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Panphletsofforints
„Die Redenden Künste“, Zeitschrift für Musik und Litteratur, III. Jahrgang 1806/07. 1223
Frl. Plaichinger ist es durch Talent und eisernen Fleiss gelungen, in Strassburg
sich in kurzer Zeit eine sehr angeschene Stellung zu erringen, und besonders als Wagner¬
sängerin wird sie in Süddeutschland hochgeschätzt. Den Bayreuthgästen stellt sich Frl.
Plaichinger als eine der Nornen in „Götterdämmerung“, als eine der Walküren und als
Soloblumenmädchen vor. Hoffentlich kann die Bayreuther Kritik das glänzende Urteil,
das Frau Cosima Wagner und die Strassburger Opernreferenten über die Künstlerin ge¬
fällt haben, unterschreiben.
Fritz Plank.
Der erste Baritonist der Karlsruher Hofoper, Fritz Plank, begann seine Künstler¬
laufbahn an der komischen Oper in Wien, wo er von 1874—1875 wirkte. In diesem Jahre
verpflichtete er sich dem Hof- und Nationaltheater in Mannheim für zweite Baritonpartien.
Mit wachsender Kraft strebte der junge Künstler vorwärts, bis er sich „das erste Fach“
sieghaft ersang. Sehr ungern sahen die Mannheimer Kunstfreunde Plank 1884 scheiden,
allein das Hoftheater in Karlsruhe hatte dem Siinger so glänzende Bedingungen gestellt,
dass er diesem ehrenvollen Ruf ohne weiteres Folge leistete. In demselben Jahre sang
Plank zum erstenmal in Bayreuth und entzückte die Hörer in der anspruchsvollen, von
ihm unvergleichlich verkörperten Partie des Klingsor im „Parsifal“. Auch bei den Fest¬
spielen 1886 und 1894 sah man ihn als Zauberer des feenhaften Blumengartens. Den
Recken Kurwenal in „Tristan und Isolde“ stellte der Künstler 1886 gleichfalls dar. Schwere
Krankheit warf den gefeierten Sänger 1889 auts Krankenlager, so dass ihm die Mitwirkung
bei den Festspielen in jenem Jahre versagt blieb. Vermöge seiner kräftigen Konstitution
genas Plank jedoch bald, und dass die Krankheit seinen glänzenden Stimmmitteln nichts
anzuhaben vermocht, bewies er schon 1891 wieder in Bayreuth. Er sang herrlicher denn
je. Wie 1892 und 1894, so auch in diesem Jahre wieder stellt Plank seine geniale Vor¬
tragskunst als „Klingsor“ in den Dienst der Wagneraufführungen, für die er als einer
der berufensten Vertreter von einem gütigen Geschick prädestiniert erscheint.
Die Wiener Moderne.
Ton I. Fred.
Tch sehe bei uns in Wien — und gewiss ist es anderwärts ebenso — zwei grund¬
1 verschiedene Arten moderner Schriftsteller und Dichter. Beide sind aufrichtig
und die Masse, sind Anhänger der „Moderne“, weil unsere Zeit jeden jungen Geist
dieser Richtung der Kunst zuführen muss; ihre Persönlichkeit hätte sie zu anderer
Zeit zu Romantikern, zu Idealisten, vor einem Jahrzehnt zu starken Naturalisten
gemacht.
Abseits von diesen sehe ich vereinzelte Männer besondere Wege wandeln.
Diese sind mir alle wert; ich halte einen jeden für einen ehrlichen Künstler. Des
einen oder des anderen Art werde ich vielleicht tadeln. Mag auch sein, dass ich
einem zurufe: Wenn du mir das und so zu sagen weisst, warte reichere, frucht¬
barere Tage ab — allein auch den möchte ich nicht missen; denn wenn ich an
eine neue Kunst denke, die von unserer Stadt ihren Ursprung nehmen soll, so
muss sie uns von ihnen werden, die jeder ihr eigenes Gesicht haben, und deren
Bestreben ein reines Ziel verfolgt.
Ich möchte nicht, dass man die erste Art niedrig achtet. Man wird sehen,
dass ich gute, liebe Gestalten dort einreihe. Sie sind die Schrittmacher der