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1. Panphlets offorints
wissen, endet die Debatte mit einem
den Probleme ad absurdum geführt,
ben keine wahrhaft freie Frau, sie
iheraus, sie handelt nicht in einer
undenheit, sondern aus Trotz und
als ein aufrührerischer Sklave. Zu
en, gegen den sie sich empört, ist ihre
der gebüßt werden muß.
nerkt, daß der rastlos fortschreitende
Bühnenwerk, dem „Gang zum
freien Frau richtiger, tiefer erfaßt
t er an einem Bedenken fest, das
bine sämtlichen Alterswerke schlingt:
von der unrettbaren Labilität des
ler Frauen. Einmal gestört, ist es
dier dahin. Und darum wissen die
hen selbst, und empfangen von dort
ker vor sich selber. Schon Johanna
Furcht bewegt („Einsamer Weg“);
ie dem toten Gatten so lange die
n Knaben Fritz verloren, so weiß sie
beseligt zugleich, daß der Jüngling
ht ihr letzter Geliebter sein wird;
ärte Marcolina, deren erster Liebes¬
ligen wird, bald aus einem Männer¬
i wird; Anina („Die Schwestern")
emden Casanova geschenkten Nacht,
igen Tito einen Kuß, um dann er¬
n: „Was wird aus mir?“ Fräulein
ersuchteste von allen weiblichen Ge¬
dem ersten Schritt aus der bürger¬
hinaus schon den Anfang eines
keusch gebliebene Anselma von
eiher“) weiß und bekennt von sich:
nich selber nicht bewahrt,
hnmußt' ich dann gehören.
e, das bewahrte mich.
lligkeit, mit der dieser Triumph, die
ler von anderen Frauen die erlittene
ausgesprochen wird, muten freilich
d
spießbürgerlich an. Das Dogma
allzu willig anerkannt, ohne daß
hideten Wert gebunden würde.
ich in argem Widerspruch die laxe
rch Schnitzlers Schriften streicht
ichen Figuren angeht, und die doch
wenn sie einzig um höherer sitt¬
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licher Pflichten und Taten willen geduldet würde. Auch das
hat ja Schnitzler gelegentlich versucht, etwa im „Einsamen Weg“
mit dem Vaterproblem. Im allgemeinen aber gibt und gönnt
er seinen männlichen Helden den bequemen Latitudinarism
des Libertins: möglichst geringe Störung des Vergnügens
ist das Prinzip dieser gefälligen Moral.
Mit einem erstaunlichen Mangel an Stilgefühl hat Arthur
Schnitzler neben die pathetische und düster=strenge Tragödie
von Aureliens und Falkenirs verhängnisvoller Prüfung den
unbeschwerten Leichtsinn und die seelenlose Heiterkeit eines
solchen moralisch „bewußtlosen“ Libertins gefügt: die Geschichte
vom schönen Max und den drei Jungfrauen, die eigentliche
Komödie der Verführung.
Aus dem dicht gestopften Koffer der Handlung dieses
Dramas ist vorhin nur ein Teil ausgepackt worden, kaum
die Hälfte. So muß denn nachgeholt werden, daß Max von
Reifenberg auf dem Frühlingsfeste nicht nur Aurelie kennen
lernt, sondern auch die hübsche Geigerin Seraphine Fenz, in
die er sich gleichfalls verliebt, und daneben ist in seinem
Herzen auch noch Platz für die rätselhafte Judith Asrael, die,
aus unerwiderter Liebe zu ihrem an eine dirnenhafte Frau
in unseliger Hörigkeit gebundenen Schwager, ihren jungen Leib
hinwersen und Kokotte werden will. Und dieser unwider¬
stehliche Max pflückt die drei Jungfrauenblüten eine nach der
andern. Aber beileibe nicht, weil er ein dämonischer Ver¬
führer ist, dem alle Frauen zufallen müssen. Sein Teil ist
ein im Grunde klägliches Glück. Er wird genommen, er nimmt
nicht; er darf diese Mädchen genießen, aber er besitzt sie
nicht. Wenn sonst bei Schnitzler den ebenso strahlenden wie
gewissenlosen Genießern in gianzlos nüchterner Erscheinung
bescheidene Gestalten zur Seite stehen, „anständige“ Menschen,
die den einförmigen Pfad der Pflicht und Selbstaufopferung
wandeln und an deren treues Herz die liebemüden Frauen
aus den Unwettern der Leidenschaft sich heimretten — hier
sind die Nollen einmal umgekehrt verteilt: „Don Juan“ spielt
die lächerliche und „Brackenburgs Vetter“ die pathetische. Ja,
hier ist der Don Juan Max der eigentliche Brackenburg, an
sein leichtes Herz flüchten aus tiefer Erschütterung durch den
wahrhaft Geliebten sowohl Aurelie wie Judith, suchen im
leichten Liebesspiel mit ihm Vergessen schwerer Seelennot.
Er ist im geringsten nicht unheimlich und gefährlich, nicht
einmal Seraphine nimmt ihn ernst, er flößt keine Leiden¬
er ist

schaften ein, bedeutet für keine Frau ein Verhängnis
eine angenehme Sache mehr denn ein Mensch, ein Mann. Die
wie sonst
Frauen nehmen ihn hin zu flüchtigem Genuß
der Mann ein Dirnchen nehmen mag. Tatsächlich äußert der
Raisonneur des Stücks, der Dichter Ambros Doehl, Worte
über ihn, die sonst nur von gefälligen Frauen gesagt werden:
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