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16.3. Die letzten Lasken
Seidel
ungsausschnitte
rgenkirchplate 211
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EM

merkenswert ist, daß beide Schauspiele als echte Kinder Kind sterben sehen muß. Gewiß sind die einzelnen Bilder
eindrucksvoll, aber Psrchologie und Logik des Werkes sind
unserer Ze tstimmung erscheinen: beide sind Torentänze.
so anfechtbar und so tief in Sentimentalität getaucht, der
schauspielhaus.
Der Schnitzlersche Einalter ist stimmungsvoll, reich an
Tod peroriert so sehr im Ton eines Nachmittagspredigers
Finessen und erfüllt von wienerischer Sent mentalität,
und spricht schlechte Verse so salbungsvoll, daß nurgends die
ammerspielabend.
mehr novellistisch, als dramatisch auf eine Pointe hin
Magie der alten Totenlänze erreicht wird, der Grund¬
gearbeitet: ein im Spital arm und unberühmt sterbender
schnitzler: Die letzten Masken.
gebanke kalt, klein und schief zum Ausdruck kommt.
Journalst läßt einen erfolgreichen berühmt gewordenen
Ausstattung und Darstellung der berden Stücke gaben
RuthUnger: Die Nacht.
Jugendfreund an sein Sterbebett laden, um ihn mit der
sich mit stark betonter Absicht durchaus kammerspielmäßig.
Galle seines verbitterten Herzens zu überschütten; er spielt
mit dem der Intendant unserer
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Besonders in dem zweiten Stück waren die ergänzenden
die Szene einem sanguinischen Todeskameraden vor in der
sein Amt angetreten hat, ist im Ver¬
Faltoren so schlicht we möglich gehalten und trotzdem über¬
die ganze Virulenz des Seelengiftes zu Tage tritt, das
schwere Proben gestellt worden. Wer
aus eindrucksvoll. Alle überflüssigen Stimmungsmomente
ihm das Leben verdarb und ihm noch das Sterben erschwert.
ater? Vorw#caend die, die sich unter¬
waren ausgeschaltet. Solche Abstraktionen mögen für
Aber als der Freund erscheint, mit der Maske der Teil¬
eMehrzahl erwartet dort keine Kunst.
manche Zuschauer unbequem gewesen sein, aber die Dar¬
nahme vor dem Gesicht, bringt er sein Vorhaben nicht
ung unserer Bühnen gezwungen, mehr
stellung erleichterte ihnen die Gewöhnung an diese Un¬
übers Herz. auch er legt sich die letzte Maske auf das ster¬
dnisse an den kunstfremden Geschmack
bequemlichkeit, denn sie hatte sich, dank der Feinfühligkeit
bende Antlitz und die beiden scheiden von einander mit kon¬
ms zu machen. Es lam hinzu, daß die
des Spielleiters. Oberreaisseur Schubert, köllig auf die
pentionellen Worten. Es ist eine bitter lächelnde Ironie
Herkommen gemäß unter dem Schwer¬
Verdeutlichung der Dichtwerke eingestellt, war fein und
in dem Werkchen, die nicht frei und leicht macht, sondern
attuna und der Mimik litt. alles in
nuancenreich. Die Leistungen der Herren Karstens
erschütternd und burlesk wirkt. Das andere Werk, Hell¬
gutlichkeit und bis zur Illusion geben
(Journalist) und Gründgens (Schriftsteller) in dem
muth Ungers phantast'sches Spiel „Die Nacht“ ist ein
Schauen im Reflex überließ. Einzelne
Schnitzlerschen Einakter waren sehr gut aufeinander ab¬
Stück im Plakatgeschmack Hasenelevers. Der Eingang läßt
n gemacht, so bei Hasenelevers „Jen¬
gestimmt und auch der schwindsüchtige Schauspieler des
vermuten, daß der Autor eine Auseinandersetzung zwischem
Fundsätzliche Fehler blieb bestehen; auch
Herrn Kienzl agierte überzeugend. In der „Nacht“ gab
kaltem Intellekt und allumfassender Seele vor hat Sein
ttung dieses Stücks vorgenommene Be¬
Herr Alva seinem Arzt sehr gut die wissenschaftliche
auf seine Fähigkeiten eitler Arzt, der einer gehirnkranken
Kälte und Ueberlegenheit des angeblich nur der Erkenntnis
Ergänzung des Dramas noch zu viel
Frau durch eine Operat'on das Leben rettet, das für sie
zu absichtlich mit Raumstimmungen und
lebenden Forschers, die aber nur die Maske des brennen¬
nur ein seelenblindes Dahinsiechen bedeuten wird, um sie
den Ehrgeizes und der bösen Selbstsucht sind, die diese Ge¬
n
triumphierend auf einem Aerztekongreß vorzuführen,
stalt charakterisieren. Seinen Tod sprach Herr Schubert
is hat den Intendanten zur Einführung
scheint der Interpret des bloßen kalt berechnenden Ver¬
als ungenannter schwarzaekleideter Herr mit dem guten
benden bewogen. Ob sie erfüllen, was
standes sein zu sollen, aber als sein Gegenspieler erscheint
Ton takt= und masn## Weihe, halb seher=, halb pastoren¬
verspricht, muß abgewartet werden. Es
dann der völlig sentimentalisierte Tod, der die ganze Aus¬
haft. Von den kleineren Rollen waren besonders wirkungs¬
moderne Drama, das so oft das feine
einandersetzung und damit das Drama selbst auf ein totes
voll der Alte des Herrn Alberty, der Jüngling des Herrn
Zuständlichkeiten vergegenwärtigen will,
Geleise schiebt. Das Ganze läuft auf eine bald unerträg¬
Böhmer, der Lebemann des Herrn Haag, die Geliebte¬
Gegensatz dazu, mit der Bilderreihe des
lich werdende, allzu billige Allegorie hinaus: der tückische
des Frl. Heycke, der brutale Herr des Herrn Becker, der
ein Ende oder ein Anfang ist. Nicht
Erlöser Tod führt den Arzt, der besser an das Krankenbett
Nachtwandler des Herrn Gründgens, das Gespenst des
aß zu seiner Darstellung nicht nur ein
des eigenen Kindes geeilt wäre, während einer ganzen
ehen und eine unbegrenzte Einfühlungs¬
Frl. Kuhlmann.
Nacht spazieren: zunächst an das Sterbelager eines armen
Am Schluß gab es — nachdem die Anwesenden ein Ge¬
ieler, sondern auch eine Gestaltung des
alten Schreibers, dem er einbildet, daß er ein berühmter
fühl der Erstarrung von sich geschüttelt hatten — ziemlich
rt, die nichts als die Dichtung selbst zur
Dichter geworden sei, womit er ihm die Augen zudrückt
lebhaften Beifall. Hoffentlich wird die neue Einführung
lso nicht durch Bildkünstler dem Drama
(eine Szene, die lebhaft an die Jugendschriften Franz
sich durchsetzen. Es wird ja nicht nötig sein, daß uns jeder
einverleiben will. Die Ausstattung soll
Hoffmanns gemahnt); dann in eine moderne Spiel= und
Kammerspielabend in eine Folterkammer sperrt. Wie war
primitiv sein, die Abstraktionen der
Liebeshölle, in der sich ein junger Lebemann erschießt: des
der Wahlspruch Liliencrons, der sich gewiß hinlänglich mit
wird man heutigen Theaterbesuchern
weiteren durch eine verrufene Gegend, in der dem Arzt
Tod und Teufel berumgeschlagen har? „Hurrah, das Le¬
fen; aber was nicht notwendig zu zeigen
ein Nachtwandler und das Gesrenst einer durch seine
ben!“ Gestern hieß es allzu lebensfeindlich: „Hurrah, der
uf die Kammerspielbühne.
Schuld gestorbenen Patientin erscheinen: endlich in die
J. 8.
sätze waren bei dem gestrigen ersten Ver¬
er verlief recht verheißungsvoll Be¬ eigene Wohnuna, in der der unselige Doktor das eigene ! Tod!“