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Stich läßt und er gern straucheln möchte, wenn es sich nur,
ohne Aufsehen zu erregen, machen ließe. Heuchlerische Naturen
werden das allerdings nicht zugeben, und gerade auf diese hat
es Hartleben abgesehen. Auf dem Titelblatt seines Stückes
prangt verheißungsvoll die Aufschrift „In philistros!“, wie
Schiller seinen „Räubern“ sein „In tyrannos!“ vor¬
setzte. Der Spaß beginnt bei Hartleben also schon, bevor
das Stück anfängt.
Er will der sogenannten bürgerlichen
Gesittung ein Mal gründlich heimleuchten und ihre Schwächen
und Albernheiten enthüllen. Die jungen Männer, die heirathen
sollen, sind nach seiner Meinung entweder zu unbemittelt, um
es zu können oder ihre Bräute so schreckliche Gänschen, daß die
zukünftigen Familienväter uns schon bei der Verlobung von
Herzen leid thun. In Berlin, denkt vermuthlich der Dichter,
wird ja Alles ironisirt, warum sollte das Glück am häuslichen
Herd seinen Theil nicht auch abbekommen? Er macht uns mit
der Wittwe eines Bankdirektors bekannt, die ihren frühzeitig
erfahrenen und nicht auf den Mund gefallenen Sohn, Besitzer
mehrerer Schmarren im Gesicht, in die Ehe abschieben möchte. Das
Mädchen, das ihn gern nehmen würde, ist allerdings über die
Maßen dumm, aber es heirathen ja nicht nur die gescheidten
Menschen. Da entdeckt die Frau, daß ihr Sohn ein Verhältniß
mit einer Buchhalterin in der Chausseestraße hat, wo er wohnt.
Sie ist eine sehr energische Mutter und macht kurzen Prozeß,
indem sie seine Sachen abholen läßt und ihren Schwager, einen
gemüthlichen Gutsbesitzer aus Sachsen, telegraphisch nach Berlin
beordert, um die Angelegenheit mit männlicher Energie weiter
zu ordnen. Aber der Onkel ist, weit entfernt seinem Neffen zu
imponiren, selbst ein arger Durchgänger und froh, der häuslichen
Beaufsichtigung ein Paar Tage ledig zu sein. Anstatt ihm den
Kopf zurechtzusetzen, verabredet er mit ihm einen fidelen Abend
in Gesellschaft des Stubenmädchens, das seine Schwägerin eben
entlassen hat. Die verlassene Buchhalterin in der Chaussee¬
straße wird sich mit einem jungen Adligen zu trösten wissen,
der dem Sohn der Zimmervermietherin als Absender anonymer
Briefe erst ein Paar Ohrfeigen verabfolgt und dann mit der
so ritterlich Beschützten auf und davon geht. Die Satire auf
Zustände und Anschauungen, deren Zuverlässigkeit ansere gesell¬
schaftlichen Einrichtungen verbürgen soll, ist sehr dreist und oft
recht komisch. Die Charakeristik der entrüsteten Wittwe, die im
Uebrigen genau weiß, wie die Männer es treiben, und der derben
Berliner Zimmervermietherin spricht für das Talent des Dichters.
Das Ganze hinterläßt aber doch keinen wohligen, sondern einen
bittern Nachgeschmack, weil darin Alles, was wir sonst ernst zu
nehmen pflegen, verspottet und parodistisch übertrieben wird.
Eine so ausschließliche Verhöhnung der gesellschaftlichen Heuchelei
ist kaum im Stande, den Inhalt dreier Aufzüge zu bilden. Es
fehlt leider das Weiche und Liebenswürdige, das Schnitzler seinen
Stücken zu geben weiß. Die scharfe kalte Ironie in der „Er¬
ziehung zur Ehe“ erinnert daran, daß wir es mit einer Jugend¬
arbeit Hartlebens zu thun haben, auf die erst durch die späteren
Erfolge des Dichters die Aufmerksamkeit gelenkt wurde. Bei
der Aufführung im Lessing=Theater verbanden sich der sächselnde
Onkel des Herrn Waldow, die sittenstrenge Mutter des Fräulein
Jona, Herr Grunwald als deren welterfahrener Sohn und
die Damen Sydow, Sauer und Hohenthal als Zimmer¬
vermietherin, Buchhalterin und Stubenmädchen zu einem wirkungs¬
E. Z.
vollen Zusammenspiel.
Telefon 12801.
Ausschnitt
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Ausschnitt aus: Haubt Fecher Cererpendent
von 413. 00
Theater, Kunst und Wissenschaft.
Ukr. Aus Berliner Theatern. Sonntagspremièren.
Aus Berlin, den 20. März, wird uns geschrieben: Es hat
fast den Anschein, als ob Otto Erich Hartleben in seinem
heißen Bemühen um die Liebesgunst der dramatischen Mu
doch endlich zum glücklichen Ziele kommen wird. In die
Winter prangte er auf den Zetteln verschiedener Theater
obwohl ein voller, warmer und anhaltender Erfolg ihm nir
beschieden war, gaben doch die Directoren dem so lan
ketzerten Sänger einer etwas verspäteten deutschen Bohsme
immer wieder Gelegenheit, sein Glück und das ihre zu ver¬
suchen. Das ist lebens- und dankenswerth, denn auch in der
gestrigen Première eines seiner Stücke „Die Erziehung zur
Ehe“ im Lessingtheater zeigte sich wieder, daß kaum einer noch
zur Zeit einen so gefälligen und witzigen Dialog zu schreibe
vermag. Leider, ist es damit allein nicht gethan. und die
sehr treffenden und packenden Bemerkungen vermochten über die
Mängel des Stückes nicht hinwegzutäuschen. D
zu zeigen, wie in gewissen Schichten der Gesellsch
Jugend, systematisch
aller Idealismus der
wird, um die jungen Männer und Mädchen
machen für die wohlanständige, conventionelle, liebeleere Ehe,
ist gut. Aber bei der Verkörperung dieser Ehe hat Hartleben
allzu locker gearbeitet, bei dem ewigen Schwanken zwischen
socialer Behandlung des Stoffes und einsachem Heraushöl
der Possenefsecte ist aus der Satire eine nicht immer saub
zeichnete Caricatur geworden. So wird sich „Die E
zur Ehe“, die übrigens sich gegenüber dem ersten, seinerz
im „Magazin für Litteratur“ abgedruckten Entwurf nicht
wesentlich verbessert hat, die dauernde Gunst des Publiku
nicht erwerben. Ebensowenig ist dies von dem Einakter„Die
Frage an das Schicksal“ von Arthul
Für 50 Zeitur
warten, der den Abend eröffnete. Das Stuachen behälldelt
100
Zweifel, die Angtol — nach dem der bekannte Einal
200
an d
des seinsinnigen Wiener Poeten benannt ist -

seiner Geliebten hat, die ihm gebotene Möglichkeit, die
1000
Wahrheit ihr im hypnotischen Dämmerzustand zu entloc
im det den Seelenkampf, der ihn schließlich aus Furcht, sie durch die
Vbonnement
Antwort zu verlieren, die Frage nicht stellen läßt.
Abonnenten
theoretische Erörterungen und der Umstand, daß die Hauptsce
sich wortlos abspielen, bewirken, daß trotz der vortrefflichen
Weise, in der Josef Jarno die Gesühle Anatol's veran¬
schaulichte, das Publikum dem Stück gegenüber kühl blieb. —