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Deutsche Dramatiker der Gegenwart.
IV.
Artbur Schnitzler.
Don Dictor Ulemperer.
n diesem Winter hat man Gelegenheit, Schnitzlers Erstling und sein zuletzt
erschienenes Werk auf der Bühne zu sehen. Die „Anatol“Suite ist an
mehreren Orten heimisch geworden, an den „Jungen Medardus“ hat sich
bislang nur das Burgtheater gewagt. Dem flüchtigen Blick wird sich kein noch so leiser
Zusammenhang zwischen diesen beiden Dichtungen offenbaren. Dort die verliebten
Spiele eines jungen Mannes, der sich einzig um die allzu sorgsam betrachteten Re¬
gungen der eigenen Persönlichkeit bekümmert, hier ein gewaltiges Historiengemälde,
in dem die Bedeutung des Einzelnen dem Allgemeinen gegenüber einzuschrumpfen
scheint. Blickt man aber tiefer, so wird man bei allen Verschiedenheiten dennoch
mehr und mehr eine große, innerliche Verwandtschaft zwischen Anatol und Medardus
gewahren, wird sie als Kinder des gleichen, dichterischen Schöpfers erkennen. Nur
freilich: der den „Anatol“ schuf, war ein Jüngling, dessen ganzes Lebenssehnen noch
ins Erotische mündete, und fast zwei Jahrzehnte des Reifens, der Entwickelung in
rastloser Arbeit mußten folgen, ehe der „Medardus“ werden konnte. Nun scheint
mir auch dieses durchaus nicht schlackenfreie Werk keineswegs die letzte, für Arthur
Schnitzler erreichbare Höhe zu bedeuten, vielmehr nur eine Etappe. Aber der bisher
zurückgelegte Weg ist doch ein so großartiger, daß sich die Mühe eines zusammen¬
fassenden Ueberblicks gewiß vollauf verlohnt.
Auch zwischen den Erfolgen der großen Dichter waltet so etwas wie eine aus¬
gleichende Gerechtigkeit. Der eine muß lange um seine Anerkennung ringen; aber
wird sie ihm endlich zuteil, so ist sie auch eine gerechte, insofern sie sein ganzes
Schaffen bewertet und das reifste Werk nun auch am höchsten stellt. Den andern
macht sogleich sein Erstling berühmt; doch nun ist er zum mindesten für die große
Aenge ein für allemal abgestempelt, und wächst er auch noch so hoch über jene
Anfangsleistung hinaus, so bleibt er doch im Geist und Munde der vielen etwa der
Dichter von „Waldmeisters Brautfahrt“ oder — des „Anatol“. Es hatte für mich
etwas Tragikomisches, als ich in einer privaten Unterhaltung Arthur Schnitzler mit
einiger Entrüstung sagen hörte, er habe es reichlich satt, sich den „Dichter des süßen
Mädels“ nennen zu hören, und es seien doch wenigstens einige Zweifel daran
erlaubt, daß das Erotische sein stärkstes und nun gar sein einziges Thema sei.
Gewiß gibt es keine ungerechtere pars-pro-toto =Satzung, als wenn man Schnitzlers
Schaffen derart umgrenzt, und gewiß wird sich diese Ungerechtigkeit niemals ausrotten
lassen, weil eben sein junger Ruhm auf den „Anatol“ und die diesen Szenen sozusagen
benachbarte „Liebelei“ gegründet ist. Und weiter, weil die vielen diese beiden
Arbeiten nur einseitig schätzen und also unterschätzen, weil sie in ihnen nur die
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