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1. ParphletsOfforints
Art von Durchlöcherung des
lassen und darin nur einen un¬
auf voluntaristischem Wege einer
zu entfliehen. Da aber streuger
che Verantwortung einander aus¬
ler, solange er einem sittlichen
Willensfreiheit verneint, sie mußte
soluter Sittlichkeit sich annähert,
Und wie Schnitzlers neueste
tschieden inmitten des Wegs vom
ssionismus zeigen, so ist er auch
itsproblems schwankend geworden,
ensichtlichen Widerspruch ab. Der
sche Verantwortung und sittliche
die geheim uns folgt,
sicht, Traum, durch den wir geben
einmal —, dies alles webt
it. So ist gesorgt,
sei.
ich mir nicht bewußt,
sturm, durch den ich sause,
i auch in mir
aft entzünde, — wahrlich,
Tag in solcher Welt,
und doch von Sühne wüßte,
und doch vom Lohn der Tat.
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bisweilen in
Gang zum
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box 36/6
Wenn dergestalt — nach dem Worte des Novalis —
Schicksal und Gemüt identische Begriffe sind die Lebensbahn
vom Anbeginn vorbestimmt, hat es da einen Sinn, von Schuld
und Verdienst zu reden?
Aber noch immer sind wir nicht am Ende mit der Aus¬
wicklung des idellen Gehalts vom „Gang zum Weiher“. Noch
ein letztes Problem lädt zum Verweilen ein: ein politisch¬
soziologisches. Nicht was über Krieg und Frieden geredet
wird, verdient näheres Eingehen; dies ist zwar von achtungs¬
würdigster Gesinnung, jedoch von recht dürftiger Gemeinplätzig¬
keit. Das Heimatproblem meine ich vielmehr, das dem Dichter
Sylvester Thorn zu Erlebnis und Not wird genau so wie
dem Dichter Arthur Schnitzler.
Als in den bösen Umsturzjahren gequälte und erzürnte
Gemüter nach einem Sündenbock und Prügelknaben suchten,
und man den, wie oft schon in der deutschen Geschichte,
an den Juden fand, ist dem gesteigerten Antisemitismus auch
Arthur Schnitzler zum Opfer gefallen. Nicht nur, daß in
literarischer Debatte sein ja niemals verleugnetes Judentum
ihm stärker und feindseliger vorgehalten ward, er hat auch
die handgreiflicheren Ungezogenheiten eines durch die anti¬
semitische Phrase aufgehetzten rüden Pöbels erfahren müssen!).
Dieses Erlebnis hat den Dichter neuerdings mit der Juden¬
und mit aller möglichen Breite ¬
frage befaßt, die ja bereits
in seinem großen Roman erörtert worden war. Dort schon
war die Rede von der Not der Juden, die hin und her¬
geworfen werden „zwischen dem eingeborenen Bewußtsein, da¬
heim zu sein, wo sie lebten und wirkten, und der Empörung,
sich eben da verfolgt und beschimpft zu sehen.“ Unter gleicher
Not leidet Sylvester Thorn. Diesen Helden eines um die
Mitte des 18. Jahrhunderts spielenden Stücks wollte und
konnte Schnitzler nicht zum Juden machen; also verändert
und verflüchtigt er den jüdisch=antisemitischen Hintergrund zu
einem gleichgültigen Fremdenhaß und mutet gerade damit
dem Leser etwas Unmögliches zu. Nationalen Haß kannte
gerade jene Zeit unter allen am wenigsten; man war damals
aufgeklärt und tolerant, die religiösen Gegensätze hatten sich
abgemildert, der moderne Nationalismus war noch gar nicht
geboren — er ist ein Produkt der französischen Revolution.
Aber das sind Aeußerlichkeiten. Wichtiger ist das Resultat,
in das Schnitzlers notgedrungene Auseinandersetzung mit
denen, die ihm das geistige und sittliche Heimatsrecht ab¬
sprachen, in seiner neuen Dichtung einmündet. Er unter¬
!) Das ist in einer deutschen Provinzstadt der Tschechoslowakei geschehen
und war, angesichts des ganz andern Respekts, den die Tschechen allem
Geistigen darbringen, für das deutsche Volk in diesem Staate außer¬
ordentlich beschämend.
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