das andere das
des Stückes werden
Bildnis der Frau Vogel=Horner ist mit dem kleinen
arme Narr ist nicht
Ludwig, dem spätern bekannten Maler. Die Bilder
der Groß=Kaufmann.
stammen von 1790.
enmaterial das Evan¬
nd darlegen läßt, darf
tück macht denn auch 1
Telephon 12801.
MrereA Smn
O l. österr. behördl. konz. Unternehmen für Zeitungs-Ausschnitte
Wien, I., Concordiaplatz 4.
Vertretungen
4
O in Berlin, Budapest, Chicago, Christiania, Genf, Kopen¬
hagen, London, Madrid, Mailand, Minneapolis, New-Vork,
Paris, Rom, San Francisco, Stockholm, St. Petersburg.
(Quellenan
Wänchner Neuss'a Rachrieht
Ausschnitt aus:
E vom:
—1
Mannheimer Ilbiläumsfestspiele. Man
schreibt uns aus Mannheim, 3. Juni: Mit
einem Flug durch drei Jahrhunderte in Gestalt
eines historischen Einakter=Abends
schlossen gestern die Mannheimer Jubiläumsfest¬
spiele. Eine illustie Gesellschaft, darunter das
großherzogliche und das erbgroßherzogliche Paar,
ließ sich durch das heitere Spiel dreier grundver¬
schiedener Einakter zu lebhaftestem Beifall hin¬
reißen. Da war zuerst: Peter Squenz von
Gryphius, das in einer köstlichen, derb humor¬
vollen Weise den Theaterdilletantismus ehrsamer
Bürger und Handwerker verschimpfiert! Von einer
holzschnittartigen Charakterisierung waren die Fi¬
iguren, die die einzelnen Mannheimer Schauspie¬
er wirklich in künstlerischer Vollendung vor uns
hinstellten. Die Regie, der Intendant hat das
Bilberbuchmäßige der Kontrastfiguren, die dem
Spiele zuhörende Königsfamilie, reizend heraus¬
gebracht. Ueberraschend wirkte Goethes Schä¬
ferspiel: „Die Laune des Verliebten“
Man hatte es vorher in Peter Behrens' Natur¬
theater und im Schwetzinger Schloßgarten auffüh¬
ren sehen, und konnte hier lernen, was eine sorg¬
fältige Einstudierung, ein sicheres, rokokogemäßes,
rhythmisches Spiel im Sprechen und Bewegen
aus dieser anmutigen Kleinigkeit machen kann!
Helles Entzücken riefen die duftfarbenen Gewän¬
der hervor, die sich wie Frühlingsblüten gegen die
gänge, Oleander= und Azaleenbüsche abhoben. Das
liebreizende Fräulein Brandt führte das Quar¬
tett der fein aufeinander abgestimmten jugendlichen
Stimmen und Schönheiten. Zum Schluß:
Schnitzlers Literatur! Und selbst die
hiftörischen Gemüter, die sich an dem Rüpelspiel
ergötzt, an Goethes leichtem Spiel erfreut, mußten
diesem geistvollen, ironischen, ernsthaft-spielerischen
modernen Einakter zulachen und ihm sogar den
Preis zugestehen. Es wurde vortrefflich gespielt;
Frau Ullrich war so „talmi“ wie möglich, Herr
Rökert ein Bohème, wie r im Buch steht, und
Herr Godeck gab den Wiener A##istokraten mit ver¬
blüffender Echtheit. So schlossen die Festspiele
nach dem ernsten Beginn, jetzt, nach getaner Ar¬
beit, mit einem gesunden und fröhlichen #achenl
wie es die drei=Spiele, je nach ihrer Gattung, in
T—
den Hörern auslösten.