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PanphletsOffarints
Jetzt gilt es erst zu werben.
Aurelie?“ fragt er
Hein war die Nixe. Willst du auch das Weib,
dig?“ Und Aurelie ent¬
Mit Jünglingsfrechheit wirst du's nicht gewinnen.
Und auch die Nire, gib nur acht, steigt wieder,
kommt es wohl nicht
Wie sie emporgetaucht, hinab zum Grund.
und hätt' ich mich in
wird
t oder verkauft
Und da sich Konrad des Geschenks, das er von ihr
berühren, wenn es mir
empfangen, unwürdig und undankbar erweist, nimmt sie, am
in Gleiches?
Schlusse des Stücks, auch seine Verlobung nicht an. Wird
er sie einst zum Weibe haben wollen, muß er sich sie erst
ksalsnacht
gen, —
neu gewinnen; trotz der geschlechtlichen Vereinigung mit dem
unwert fühlte,
Jüngling fühlt sie sich frei. Man könnte sich einen zweiten
Teil der Dichtung denken, der von Konrads neuer und schwererer
dir zu?
Werbung um sie handelt.
Leonildas erstannlich unsentimentaler Abschied von Konrad
das hier anklingt,
hat seinen Vorläufer in der letzten Auseinandersetzung von
die der Verführung“
Max und Seraphine („Komödie der Verführung"), die sich
e ihren Leib ge¬
durch die gemeinsame Liebesnacht, durch das Kind selbst, das
ungleich den
sie von dem Geliebten trägt, durchaus nicht an ihn gebunden
d gibt, aber
fühlt und auch ihn nicht an sich binden will. Max, der das
findet man
anders nicht begreifen kann, sieht in der Ablehnung seiner
wieder als
Hand einen Beweis, daß sie ihn nie geliebt hat. „Nicht
ist. Die
— „Ach, Max, wenn du
erwidert Seraphine
geliebt!
r wohl
mich doch verständest! Wenn doch Männer verstünden! Sie
s Heim¬
staunen immer, aber sie verstehen nichts ... Ach, es war ja
igt, aber
so schön, Max! Alle die Abende vom ersten bis zum letzten
steht
und die letzte, die eine Nacht — wie schön. Aber daß es nur
ungen
die eiie war, und daß sie niemals wiederkommen kann, und
Aben¬
das war doch
daß wir es in dieser Nacht schon wußten,
chwer,
vielleicht das Allerschönste dran.“
Allein nicht nur über die Ehe wird jetzt die Freiheit
trelie
gesetzt, sogar — und das ist bei Arthur Schnitzler etwas
aus
Neues und bisher Unerhörtes — sogar über das Liebesglück.
tes)
Der Kanzier von Mayenau berent, daß er in einem brüder¬
Max
lichen Wahn von Ehre die Schwester, um deren Liebe der
Da
Dichter Sylvester Thorn, ja der Kaiser selbst, geworben, in
ihn
jungen Tagen zu gut behütet und dadurch um ihr Liebesleben
Die
gebracht hat:
weil
Und wär's vielleicht ein Dirnenlos gewesen,
Wie
Du hättest doch dein Frauenlos gelebt.
der
Ich hab's gelebt
und
(spricht Anselma)
Und war mein Leben auch
Nicht immer Glück, so war's doch meine Wahl.
Und war's Verzicht — es war doch immer mein.
Doch nicht Leonilda ist die „interessante" Figur der Dich¬
tung, nicht das Problem der freien Frau liegt ihrem Schöpfer
vorzüglich am Herzen; Sylvester Thorn, dem Dichter und
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