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Dranas
IT. LTanas
Abenteuer seines Lebens
1. Das
nasaus box 7/1
seg
Seite 6.
Wien, Donuerstag
Fremden-Bi
Debut noch einiger neuer Kunstnovizen und auch das eines talentvollen jungen
Dichters. Ein allerlieb ies Lustspiel „Nord und Süd“ von Ch Narrey, das
se
ältere Theaterbesucher sehr lebhaft an eine französische Bluette „Wenn Frauen
un
lachen“ erinnert haben dürfte, eröffnete den Abend und gab besonders Fräulein
für
Lenfeld Gelegenbeit, sich als talentvolle Lustspiel=Soubrette zu zeigen „Das
erl
Abenteuer seines Lebens“, Lustspiel von Arthur Schnitzler, zeichnet mit
di
starker Hand eine Szene aus dem Liebesleben eines jungen Brausekopfes, der
Ge
eestenmale in Szeue.
sich entschieden zu „Jung=Deutschland“ bekennt. Die Charakterzeichnung der
kleinen Schneiderin und ihres Freundes ist meisterhaft zu nennen, so daß man
* Das Tbeater in der Jose
At
dem Dichter verzeiht, wenn er uns zumuthet, das Benehmen der jungen Frau
sich zu einem Vorführungsring für künstlerisches He.
zw
ernst zu nehmen, welche in der Wohnung ihres Liebhabers eine Andere findet.
Vollblut Graf Eszterhazy'scher Zucht gestalter.
ein
Die geschickte Mache des Stückes hilft darüber hinweg und der Schluß=Essekt
Die gestrige Vorstellung brachte ein ziemlich stark ge¬
echt fin de siecle — fand sogar stürmischen Beifall. Das Stück gab nun
mischtes Material auf die Beine. Professor Leo Friedrich,
ha
Frl. Meißner besonders Anlaß, sich heivorzuthun. Das degagirte Spiel der
der dramalische Traineur des Grafen, sollte etwas vorsichtiger
jungen Dame und der köstliche Humor, mit dem sie ihre Rolle spielte, machen
in der Wahl jener Züchtlinge sein, die er dem Publikum in
Ki
#is uns begreiflich, daß bereits eine große Wiener Bühne die jugendliche Künst¬
einem Wiener Theater vorführt. Wirkliche Vegabung sollte
lerin engagi en wollte. In dem Lustspiel „Unser Patient“ von Karl Groß
für ihn allein maßgebend sein und keine andere Rücksicht
er
die
zeichnete sich beso ders Frl. Hörner als Naive und Herr Limlay in der
dürfte zur Geltung kommen, wenn er nicht sein Renommée
we
als dramatischer Lehrer aufs schlechte Spiel talentloser An¬
Rolle des Dr. Breyer aus, und zwar hatte dieser die Hauptrolle des Stückes
an
fänger stellen will. Zu den begabten und in jeder Hinsicht
inne, welche ihm vielfach verdienten stürmischen Beifall eintrug. Außer diesen
de
förderungswürdigen Darstellern, die wir gestern zu sehen
ist noch Herr Lutz als Baron Udvardy — er traf den ungarisch=deutschen
2
mi
und zu hören bekamen, rechnen wir Frl. Leefeld, ein
Dialekt ganz prächtig — hervorzuheben. Den Beschluß des Abends bildete
junges schönes Mädchen, das noch vor zwei Jahren auf
gestern die Pantomime „Der Pascha“, in der besonders die reizenden Melodien
W
der Ischler Esplanade Blumen verkaufte und kaum an
der Musik von A. Merz ansprachen
Lorbeern gedacht haben mag, die für sie blühen werden,
* „ 5
wenn sie zu dem ihr angeborenen Talente Fleiß und ernstes
Streben fügt. Ebenso gut veranlagt sind zwei junge Damen,
Frl. Görner und Frl. Scholz. Während Erstere noch
zu unruhig und überhastend in Spiel und Sprache
m
erschien, zeichnete sich Frl. Scholz durch eine klare,
re
ruhige und liebenswürdige Darstellungsweise aus,
In
die das Beste erwarten läßt. Hervorragende Be¬
ßer
gabung für das feinere Lustspielsach legten die
ern
Herren Lutz und Limlay an den Tag, während
ete.
ein Herr Hartner als Krastel=Imitator bei guten An¬
gt,
lagen ursprüngliches Talent vermissen ließ. Unter den
Neuheiten des Abends gefiel besonders das mit Geist
14. Mai 1891 Sene
und Lanne geschriebene Lustspiel „Das Aben¬
tige lteuer seines Lebens“ von A. Schnitzler.
de la pikanten Vorwurf in französischem Genre sehr flott be¬
cher
zent handelt. Ein junger Viveur. der gleichzeitig in eine Grisette
Die hübsche Causerie interessirte trotz der absolut
und eine Dame verliebt ist und in der Erhörung seitens
mangelhaften Darstellung; wir würden uns freuen,
der Letzteren das Abenteuer seines Lebens sucht,
or der
dem Einakter auf einer guten Bühne, von Künstlern
kommt durch ein Zusammentreffen Beider in seinem
mit¬
dargestellt, zu begegnen. Der Dramaturg des Deutschen
Junggesellenheim in große Verlegenheit, er vermag sich
einen
trotz aller Bemühungen nicht aus der kritischen Situation
Volkstheaters wohnte der Aufführung bei; das hat was
endete
zu befreien und verliert die Herzen Beider. Rasch
zu bedeuten. Von lustiger Wirkung war ein vor¬
gefaßt, tröstet sich der junge Mann mit der Aus¬
eift
trefflich gespielter Schwank „Unser Patient“
zwei neue Aventuren. Die Damen
sicht auf
von C. Groß, dem Schloßdichter des Grafen
Meißner und Ranzoni brachten die beiden
7
weiblichen Typen des Lustsviels sehr brav zur Geltung,
Eszterhazy. Der Autor war selbst Schauspieler, und
weniger entsprachen die Herren Hartner und Bau¬
versteht es, komische Situationen herbeizuführen und
mann in den männlichen Rollen. Das zweite zur
auszubeuten. Unter edlen und geistvollen Grafen und
Aufführung gebrachte Lustspiel von C. Groß „Unser
hre
Baronen, Komtessen und Baronessen kommt im Stücke ein
Patient“ wurde bereits auf dem Totiser Schloßrheater
aus
er¬
einziger Bürgerlicher, ein Arzt, vor, und der allein erscheint
gesvielt und persifflirt in ergötzlicher Weise die Passion
ine
der
eines Magnaten, für seine Bauern ein Spital zu
wei
als Schwindler und Dummkopf zugleich. Vielleicht hat
an
errichten, für das er keinen Patienten zu acquiriren ver¬
list
Herr Groß den sonst lustigen Schwank seinen „hohen
zu
mag. In Folge eines Mißverständnisses wird ein als
den,
Gönnern“ an den Leib schreiben wollen. Noblesse oblige!
Brautwerber in das Schloß kommender Cavalier so lange
ner
Ge¬
als Patient behandelt, bis ## endlich, der Kaltwassercur
* Wie man uns aus Berlin telegraphirt, hat Frl.
im
ect
überdrüssig, mit der Werbur ausrückt. Das mit vielen
Opus wurde gleichfalls
Ein
heiteren Evisoden durchsle
sehr lebhaft acclamirt und ad in den Damen Görner
sorfu
und Scholz, sowie de. Herren Limlay, Lutz
Auf
und Schmid recht gewandte Darsteller.
—del.
iche
einen
* Eine Wiedergenesene wurde gestern im Burg¬
skheater freudiast begrüßt. Frau Jerliwe (u