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16.4. Literatun box 22/3
Februar
nzver¬
sein:
se
Finanz=
zitläufige
egierung
schäft ab,
ächsischen
r Freude
ren leider
Steuer¬
Ei
hat auch diesmal der Verein „Leipziger Presse“ zum
nisterium
Besten seiner Unterstützungskassen eine größere Ver= sich vor
dern die
anstaltung ins Werk gesetzt. Der Gedanke, in einem
schwärt
Rothschild
unserer Theater eine Matinée zu veranstalten und dazu
des, be
dieser die
heiß u
Damen und Herren der besten Gesellschaft, insbesondere
cent ver¬
auch des Theaters, als Mitwirkende zu gewinnen, darf
Geldfre
erium in
je.
als sehr glücklich bezeichnet werden. Zweifellos hat er
1 Defecte
seinem Urheber, dem Vorsitzenden des Presse=Vereins,
zutage
inz oder
sein, d
Herrn Alban von Hahn, alle Ehre gemacht und den
end, war
burt in
Unterstützungskassen des Vereins reichen Gewinn gebracht.
Verwendet
Zur Aufführung waren drei Einakter ausersehen
Gegens
über die
worden. Zuerst kam das eigenartige Schauspiel „Die
messenf
Sachsen
Ansprü
Frau im Fenster“ von Hugo von Hofmannsthal mit
mit in
Frau Albertine Zehme in der Rolle von Madonna
Dianora zur Aufführung. Das Stück war in mehr als
gewähr
einer Beziehung interessant: einmal wegen seiner schon
nach d
erwähnten Eigenart, ferner durch seine wundervolle
die Er
dekorative Ausstattung und nicht in letzter Linie durch
nahme
den Umstand, daß Frau Albertine Zehme die Hauptrolle
Zorabende
der Vi
spielte. Giebt es noch einen Leipziger, dem ich erst sagen
ds 8 Uhr,
tragen
müßte, wer Frau Albertine Zehme ist? Ich glaube das
Kotette
im Fr.
nicht, denn wer nur irgendwie mit dem gesellschaftlichen
rl. Frida
macher
Leben Leipzigs in Berührung kommt, der kennt die Dame,
ist Bro¬
Belam
welche in der besten Gesellschaft als tonangebend aner¬
ingt Pas¬
der Be
kannt, bewundert und beneidet wird. Auf dem Renn¬
rius,
üren
Sports
platz, zu Pferde, auf Spaziergängen, in der Theaterlege,
kluge,
überall hatte man die Dame schon gesehen; sie auf der
Bühne gesehen zu haben, dieses Vorzuges durften sich
zwanzi
überleg
nur Wenige rühmen. Kein Wunder also, daß man die
Stätte,
schöne Frau auch einmal auf den weltbedeutenden
und Ni¬
Brettern schauen wollte. Dadurch erklärt sich das große
ama „Die
wo ihm
Interesse, welches das Publikum diesmal an der Ver¬
und ver¬
sames K
anstaltung des Vereins „Leipziger Presse“ nahm. Bei
enden zahl¬
stehen n
alledem war es jedoch nicht bloß die allgemeine Ver¬
Stücke den
Her
ehrung, welche man Frau Albertine Zehme entgegen¬
chen milieu,
mehr wi
bringt, die ihr den jüngsten großen Bühnenerfolg errang,
isinos und
den Ball
sondern vielmehr ihr wirklich ausgezeichnetes Spiel.
der Volks¬
geben zu
Frau Zehme spielte zwei Rollen und in jeder errang
eines solchen
picht dar
sie wohlverdienten und mit aufrichtiger Anerkennung ge¬
's durch die
stillen Hi
spendeten Beifall, von welchem im ersten Stück auch ihre
es freilich
Sie trifft
Partner, Frau Kuntzschmann und Herr Johann
ide in den
überall, n
Stange ihren redlichen Antheil beanspruchen durften.
ndet: wir
der Eisba
Im zweiten Stück, dem Lustspiel Litteratur“ von
glied eines
Rennen, a
Arthur Schnitzler, gaben Fräulein Julie Serda als
von Herrn
der sie sio
Margarethe und die Herren Grelle als Clemens und
stellt wurde,
Großmütter
Huth als Hilbert drei allerliebste Proben ihrer rühm¬
ebeling und
waren, Tur
lichst bekannten feinsinnigen Darstellungskunst. Den
m bei ihrer
Auch t
Schluß bildete das Otto Erich Harileben'sche Lustspiel
für welche
wart einget
„Die sittliche Forderung“, in welchem neben einer
spätung det
von Fräulein Gertrud Ehser sehr nett gespielten
ins Auge
ernährt und
kleineren Rolle, wieder Frau Albertine Zehme die
ichclassischen
Erwerbe ge
Hauptrolle (Rita Revera) spielte, während Herr Alban
w's; es ist
Weibes einz
von Hahn als Friedrich Stierwald ihr vortrefflicher
nicht mehr atzungen der
Partner war. Beide Darsteller brachten die vom Dichter
ständigkeit h. Familie, in
beabsichtigte Satyre auf das Philisterthum in der Liebe
das ihre un einem sehr
schönstens zur Geltung und erzielten durch ihr Spiel
Mädchenjahrund zweiten
eine ebenso künstlerische als auch erheiternde Wirlung.
für immer zu#ng und den
Das Carola=Theater war ausverkauft und das
Eine wer) Act bereits
Publikum befand sich in sehr animirter Stimmung.
gebracht, die kein philo¬
Der stürmische Beifall, den die Aufführung fand, dürfte
in der Gesell des Zeichens
dem Verein „Leipziger Prisse“ den Gedanken an eine
Interesse der i aus, aller¬
baldige Wiederholung derselben nahelegen.
sind wieder; Die Folgen
Constantin Bulla.
ebenso große da der reiche
Aus dem Bureau des Stadttheaters. Repertoire¬
r mit seiner
wie der tolle
Entwurf. Neues Theater. Mittwoch: (Geschlossen.)
kung seines
Eskorte der
Donnerstag: „Die größte Sünde“. (7 Uhr.) Freitag:
sein Wissen
aus, nicht
Gastspiell der Frau Pelagie Greeff=Andriessen. „Oberon“.
Als aber
sind sie hit
(7 Uhr.) Sonnabend: Nachmittags ½3 Uhr Vorstellung
ese in Folge
Veranstaltun
für die Volksschulen von Leipzig=Land: „Wilhelm Tell“.
seiner Ver¬
sich diese w
Abends 7 Uhr: Zum 1. Male: „Ein Sonnenstrahl“
; die größte
feiern. Es
Schauspiel in 1 Akt von Rob. Wach. Hierauf: Zum
gegen seine
undzwanzig
1. Male: „Ein Auserwählter“. Schauspiel in 1 Akt
glichen kirch¬
die Kunst,
von Hel. Hirsch. Zum Schluß: Neu einstudiert: „Post
Viderruf des
versteht.
festum“. Lustspiel in 1 Akt von W. Wichert. — Altes
seiner Frau
Selbstvertre
Theater. Mittwoch: (Geschlossen.) Donnerstag: „Jad¬
able Statte;
daß nicht,
wiga“. (Anfang ½8 Uhr.) Freitag: „Alt=Heidelberg“.
n. Und wie
noch vor
(½8 Uhr.) Sonnabend: „Die Fledermaus“ (½8 Uhr.) —
Augen an
Carola=Theater. Sonnabend: 1. Gastspiel von E. v.
schwer bef
Wolzogens Buntem Theater „Ueberbrettl“. (½8 Uhr.)
da noch
eder sagen:
schaute un
Dermischtes.
wohl brin
5, weil er
#eisten Kraften besetzt
a.
Pi
d so machte das Ganze unter Leitung des Herrn Adler
mi
den Eindruck einer abgerundeten Vorstellung.
Rudolf von Gottschall.ber
Carola=Theater.
Leipzig, 24. Februar. Die gestrige „Matinée der
Vi
Leipziger Presse“ nahm einen glänzenden Verlauf.
Sehr zahlreich hatte sich das Publicum eingefunden im
Hinblick auf die schönen Tendenzen des Vereins sowie auf
den Ruf der Mitwirkenden. Der Vorsitzende der „Leipziger
zu
ga
Presse“ Herr Alban von Hahn, hatte mit Fleiß und
Pa
Umsicht alle Arrangements getroffen, um eine würdige
fol
Theatervorstellung zu ermöglichen; er hatte die drei Einacter
ha
selbst gut in Scene gesetzt und in dem letzten sich auch als ge¬
ru
wandter Conversationsschauspieler bewährt. Es war zum ersten
Male, daß die „Leipziger Presse“ statt eines Concertabends
n10
eine Theatermatinée veranstaltete. Herr Geh. Rath Staege¬
un
mann hatte ihr zu diesem Zweck, in Würdigung ihrer Be¬
nit
strebungen, das Carola=Theater zur Verfügung gestellt.
Die Leipziger Presse kam uns diesmal „modern“, und zwar
da
waren in dem Einacterprogramm die beiden Richtungen ver¬
treten, die sich unter der Fahne des „Modernen“ zusammen¬
finden und die an sich sonst unvereinbar sind, die Symbo¬
ab
listen und Naturalisten. Ein Schauspiel von Hugo von
G
Hofmannsthal, mit dessen Werken auf den Bühnen nur
zu
schüchterne Versuche gemacht worden sind: „Die Frau
gle
lam Fenster“, eröffnete die Vorstellung, ein eigen¬
f11
artiges Schauspiel, das in der Hauptsache aus einem lyrischen
Monolog besteht, der reich ist an dichterischen Schönheiten,
n0
da die Symbolisten auf die Form, auf die Melodik der Sprache
Ti
und den Reiz anmuthender Bildlichkeit großen Werth legen;
in
freilich wird wie auch in dem gestern zur Aufführung ge¬
sei
brachten Stück die dramatische Exposition dadurch so über=ha
O;
wuchert, daß man Mühe hat, die Pfeiler, welche die Hand¬
zu
lung stützen, herauszufinden; das Verschwommene der ganzen
die
Richtung zeigt sich auch hier. Und dann folgt der Exposition
zie
gleich die Katastrophe auf dem Fuße — und welche Katastrophe!
Der mit Recht eifersüchtige Gatte erwürgt seine Frau mit
derselben Strickleiter, welche sie für den Besuch des Liebhabers
bereit hält. Das ist eine brutale That in Sühetischer
Hinsicht, eine grelle Geschmacklosigkeit, und wir können darin
bei allem Nachdenken keinen tieferen symbolischen Sinn
sinden. Diese Frau am Fenster, die Madonna Dianora,
spielte Frau Albertine Zehme, welche zwar längst der
Bühne untreu geworden ist, aber schon einmal als Elisabeth
der
in den so oft wiederholten Vorstellungen des Dramas von
v0
Wilhelm Henzen dem Publicum eine schöne Probe ihrer
Kunst — und man darf es wohl sagen, ihrer fortgeschrittenen
Kunst gegeben hat. Und dies war auch gestern der Fall —
alle Stimmungsnuancen des lyrischen Monologs kamen
zu voller Geltung: das warme Naturgefühl, die hochgespannte.
Erwartung, der Schreck über das Erscheinen des Gatten,
die Todesahnung, die träumerischen Erinnerungen. Ein¬
durchgebildetes, überaus modulationsfähiges Organ befähigte.
die Darstellerin, der Stimmungsmalerei des Dichters voll¬
pa
ständig gerecht zu werden. Der lebhafteste Beifall und viel¬Oe
fache Hervorrufe belohnten Frau Albertine Zehme für
ihre fein durchgearbeitete Leistung. Unterstützt wurde sie von
Frau Kuntzschmann (die Amme), deren verständiger Vor¬
trag Anerkennung verdient, und von Herrn Stange, der
den Messer Braccio, eine sehr undankbare Rolle, die Rolle
eines Henkers, mit dem entsprechenden brutalen Grundton
spielte.
Der zweite Einacter wurde von lauter noch actisen
Bühnenmitgliedern gespielt; das Lustspiel „Literaturs vonl'sch
Arthur Schnitzler ist aus einem Einacterbündel Heraus¬
genommen, welches das Deutsche Theäter in Berlin vor
Kurzem seinem Publicum vorsetzte; es ist ein graziöses und
pikantes Stück. Die Heldin, Maxgarethe, früberes Mitglied
der Münchner Bohême, ist eine der offenherzigen Schrift¬
stellerinnen, deren Werke lauter confessions sind und die
dabei kein Blatt vor den Mund nehmen. Ein junger Aristo¬
krat, Clemens, will sie heirathen, aber e wünscht, daß sie
die Feder aus der Hand legt. Nun hatesie aber vor Kurzem
einen Roman geschrieben, in welchem sie auch allerlei
persönliche Beichten ablegt. Der Graf geräth darbder außer
11
sich; er verläßt sie, ohne ihr zu sagen, wohin er geht, wann
und ob er wiederkommen wird. Inzwischen erscheint ein
guter Münchener Freund, der ihr am Ufer der Isar näher
getreten war; den ganzen Briefwechsel mit ihm hat sie
wörtlich in ihrem Roman zum Abdruck gebracht. Doch auch
er hat einen Roman geschrieben und sich der gleichen In¬
6
discretion schuldig gemacht. Zwei Romane mit denselben
Liebesbriefen — das war ja im höchsten Grade com¬
promittirend: da kommt Clemens zurück; er war bei dem
Verleger, dieser hat, versprochen, den Roman Margarethens
einzustampfen; nur ein Exemplar hat Clemens zumin
Schrecken seiner Braut mitgebracht. Und zu noch größerem
Schrecken derselben überreicht ihm der Schriftsteller Hilbert
auch ein Exemplar seines Romans. Da giebt es nur eine
Richtung. Margarethe wirft den Band ihres Romans, den
ihr der Gatte überreicht hatte, ins Feuer, und da die anderen
Exemplare eingestampft werden sollen, so ist jede Gefahr
L
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