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Felix Braun, Österreichische Bibliothek.
die Kraft zum Überwinden und schaffen in ihr bleibende Werte. Wer mag des
Geistes Tiefe ganz ergründen? Es bleibt ein Ahnen, das zur Gewißheit wird
und in der Gewißheit weiß sich die freie Persönlichkeit als ein Gedanke
Gottes aus der Zeit für die Ewigkeit. Das ist Religion in ihrer klarsten und
reinsten Form, wie sie uns am ursprünglichsten in Jesus von Nazareth ent¬
gegentritt. Das deutsche Gemüt hat die christliche Frömmigkeit in seiner ganzen
Tiefe erfaßt. Bei keinem Volk wurde so viel gerungen, geschrieben, gekämpft
für und wider das Christentum, wie bei den Deutschen. Konfession, Kultus,
Dogma sind etwas Abgeleitetes. Das Ursprüngliche ist die Religion des
frommen Gemüts und hierin stehen sich deutsche Katholiken und deutsche
Protestanten viel näher als z. B. italienische und deutsche Katholiken. Es
hieße Zeit und Kraft vergeuden, wollte man die Religion durch neue Unions¬
versuche zwischen Katholizismus und Protestantismus erneuern. Im achzehnten
Jahrhundert haben es der Jesuit Spinola und der protestantische Abt von
Loccum Molanus versucht. Der eine wurde für verrückt erklärt, dem andern
wurde geheimer Papismus vorgeworfen. Heute käme man auf diesem Wege
ebenso wenig zum Ziele. Das Entscheidende bleibt die Vertiefung der beiden
Konfessionen durch und aus der Religion der Verinnerlichung. (Vgl. Leopold
v. Schröder, Wesen und Ursprung der Religion, in den Beitr. z. Weiterentwick¬
lung der christlichen Religion. S. 23.)
Der Krieg hat uns verinnerlicht und unsere Schaffensfreudigkeit erhöht.
Er hat den deutschen Geist in seiner Tiefe und Ursprünglichkeit hervor¬
leuchten lassen. Wir besinnen uns auf uns selbst: Religion, Lebens= und
Weltanschauung, Lebensfreudigkeit, ewige Jugend, Lebensmut, Lebensglück,
kurzum Idealismus im besten Sinne des Wortes sind uns wieder aufgegangen.
Die Feinde haben sich zusammengetan, um deutsche Art zu vernichten. Wir
können es ihnen nur danken. Sie haben den deutschen Geist geweckt und
dieser ist unbesiegbar. Lassen wir uns von diesem ganz durchdringen und
tragen wir ihn Mann wie Frau hinein in Haus und Beruf: Dann bedeutet
der Weltkrieg den Anbruch eines neuen Zeitalters des weltumspannenden
deutschen Idealismus.
Österreichische Bibliothek.
Von Felix Braun.
Eine österreichische Bibliothek ist gegründet worden; von einem Dichter: Hugo
v. Hofmannsthal. Wenn es zum Wesen des Dichters gehört, einer Gemein¬
schaft schauend, fühlend, denkend vorzuleben, sie zu lehren, was sie ist und was
sie soll, was ihr ziemt und was sie ehrt, so ist dies hier in einer stillen Art
schön bewährt. Denn die Gemeinschaft, der dieser Dienst erwiesen wird, war
bisher nicht nur allen übrigen so gut wie fremd, verhüllt und namenlos, sie war
es auch sich selbst. Hoch bis in älteste Zeiten reichend, großer Taten, unver¬
gänglicher Ideen, erhabener Menschen teilhaft wie jede andre, schien sie den¬
noch alles Geschehenen vergessen zu haben, des Bestehenden gering zu achten
Aahrhen
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