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11. Reigen
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Thenr 140
Stimmen der Gegenwart. Can G&CENr. 2
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Drei Wiener Bücher.
Von den zahlreichen Büchern, die Wien in diesem Jahre hervorbrachto,
verdienen es vor allen drei. bei ihnen zu verweilen. Dar eine ist specifisch
wienerisch, das andere österreichisch, das dritte leider enropäisch: ich
meine Schnitzler’sReigen“. Bahr's „Der Franzl“ und Rudolf Kassners
„Die Mystik, die Künstler und das Lehen
Schnitzler hat seinen kleinen leinen Geschichten, die er mit „Anatol
geben wollen.
begonnen. im „Reigen“ offenbar ein
misstranisch
Das Buch ist nur seinen Freunden 2u8
Anatol; das
der Oeffentlichkeit; ich bitte Sie, dus
terbrochen),
sind zehn Dialoge, jeder von einer
Auelien
die Muse lässt die Ronleang heral,
#klussen
Problemen! Zehn Scioptikonbilder
Soldat
kemmen auf ihr Theil. Die Hand in
und
und Stubenmädehen. Stubenmedehen
Mrdel“,
junge Frau, junge Frau und Eheien
pieferin
„süsses Mädel“ und Dichter, Dicht
les; und
und Graf, Graf und Dirne —
er Inhalt, und
immer geschicht das Gleiche
das Blut singt seine dunkle Meiet
cheine Kunst;
Wahrhaftig, das ist nicht Dlos
im Dialog, dieser
die Kunst, das Verschwiegenste
den Franzosen
schwierigsten Form, zu geben.
Worte sind so fein
oder seinen süssen Mädeln abr
sie hart an der
und klar. so raffinirt naiv. dnse
nd Gewanitheit!
Grenze des Erlaubten vorbeibalane
überhaupt neben
— Seit dem „Grünen Kakndn“
mes Parsum, ein
Hauptmann und Halbe: vor diese!
Liebesleben in den
lotales Colorit. „Reigen“ ist ein Vol
gen Leute dech wohl
modernen Hauptstüdten: lrider eind
chte. Eine lex Heinze schiesst
weniger sinnlich, als sie der Autor hahen
nicht nur so anl; sterbende grüssen den
Alle Schwärmerei für „Heimatkunste ist für Hermann Bahr eine alte
Geschichte: er predigt schon Jahre lang unter dem Schlagwort „öster¬
reichische Kunst# etwas ganz äbnliches er bekämpft die Vorherrschaft
Berlins und protegirt die Litteratur der Provinz, der Decentralisation.
Freilich hatererst unlängst seine Theorie in Praris umgesetzt. Und da
mögen noch so viele noch so olt über Bahr den Kopf geschüttelt haben,
diesmal werden die zugeben müssen, duss ihm cin echtes Stück Kunst
gelungen ist. Der Franzl“ ist der berühmt gewesene oberösterreichische
Dialectdichter Franz Stelzh#ner, eine prächtige Gestalt voll ursprünglicher
Kraft. Offenberzigkeit. Güte und Preue. Fünf Bilder eines guten Mannes
sagt der Untertstel, mit dem der Autor andenten wollte, dass er uns fünf
Momente aus dem Lehen dieses ewig kindlichen, beisslezeigen Menschen
vorzuführer beabsichtigt. in denen sich odie gunze Schönheit seiner Secle
offenbart“. Wir treiten den Franzl unter Spielern, bei denener sein ganzes
Geld, welches er sorben von vinigen teils bedlnstigten, teils abgeführten
Dortbiedermeiern zum Geschenk bekommen hat, leichtsinnig und hartnückig
verwürfelt: ein Liedehen pfeilend wanderter zum Dorf hinans, Im zweiten
Bilde kehrt er beim in sein Vuterhanser ist der Liebling der Mutter so
wie er ist, mit allen Fehlern; der Vater zeigt ein finsteres Gesicht und
redet hart zum „verlorenen Sohn“; aber im Herzen ist er ilim gernde
so gut wie die Mutter, und lüsst abends Wein mistragen, als wäre es
Feiertag. Im dritten Biide soll der Franz! sein Glück machen, doch er