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box 35/7
3. Dachnereien
Telephon 12.801.
„ODOERTER
I. österr. behördl. konz. Unternehmen für Zeitungs-Aueschnltte
Wien, I., Concordiaplatz 4.
Vertretungen
In Berlin, Basel, Budapest, Chlcago, Cleveland, Christiania,
Genf, Kopenhagen, London, Madrid, Mailand, Minneapolls,
New-Vork, Paris, Rom, San Francisco, Stockholm, St. Peters¬
burg, Toronto.
(Ouslienangabe ohne Gewähr.)
Ausschnitt ausbrünner Zeitung
vom:
6— 3. 190
1
1
U
ureuy
Schnitzler, Dämmerseelen. No¬
n
vellen. Juhan des Freiheren von
Leisenbohg — Die Weissagung — Das neue Lied —
Die Fremde — Andreas Thameyers letzter Brief.:
.Fischer, Verlag, Berlin). Geh. M. 2.— geb.
Schnitzlers neue Novellen sind Variationen
über Themen aus der Gedankenwelt Edgar Poes.
Menschliche Schicksale werden bestimmt durch eine
Macht, die aus einer fremden, außermenschlichen
Sphäre herüberlangt. Die spezielle Note dieser neuen
Novellen von Schnitzler ist es nun, daß sie nicht
eigentlich den Zweifel an der natürlichen, konirollier¬
baren Kausalitat ausdrücken wollen, sondern daß sie
mit diesem Zweifel spielen; sie foppen damit; und
unmerklich führen sie vielleicht eine Idee, aber sicher
den Leser ad absurdum. Vom Freiherrn Leisen¬
bohg, dem seine Angebetete eine Nacht schenkt,
um auf ihn den Fluch ihres toten Liebhabers hin¬
und dadurch von ihrem neu erwählten abzulenken,
und der durch solche Perfidie dem Fluche wirklich
unterliegt, bis zu Herrn Andreas Thameyer, der für
Tugend seines Weibes stirbt, das einen Negerknaben
geboren hat, — geht durch das ganze Buch ein spöt¬
tischer Ton, hört man verhaltenes Kichern. Und alles
das ist von sicherster, leichtester Hand hingesetzt, trocken,
elegant und unterhaltend.
Telephon 12801.
*
MnTntg

O l. österr. behördl. konz. Unternehmen für Zeitungs-Ausschnitte
60
Wien, I., Concordiaplatz 4.
1
Vertretungen
in Berlin, Budapest, Chicago, Christiania, Genf, Kopen¬
hagen, London, Madrid, Mailand, Minneapolis, New-Vork,
Paris, Rom, San Francisco, Stockholm, St. Petersburg.
(Quellenangabe ohne Gewähr.)

Ausschnitt aus:
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8-MRL19o7 Berliner Börsen Zeitun
E vom:
W

Büchertisch.
1— Dämmerstunden. Novellen von Arthur
Schnitzler. Verlag von S. Fischer in Berlin. Was
mag wohl den liebenswürdigen Plauderer, den
„Dichter in Halbfranz“ verankaßt haben, diese
gruseligen Spinnstubengeschichten niederzuschreiben?
Glaubt er an Telepathie? Ist er Spiritist ge¬
worden? Oder will er sich über Leser und Kritiker,
die das Buch ernst nehmen, hinterdrein lustig machen?
Die Sachen sind trotz der Austriacismen: „ich bin
gesessen", „er ist gelegen“ flott geschrieben, nur fragen.
wir für wen?
Telephon 12801.
8
MuMRHETRTETTETSENN
O l. österr. behördl. konz. Unternehmen für Zeitungs-Ausschnitte
Wien, I., Concordiaplatz 4.

Vertretungen
∆ in Berlin, Budapest, Chicago, Christiania, Gent, Kopen¬
hagen, London, Madrid, Mailand, Minneapolis, New-Vork,
Paris, Rom, San Francisco, Stockholm, St. Petersburg.
(Quellenangabe ehne Gewähr.)
Ausschnitt aus:
8
-MRL1907DIE ZEIT WIEN
E vom:
7 Ein neues Buch von Schnitzler. Im Verlag
von S. Fischer ist soeben ein neuer Novellenband
von Arthur Schnitzler erschienen. „Dämmer¬
stelen.“ Er enthält fünf Erzählungen aus der
jüngsten Schaffenszeit des Dichters, und man
kann aus ihnen allen die interessante Wendung
konstatieren, die Schnitzlers Entwicklung genom¬
men hat. Am meisten aus dem „Schicksal des
Freiherrn von Leisenbohg“ und aus „Andreas
Thameyers letzter Brief“. Schnitzlers Streben
geht dahin, die Spannungen auf eine edle Weise
zu erhöhen. Zugleich, oder eben deshalb, sehen
wir ihn bemüht, menschliche Schicksale aus tiefer
gelegenen Quellen hervorströmen, menschliche
Charaktere aus verborgenen Wurzeln aufwachsen
zu lassen. Er geht jetzt in allen seinen Werken
über die gemeine Logik hinaus, strebt einer
höheren, geheimnisvollen Gesetzmäßigkeit zu, die
über allen Dingen ist, deren Sinn und Folge wir
nur ahnen und an deren verschlossene Pforten
wir nur tasten. Was dies neuen Novellen sonst
noch auszeichnet, ist die schöne Strenge der
Sprache. Diese vollkommen reine Form, in
deren Linien sich etwas von dem persönlichen
Wert Schnitzlers, von seinem tiefen, durch und
durch dichterischen Atem mitzuteilen scheint. Er
gehört (das ist mit diesem Novellenband wieder
gezeigt) zu den ganz wenigen Künstlern, die
unablässig an ihrer Entwicklung arbeiten. Und
er gehört, wohl deshalb, auch zu den ganz
mit jedem Werke,
wenigen, die unablässig,
wachsen. Das ist gleichfalls mit diesem Novellen¬
band wieder gezeigt.
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