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16.2. Die Franmitden Doiche
PESTER LLOYD
tin Pauline und der moderne Leonhard des ersten Aktes nun
als Paola und Lionardo im Toskana Cosmo dei Medicis in
Jamben sprechen. Diese Vision Paulinens muß uns fühlbar
gemacht werden; sie kann es, denn im Werke liegt die Kraft
dazu; aber hier tut es das gesprochene Wort allein nicht. Klara
Rabitow bot eine gute Durchschnittsleistung. Alfred Ge¬
rasch ließ sich von den Versen des zweiten Bildes manchmal
zu überaus larmoyanten Tönen hinreißen; den Prosadialog
sprach er gut. Eine Offenbarung war auch er nicht. Albert
Heine gab dem Gatten das Uebergewicht seiner Intelligenz.
Außerordentliches Interesse erweckte das Lustspiel „Die
Sprache der Vögel“ von Adolf Paul. Dieser für uns
neue Mann — wenn wir nicht irren, ein Deutsch schreibender
Skandinavier — hat etwas, was sehr schlicht, geradezu
mit einer fast zögernd ausgesprochenen Unkompliziertheit so ge¬
nannt werden kann: Geist. Er jongliert mit Worten, Gedan¬
ken und Gefühlen mit einer Sicherheit und Erfindungsgabe,
die Bernard Shaw in nichts nachsteht. Ein parodistischer Ton,
eine leise Unterströmung von Selbstpersiflage hält die Stim¬
mung im Gleichgewicht, aber manches Wort leuchtet tiefer in
Menschen und Seelen, Gedanken und Gefühle hinein, als bei
anderen blutiger Ernst. Die parabelähnliche Form des Ganzen
gibt die Berechtigung, die Moral, die Absicht des Dichters er¬
raten zu wollen. Sie mag etwa so lauten: Es gibt unter den
Menschen geborene Herrscher und geborene Knechte. Aus seiner
Haut kann keiner heraus, und uns umzuwandeln vermag
weder Freundschaft noch Liebe. Das Weib aber behält zum
Schlusse allemal recht, auch wenn es sich tausendmal unrecht
geben ließ. Der weise König Salomo bemüht sich umsonst,
seinen liebsten Freund, den Schwächling Sabud aufzurichten,
zum Mann zu machen. Er, der die Sprache der Vögel ver¬
steht, lernt erst durch eine bittere Enttäuschung die letzte Wahr¬
heit seines eigenen Herzens verstehen. Sabud ist glücklich in
den Fesseln der schönen, schlauen und herrschsüchtigen Abisag
aus Sunem, weil er der geborene Sklave ist. Er, Salomo
aber, kann sich gerade dort nicht hingeben, wo es ihn am
meisten lockt, er darf sich weder an dieses schöne Weib noch
an anderen verlieren, weil er der geborene König ist. Sabud;
kann sein Freund nicht bleiben, als Salomo erkannt hat, wie
sehr jener Sklave sei. Dies ist der ernste Kern des Spiels, in
dem es an lustigen Intrigen und heiteren Situationen nicht
fehlt. Es machte außerordentlichen Eindruck auf die Zuschauer,
zumal die Darstellung, allen voran die Regie Herrn Heines,
auf respektabler Höhe stand. Ansätze zu drolliger Stilisierung
und hübscher, parodistischer Unwahrscheinlichkeit in Szeneries
und Kostümen gaben dem Werke bühnenwirksame Einheitlich¬
keit. Von den Darstellern gefiel uns Herr Heine als /Sa¬
lomo am besten. Else Wohlgemut und Herr Gerasch
hatten zahlreiche recht glückliche Momente, obwohl diese Abisac;
im ganzen ein wenig gar zu nüchtern und dieser Sabuß allzu
gradlinig und ununterbrochen ekstatisch war. Der Beifall war
sehr herzlich, und ein mächtiger Lorbeerkranz war neben dem
hörbaren das sichtbare Zeichen der Anerkennung, E. St—1.
(Der „Zigeunerprimas“ in Bukarest.) Aus
Bukarest wird uns gemeldet: Gestern gelangte in dem
Theater Lyric die Operette „Zigeunerprimas“ von
Cugen Kälmän zur Erstaufführung. Das Stück wurde in
einer ausgezeichneten Darstellung gegeben und arntete sowohl
in der Presse, wie auch bei dem Publikum großen Beifall. Die
Operette „Zigeunerprimas“ ist das erste ungarische Stück, das
auf einer rumänischen Bühne gegeben wird.
(Ein neues italionisches Renaissance¬
drama.) Aus Neapel wird uns geschrieben: Ettore
Moschino, einer der begabtesten jüngeren Dramatiker Italiens
hat den kühnen Versuch unternommen, die gewaltige Gestalt des
Cesare Borgia auf die Bühne zu bringen, und im hiesigen
„Teatro Fiorentini“ brachte die Schauspielgesellschaft Emme
Gramatica gestern abends dieses Drama zu einer recht minder
wertigen Aufführung. Moschino hat aus dem bewegten Leber
des zweitgeborenen Sohnes des Papstes Alexander VI. jene
ereignisreichen Tag herausgegriffen, der dem ehrgeizigen, tater
durstigen Jüngling den gewaltigen Aufstieg zur Macht ve¬
schaffte, freilich über den Leichnam seines Bruders Giovam
hinweg, den er hatte ermorden lassen, um den Kardinalspurpt
abwerfen zu können und Bannerträger der Kirche zu werder
„Cesare Borgia“ enthält zwar einige kraftvolle Szenen und ein
ziemlich gelungene Wiedergabe des eigenartigen Geistes jene
Zeitalters der ungeheueren Genies und ruchlosen Gewaltmensche
„kan laik„„ ##
utalan: Siellen Schänrehnerei un
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