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1. PanphletsOfforints
wär' eine arpse Welt,
Frage für Arthur Schnitzler, sie hat ihn immer schon bewegt;
sie beseelt den Einakterzyklus „Lebendige Stunden“. In dem
Sie ist so viel,
Dramolett, das diesen Titel führt, hatte er die Erinnerung
nd Weisheit — alle drei,
für wirklicher und wirksamer erklärt als die gelebte Stunde
eWage schwingt,
und den Beruf des Dichters gerühmt, der solchen Stunden
e Flaum
on
ihr Atem
Dauer verleiht, über ihre Zeit hinaus. Ebenso preist der
Kronen,
Herzog von Bologna („Der Schleier der Beatrice“) das Lied
des Dichters, das ewiger als die kühnsten, doch immer ver¬
gänglichen Siege hinwandelt über allen Tod. Solchen
inen Anspruch
Glaubens
ist noch Sylvester:
r, der für
ertrank der
Was ist Erinnerung? —
Zwischen Nichts und Etwas
päter Ge¬
Ein Ungestaltes, Nie-zu-Fassendes;
Und so wie Ufersand von Meereswelle
cht lachend
Von neuen Lebensfluten stets bedroht.
Jedoch wie solchen Staub, der sonst verwehte,
so er¬
Des Bildners Hand umklammert hält und formit,
as Gut
* So ballt mit seinem Zaubergriff das Wort
Verfließendes, Verflossenes zusammen,
Dialog
Und schafft wenn's aus erfüllter Seele kam,
In übermächt'ge Wirklichkeit es um.
Aber an dieser Wirklichkeit hat der Dichter kein Teil
mehr, sie hat sich von ihm losgelöst, wie das Kind vom
Nabelstrang der Mutter. Filippo Loschi vergißt sein eignes
Lied
darf er es da noch sein eigen nennen?
Was wir vergessen konnten, war nie unser;
tabene selber
Nur was wir halten, was wir jederzeit
Rückrufen können, wenn es noch so tief
das wie aus
In unserer Seele sich versteckte, noch so weit
Jugend, wenn
In einem Winkel sich der Welt verbarg,
hnitzler in seinen letzten
Gehört uns zu.
guten Alterstrost
Dem reiht sich an Sylvesters leidenschaftliche Elegie:
Sala unwider¬
Verführer als einen
Wo seid ihr hin, des Glücks durchglühte Tage,
Und reich wie die, ihr Tage blut'gen Leids?
wird einem gleich¬
gs=Komödie das Paroli
— wo seid ihr alle hin?
ter oder selbst ein
Wie faß ich euch? Was faß ich, wenn ich fasse?
cht immer sehr ergötzlich
Ihr wart doch einst gelebt! —
rwüstliche Sechziger,
Fahr wohl, Vergangenheit! Vergessen bleibt
von der Jugend
Die einz'ge Andacht, würdig dir zu weih'n.
n muß diese
Der Tag ist unser — nein, der Augenblick.
eb
en im ge¬
Doch ist nicht der, kaum, daß wir ihn gelebt,
Auch schon Vergangenheit?
es freilich
nun so fern
st manch¬
Und mein so wenig, als der Kindheit Tage
omödie der
Und mein das trügrisch nabe Gestern ist?
wei junge
Aber wenn das Gestern schon trügerisch ist, ist es nicht
Borten, „daß
auch das Heute? Hat denn der Augenblick Existenz? — „Gegen¬
übrigbleibt“.
wart
— was heißt das eigentlich?“ fragt der unerbittliche
laßt das ge¬
Herr von Sala. „Stehen wir denn mit dem Augenblick Brust
innerung
an Brust, wie mit einem Freund, den wir umarmen — oder
st keine neue
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