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Panphlets Offorints
„Ich finde, daß junge Leute, wie mein Freund Max einer
ist, einfach durch die Tatsache ihres Daseins die Atmosphäre
der Welt freundlicher und anmutiger gestalten. Warum noch
Leistungen von ihnen verlangen? Verlangen Sie Leistungen
von einem Schmetterling? vom Frühlingswind?
.Gibt
es denn eine nützlichere Beschäftigung, als die Summe der
Freuden, um nicht zu sagen des Glücks, in diesem irdischen
Jammertal zu vermehren?“ — Neu ist an der Gestalt des
Max aber doch nur die Leichtigkeit, die seelische Unbeschwert¬
heit, die anmutige Armut und unkomplizierte Einheitlichkeit
seines Charakters; das Grüblerische, Schwerblütige, Unaus¬
geglichene, Dissonante, das sonst ausnahmslos allen Schnitz¬
lerschen Vordergrundsfiguren eignet, mangelt ihm gänzlich.
Im übrigen hat auch er seine Vorgänger im Gesamtwerk des
Dichters. Drei Frauen um einen Mann sahen wir schon in den
„Schwestern“: dort drängen sich Anina, Flaminia und Teresa
um Casanova. Aber auch der sprichwörtliche Herzenbrecher
Casanova ist kein Verführer, er lehnt diese Bezeichnung als
eine viel zu aktive ab:
Verführt' ich jemals? Nein, ich war zur Stelle,
Wenn just mit holder Zauberei Natur
Ihr Werk begonnen. Auch verriet ich keine,
Denn ewig dankbar jeder blieb mein Herz.
Genau so taumelt der Schmetterling Max von einer
Mädchenblüte zur andern, ohne je die Vorgängerin zu ver¬
raten und steis des Dankes voll für ihr Geschenk.
Auch
daß ein Mann der Frau wie eine Dirne zu flüchtiger Lust
dient, wiederholt nur ein schon in der „Frau mit dem Dolche“
benutztes Motiv. Paola, in Abwesenheit ihres Gatten von
ihren Sinnen überwältigt, hat den Jüngling Lionardo zu
raschem Genuß in ihr Bett genommen, aber darum besteht
dennoch keinerlei wirkliche Gemeinschaft zwischen ihnen; denn
was hat Sinnenlust mit Liebe zu tun?
Hab' ich mit süßem Wort dir schön getan?
Hab' ich geflüstert wie die andern Frauen:
„Ich liebe dich und dein hab' ich gewartet“?
Vernahmst du andern Laut von diesen Lippen,
Als den beklommnen Aufschrei wilder Lust?
Es ist nicht mehr und also war es nie!
In verwandter Weise wird Max von allen drei Jung¬
frauen verabschiedet, nur mit etwas mehr Zärtlichkeit und
Schonung, was z. T. damit zusammenhängt, daß Schnitzler
in diese Szenen ein anderes Lieblings= und Urmotiv seiner
Dichtung einschlingt, das Motiv vom Scheiden mitten aus
dem Glück, eh die Liebe zu Zwang und Qual und Ekel
verkommen ist!).
!) Vgl. Körner, S. 42f.
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Nicht genug daran, daß di
Geschichte mit der ironischen Ver
knüpft und dadurch einheitliche
die Linien des Inhalts wie des
übersichtlich werden, sind in das
Reihe anspruchsvoller Episoden
dämonischen Hahnrei Westerhaus
Gattin Julia, eine Handlung,
Akt der Dichtung einnimmt un
Qual und Erniedrigung einer
in dem Ehepaar Natter (Bankdi
„Weiten Lands“ vorgebildet ersch
in dem paradoxen Liebespaar des
Stücks zu stark in den Vorder
handlung — wie diese ihr
nacht, die das Mädchen (gleich
mierung des „süßen Mädels“?)
ein Kind erwarten, und sie ist dau
auch nur erschrocken, sondern res
das sie in Art und Intensität
Schnitzlers teilts).
Die Ueberladung des Stüch
und Problematik (und unsere An
Wichtigste, weit entfernt von Vo¬
ist kein vereinzeltes Ereignis in
seine wertvollsten Schriften leid
„Der Einsame Weg“, „Des u
Freie“. Das kommt daher, daß
allem als Dramatiker, nach gem
licher Methode verfährt, indem
staltung einmaliger Menschenind
die Findung psychologischer Gese
)ihm ergeben
typischer „Fäl
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