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ruene Kakadu
9. 3. Der
Der grache Kakauu
S
1
Kgl. Residenztheater. sie überfluthete, bricht der Wahnsinn aus und sie kann aushülfsweise in mehr oder minder
sich die Nacht über nicht von dem Leichnam trennen, der
schäftigt wird, von jeher für ein stark
Aufführung der Litterarischen Gesellschaft.
in ihren Armen erkaltet. Auf dieser Vorgeschichte ist der
war aber doch überrascht, mit welchem
um. Die Freien Bühnen, Litterarischen Gesellschaften
Einakter aufgebaut. Die Wahnsinnige lebt auf einer ein¬
und oratorischer Vollendung unste
Xund wie sie sonst heißen, haben sich's hier wie anderwärts
samen Villa mit ihrer Schwester, der Pflegerin und dem
sinnige spielte. Den Eindruck des
zur Aufgabe gesetzt, Dramen, die aus irgend einem Grunde
Arzt, die Alle ängstlich Sorge tragen, daß nicht einmal
das Stück bei der römischen Premiere
auf den ständigen öffentlichen Bühnen nicht zur Auf¬
eine rothe Rose unter dem üppigen Flor von Frühlings¬
ausgeübt hat, habe ich nicht empfangen
führung gelangen können, einem geladenen Publikum vor¬
blumen sich finde, um das Entsetzen der Wahnsinnigen vor
schütternden. Frl. Schwarz wurde
zuführen. Da in der Regel aber alles, was einigermaßen
Blut fernzuhalten. Nichtsdestoweniger kommen sie auf die
Brünner, Giesecke und Schwa#
von der Bühne herab wirksam ist, von unsern Theatern
thörichte Idee, den Bruder des Ermordeten der nach jener
leise sprach, und den HH. Schneid
auch aufgeführt wird, kommen derlei Gesellschaften von
blutreichen Nacht Isabellen den Leichnam aus den Armen ge=wirksam unterstützt. Das Publikum na
vornherein in Gefahr, mehr Nieten als Treffer zu bieten.
nommen, nach längerer Zeit ihr vor Augen zu bringen, um sie literarische Experiment mit getheilten
Unter der früheren Leitung der Münchener Litterarischen dadurch zum Bewußtsein zurückzuführen! Natürlich fällt der
es wurde ebenso stark applaudirt wie
Gesellschaft entsinne ich mich in der That eigentlich nur Unseligen die furchtbare Nacht mit allen Einzelheiten ein
Der zweite-Einakter,Mein
eines Treffers, einer interessanten literarischen That: der und damit ist — für die große Schauspielerin (die Duse)
v. Scholz, wurde überhaupt zum ei
Aufführung von Tolstoi's „Macht der Finsterniß“, denn gesorgt: sie kann nun auf die heiter kindliche Frühlings¬
Er ist im Aprilheft der hier heraus
die verunglückte Umdichtung und vermeintliche Neubelebung stimmung hin in schönem Kontrast die „aufgelösten Haare
schrift für Literatur und Kritik „Fr
von Shakespeare's „Troilus und Cressida“ wird man doch mit Blut aneinanderkleben lassen!“ — Die Duse gab die
Die Aufnahme dieses Stückes war wei
wohl nicht als eine fruchtbare That, als einen Erfolg an¬
tragende Rolle vor zwei Jahren zum ersteumal in Rom,
lich von Seite der Jugend; es ist
erkennen können. Die neue Leitung der Gesellschaft ist
der Erfolg war ein rein persönlicher der großen Künst¬
werth als die beiden anderen. Auch
bedeutend glücklicher gewesen. Sie wählt mit mehr Ge=lerin. In der That ist der „Traum eines Frühlings=kaum etas anderes als eine garn
schmack und ist minder offensiv in ihrer Auswahl. Ein
morgen“, welcher Titel in schneidendem Kontrast zum zwar des Bibliothekars Dr. Berg, der
besonders kluger Coup ist es aber, im Residenztheater schaurigen Inhalt steht, kaum viel mehr als eine Soloscene
und ein stigen Schüler einer revolutio
von Hofschanspielern Stücke aufführen zu lassen, die dann für die Darstellerin der Wahnsinnigen. Man muß von
entlassei und in Abschiedsaudienz en
i#n den Spielplan dieser Bühne übergehen können. Die allen alten und berechtigten Forderungen des Dramas
glänzende Rede über seine Geschichtsau
Gesellschaft übernimmt dadurch die Wahl und sozusagen
absehen, um sich an der gluthvollen Poesie der Natur¬
des auf Abwege gerathenen Fürsten in
P
und die Höfbühne kommt auf diese Weise
schilderung, an den reichen malerischen Effekten und an
Es ist dies beiläufig die Auffassung
bequem zu
pdar Novitäten.
der feinen Beobachtung psychiatrischer Vorgänge genügen
Professor K. G. Lamprecht in seinen
Am Samstag wieden drei hier noch unbekannte Ein¬
zu lassen. All dies, zumal die Musik der Sprache,
neue Richtungen in der Geschichtswissen
#u
akter aufgeführt die heute wiederholt werden, von denen
tritt natürlich im italienischen Original weit mehr zutage
in seiner „Deutschen Geschichte“ mit Ei
aber, wie es scheint, nur eines
Spielplan übergehen
als in der deutschen Uebertragung, deren Antor nicht ge¬
fassung, daß es nur nationale „Unterströn
soll. Den Anfang machte Gabriele d Annungio's „Traum nannt war. Wir hören, es sei Ludwig Ganghofer,
„Geschichte machen“. Diese Ansicht ha
eines Frühlingsmorgens“ (Sogno diun matte
Vorstand der Gesellschaft, und gratuliren, denn es
für den ersten Moment etwvas bestech
di primavera). Die nicht durchaus klare Handlung, o#
ihm wunderbar gelungen, die Poesie, ja fast auch schwer verständlich, wie man im Zeita
mehr in der Vorgeschichte des Dramas liegt, hat Julius
den musikalischen Reiz dieser reinen Stimmungsdichtung der doch Geschichte gemacht hat wie kaum
v. Werther erst kürzlich in unsrer „Beilage“ (Nr. 40) wie in unser geliebtes Deutsch herüber zu retten. Diese bewußten Gegensatz zu der in den That
folgt erzählt: „Der Donna Isabella ist der Liebhaber s eine Ueberraschung
Ganghofer als Uebersetzer
besser begründeten individualistischen?
neben ihr im Bett vom Herzog (der Dichter lußt im wurde von einer anderen unterstützt: Frl. Schwarzssetzen kann. Gut, ja meisterhaft vorg#
Dunkeln, ob der Herzog ihr Gemahl war) erstochen worden. in einer Luse=Rolle, als Wahnsinnige. Ich habe zwarlich die Scholz'sche Apologie durch Hrn
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