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1: Panphlet s
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Dichtung.
oberhalb der Frau Wilhelmine Buchholz. Fast ganz gehen
dann aber Fontanes letzte Werke in der seelischen Schilderung
sozialer Typen auf: die „Poggenpuhls“ (1896) bringen die
Naturgeschichte der armen adligen Offizierfamilie, „Der Stechlin“
(1898) die Charakterzeichnung des preußischen Junkers. Etwa
gleichzeitig aber mit Fontane sind auch sonst einige Dichter,
deren Bedeutung sonst mehr früheren entwicklungsgeschichtlichen
Perioden der nationalen Phantasiethätigkeit angehört, in ästhetisch
vielleicht besonders hochstehenden Werken zum sozialpsycho¬
logischen Roman übergegangen. So vor allem Adolf Wilbrandt
(geb. 1837) in seinem „Hermann Ifinger“ (1892), übrigens unter
kräftiger Absage gegen einen übertriebenen Naturalismus. Und
auch Wildenbruch, der bis dahin Meisterschaft eigentlich nur
in der Psychologie des Kindes bewährt hatte, kehrte mit der
„Schwesterseele“ (1894) in der Heimat der „Alltäglichkeits¬
psychologie“ ein.
Im ganzen aber wurde der moderne sozialpsychologische
Roman doch von jungen Kräften getragen, die nun in immer
größerer Zahl auftauchten. Und als früheste Führer dieses
Chores traten Georg Freiherr von Ompteda (geb. 1863) und
Wilhelm von Polenz (geb. 1861) hervor. Von ihnen ist
Polenz nicht so fein und technisch nicht in dem Grade modern
wie Ompteda. Aber die sozialen Umwelten namentlich des
platten Landes seiner obersächsischen Heimat giebt er doch mit
ausgesprochenem Geschick wieder („Pfarrer von Breitendorf“
1893 u. a. m.). Ompteda, ein Niedersachse, ist nach anfäng¬
lichem Schwanken mit „Sylvester von Geyer“ (1897) scharf
und sicher in die sozialpsychologische Bahn eingelenkt: der Ge¬
schichte eines armen adligen Offiziers von seiner Geburt bis
zu seinem frühen Tode, eines Offiziers nur des Mittelmaßes.
Hohen Aufschwung aber nahm diese Richtung, als sie
mit einer breiteren, ihr naturgemäß parallel laufenden Strömung
verschmolz: mit der Richtung auf Heimatskunst.
Die sozialpsychologische Betrachtungsweise wird immer
gern am Boden haften: denn nur in der beständigen Berührung
mit den nährenden und schaffenden Mächten der Erde und

Dichtung.
eben damit schon fern jedem überschwän
findet sie wahres Gedeihen. Und so
ihrer modernen Ausbildung thatsächlich
Richtungen der Dichtung der nächstver
zu suchen: die Bauernkunst der vierziger
ihr Ursprungsgebiet, und Jeremias Gotth#
geschichten, Otto Ludwig mit seinen
sind ihre vornehmsten Paten. Von di
dann, wenn auch zeitweis durch den gr
nismus überschattet, die ganze Bewegun
gelassen oder gar aufgehört: Zeuge dafü
Talent wie der Balte Theodor Hermann
der konservativ=orthodoxe Romancier der
von Keller“ 1885), — noch größerer Ge
der Österreicher Anzengruber und Rosegg
auch der Ebner=Eschenbach, nicht zu gede
Wie mächtig aber diese Strömun
Vorbedingungen der modernen Litterat
nationalen Daseins der Gegenwart her
die Erscheinung, daß schließlich auch die
landschaftliche Färbung erhielt — wie seh
Preuße, Hauptmann Schlesier! —, und
die Thatsache, daß eine neue landsch
Haupt alsbald auch in dem wiedergewon
einer uralten und klassischen Geburtsstätt
erhob: 1891 erschienen die Alsalieder Chr
die „Lieder eines Elsässers“ von Fritz
mächtig in die Heimatsbewegung eingeg
kam es in Straßburg sogar schon zur
sonderen Elsässer Theaters, für das e
deutsche Dichter im Geiste des alten
montags“ rüstig schufen und schaffen.
Eine ganz besondere Bedeutung aber e
zur Heimatkunst seit etwa dem Jahre
frühesten Spuren ihrer ausgesprochenen
Österreich zurückgehen: und zwar ebenf
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