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oessen
12. Anatols Gr.nahn box 34/10
Prager Prosse Prag
mens
schweben, dieses Meditieren um irdischenpackende Spiel „In Ewigkeit Amen“.
Schnitzler-Wildgans¬
Tand, diese Wollust und diese Tränen waren von Anton Wildgans, das hier vor Jah¬
Gedächtnisfeier
Schnitzlers Erfindung. Loris und Peter Al-Tren mit Romanowsky als Hauptperson
tenberg sind in diesem Dunstkreis geworden, Verfolgreich aufgeführt wurde. Den Sträfling
Kleine Bühne
Hermann Bahr hat in der zwiespältig erhell¬
und Totschläger aus Mitgefühl gab diesmal
Die Fünfzigjährigen, die den Rhythmus des
ten Atmosphäre benachbarter Angelegenhei¬
Rudolf Stadler, dessen Charakterisierung
Lebens vor dem Ausbruch des Krieges im
ten seine Aesthetik ersonnen. Oesterreichi¬
zu Herzen ging, der die Gefahr, effektvoll zu
Blute spürten, sind Gefolgschaft und Anrai¬
sche Kunst und Wiener Feuilletonismus be¬
übertypisieren, mit Selbstverleugnung von
ner. Die neue Jugend, die nachher heran¬
zogen aus dieser Werkstatt ihre Befruch¬
sich wies. Eine blendende Studie war die Zeu¬
wuchs, konnte die lässige Schönheit dieser
tung.
gin Marie Schmidt der Frau Bertl Halova¬
Gestaltung nicht völlig begreifen. Arthur
Die zwei Einakter, die zum Gedächtnis des
nic, die Beifall vor offenem Vorhang ern¬
Schnitzler, den die Generation der Ge¬
toten Dichters in der Kleinen Bühne in Sze¬
tete. Bureaukratisch verbiestert, sadistisch
reiften einen großen Schriftsteller nannte,
ne gingen, „Anatols Größenwahn“lborniert Roman Reinhardt als Untersu¬
hatte Novellen gedichtet, die sich nobel und
ehungsrichter. In kleineren Aufgaben Walter
und „Dieüberspannte Person“, sind
formsicher um einen inneren Stil bemühten.
Nachlaßwerke spezifischer Prägung. Was
Taubals jüdischer Protokollführer mit An¬
Auch einige Theaterstücke waren da, die
Hugo von Hofmannsthal in seinam Prolog teilnahmekomplexen, Philipp Veit als
durch interessante Belichtung reizten, „Der
(von Friedrich Hölzlin feinschmeckerisch
Staatsanwalt, Leopold Dudek als Nacht¬
grüne Kakadu“, „Der junge Medardus“ und
vorgesprochen) als den Besitz solcher Welt¬
kellner an richtiger Stelle. Die Anatol-Akte
so weiter. Aber was da aus den Annalen einer
betrachtung umgrenzt, Frühreife, Zartheit,
inszenierte Friedrich Hölzlin, die Regie
hurtig verbrauchten Vergangenheit in die
wohlgeordnete Trauer, ist hier als holde Sub¬
des Wildgansschen Gerichtsstückes lag in den
Erinnerung drängte, Anatol-Spuk zielloser
stanz in Gefäße geschlossen, die lichtdurch- Händen Rudolf Stadlers. Paul Leppin
Müßiggänger, das Deminutivum der Liebe, dringlich im Dunklen stehn. Hans Götzwar
die in der Residenzstadt der alten Monarchie kein Anatol, dem es gelungen wäre, aus Rr¬f
zur „Liebelei“ entartete, das waren Dinge,
signation eine Kunst zu machen. Seine Me¬
die man nicht mehr verstand und als Kurio-lancholie war zu porös, von animalischen
sum wertete. Und doch ist dieser Traum vonSäften durchflutet, zu wenig kostbar und
Sommerlüften und stiller Besinnung, der
einsam. Padlesak als gehorsamer Freund
freundliche Tod und das kokette Sterben, die
brachte den Ton ihrer Stimmung schon willi¬
Süßigkeit schmerzlich erblühter Jugend, das
ger zu Gehör. Tilde Ondra und Willi
Bauer entsprachen dem Geist ihrer Rollen,
Glück in den Augen armer Verkäuferinnen
der eigentliche Schnitzler gewesen. Das war
Maria Andergast hatte besonders im
die Welt, die ein kleines Jahrzehnt eine köst-Izweiten Aktstück der Szenen, das tempera¬
mentvoll für weibliche Würde eintritt, eine
lich erfabelte Luft über Intimitäten breite¬
te, eine Welt mit bedeutsam erhöhten Akzen¬
erdgeborene Anmut, die fraulichen Reiz mit
Delikatesse verbrämte.
ôten, resigniert und genußfroh, elegant und
Ivertraulich. Dieses Aufschimmern und Ver- Der Abschluß des Abends bildete das