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Ausschnitt aus: Neue Züricher Zeitung
vom 3/1.30
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* Die Pièce de résistance des Abends, auf die
männiglich gespannt gewesen, war der Einakter „Pa¬
racelsus“ von Arthur Schnitzler. Das Text¬
buch sei in den hiesigen Buch handlungen fast vergriffen
worden, habe ich andern Morgens vernommen, als ich
das Versäumnis, mich mit demselben zu bewaffnen,
nachträglich ausglich. Trotzdem der berühmte Wunder¬
doktor des siebzehnten Jahrbunderts viele Schriften
hinterlassen und über ihn noch mehr geschrieben worden,
gelegentlich auch auf Stempelpapier, ermangelt sein
Charakterbild noch sehr der Klarheit. Es hat schon
verschiedene Poeten verführt, an ihm ihre Psychologie
zu stählen. Schulzlers Einakter ist geschickt, in ein¬
zelnen Teilen sehr geschickt und fein gearbeitet, das
wird ihm niemand abstreiten wollen. Wenn ich höre,
daß das kleine Opus auf einigen Bühnen Furore
gemacht habe, dann applaudiere ich aus der Ferne den
Darstellern, sicher, daß sie ganz fein gespielt, denn ohne
das wäre ein packender Eindruck nicht verständlich.
Der Dichter führt uns nach Basel, wo eben Paracelsus
auf dem Markt seine Faxen macht oder Wunder thut,
daß sogar der ehrenfeste Waffenschmied Cyprian, dessen
robustes Denken nicht von Wunderglauben angekränkelt
ist, seine Freude hat an diesem „Schwindler" und
„Lump“ und den alten Nebenbuhler um Frau Justina
in sein ehrbares Bürgerhaus heimbringt, um ihm seine
Für
inclusive
Künste mit einem Trunk zu lohnen und seiner Gattin
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eine Ueberraschung zu bereiten. „Ich bring heut einen
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Zahlbar
wunderlichen Gast, an dem wir unsere Kurzweil haben:
im Voraus.
werden. Mein guter Paracelsus tretet ein. Ein einfach
„ 1000
bürgerliches Haus — doch denk ich, wenn man gewohnt, schnitte ist das
im Frei'n zu übernachten, so kann sichs sehen lassen.“uch steht es den
Abonne
ändern.
Auf welche protzige Vorstellung der „Doktor“ repliziert:
Abonne
„Nicht ganz verächtlich ist des Himmels Dach.“ Gerade
vorher hatte Junker Anselm, der nach Basel gekommen,
um bei Meister Thomas — das Orgelspiel zu erlernen,
die Gattin des Waffenschmieds mit einem letzten Liebes¬
antrag bestürmt. Der Justina ging der holde Jüngling.
nahe, sie erwehrte sich aber tapfer. Cyprian lacht des
Knaben, bombensicher im Besitze seines schönen Weibes:
„Was gilts, daß er von Liebe dir gesprochen?“ Sie
leugnet. „Sie schämt sich ihrer stumien Mach,=, die
jeder fühlen muß, der sich ihr naht, Ihr wißt ja auch
ein Lied davon zu singen, Doktor.“ Und dann hypno¬
tisiert Paracelsus die Justina und sagt ihr was ins
Ohr und wie er sie erweckt, flieht sie entsetzt vor ihrem
Mann. Der Doktor hat ihr den Wahn eingegeben,
sie hätte sich vom Junker bethören lassen, und be¬
hauptet, sie Zeit ihres Lebens in diesem Wahne er¬