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hle
1. Panp.s Offprints
u wird nicht berührt; genau
nuch die Probleme der Liebe
aus der Schau des Mannes
tut sich die bisher unbekannte
auf, der Rausch von Jugend,
Ende, von aller Glut, mit der
bleibt nur die Asche eines ohn¬
nit vorbei sei. In solcher Ge¬
zenlosen Ansprüche von ehedem
ben dem jugendstolzen Filippo
r geträumten Untreue verstößt,
orn eine klägliche Figur, wenn
sehr reale Liebeserlebnis am
voraus vergibt, wofern sie ihn
en will.
t indes nirgends jähe Sprünge.
der Beatrice“ (1899) bis zum
über Zwischenstationen. Der
„Einsamen Weg“ (1903), ein
bester, wie jener noch im vollen
schon vom nahenden Alter
en Johanna Wegrat, die ihm
mit solchen zagen, verzicht¬
„Du sollst nicht für alle Zeiten
denn all deine Träume kann
ich ganz gut.“ Wohl tritt
nd das Motio des Alterns
kt zurück, aber in der Novelle
hrt es mit vermehrter Stärke
verschwinden; in Schnitzlers
er „Komödie der Verführung“
steht es im Mittelpunkt und
it der immer heftigeren Kritik
Schnitzler selbst in früheren
Kritik, die noch sehr schüchtern
„Einsamen Weg“ anhebt, im
in der „Hirtenflöte“ zur ent¬
quemen laisser aller in Liebes¬
chnitzler, der stets die gleichen
Motive wiederkehren läßt, nur
deren Seite besehen, in seinem
i und Menschen älterer, noch
ifferenz angesiedelter Schriften
son dem neugewonnenen Stand¬
us zu bewerten. Wer diesen
beachtet, mag leicht den irrigen
ter wiederhole sich, habe sich
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ausgeschrieben, wisse nichts neues mehr zu sagen. In Wahr¬
heit sind diese Wiederholungen Widerlegungen und sinnvolle
Absicht.
Schnitzlers Spätwerk, von dem hier geredet wird, seine
Produktion der Nachkriegszeit, umfaßt drei Theaterstücke und
drei Novellen; doch darf man das 1919 erschienene (an sich
wenig bedeutende) Lustspiel „Die Schwestern“ schon wegen
seines Datums wohl beiseite lassen und die Betrachtung auf die
Veröffentlichungen der drei letzten Jahre beschränken: die
„Komödie der Verführung“ und die Novelle „Fräulein Else“.
von 1924, die dramatische Dichtung „Der Weg zum Weiher“
und die „Traumnovelle“ von 1926 und die im Jahre 1925
erschienene Erzählung „Die Frau des Richters“. Als in sich
dies sei gleich
geschlossene, rund geratene Wortkunstwerke —
sind die Novellen vor den Dramen ausgezeichnet;
gesagt
an Gehalt, Tiefsinn und Fülle stehen sie diesen bedeutend nach.
Zehn Jahre nach Ausbruch des Weltkrieges war das
festlich=heitere Leben der vornehmen Wiener Gesellschaft so ver¬
schwunden und vergessen, in so unergreifbare Ferne gerückt,
daß der Dichter ohne Schen und Gefahr das kaiserliche Wien,
die letzten Friedenswochen von 1914 zum Schauplatz seines
Märchens von der unheimlichen, schönen Aurelie und dem
so gar nicht unheimlichen, schönen Max erküren durfte. Fehlt
doch nur der Apparat des Wunderbaren, das bißchen Zauber¬
und Geisterwesen, um das bunte Geschehen des Dramas zum
völligen Märchen zu machen.
Eine schöne junge Gräfin, elternlos und daber niemandem zur Rechenschaft
verpflichtet, hat mit ihren drei Freiern ein Stelldichein auf einem vornehm¬
prächtigen Frühlingsfest: es sind zwei Jünglinge, ein Prinz und ein Dichter,
und ein 40jähriger, etwas sonderlicher Mann, Ulrich von Falkenir. Gerade diesen
wählt Aurelie. Er aber, sich wie ihr nicht trauend und befürchtend, daß sie für Liebe
halte, was im Grunde nur Freundschaft und Vertrauen war, zögert, ihre Hand
zu ergreifen, stellt sie auf die Probe, indem er sie mit andern Männern tanzen
heißt, und durch ihre immer leidenschaftlicheren Tanzbewegungen über ihr
wahres Wesen vermeintlich belehrt, weist er sie von sich. „Wenn es zwei Menschen
auf Erden gibt, die ihr Schicksal nicht aneinander knüpfen dürfen, so sind es du
und ich ... du kanntest dich selbst noch nicht, du hattest noch nicht den Mut zu
dir .. . Wärst du, von allem äußeren und inneren Zwange befreit, deinem
tiefsten Drange gefolgt, schon von diesen ersten Tänzen, die dich mir entführten,
wärst du nicht mehr zurückgekehrt... Ich gebe dir die Freiheit wieder, zu werden,
was du bist.“ Aurelie, in ihrem Tiefsten vernichtet, in eine unbegehrte Freiheit
gestoßen, stürzt sich, wie eine andere ins Wasser, in tolle Abenteuer. Sie schenkt
einem schönen Jüngling, der gerade zur rechten Stunde ihren Weg kreuzt, Max
von Reisenberg, ihren jungfräulichen Leib, dann wird sie des genialen aber
schurtischen Malers Gysar Beute, der sie nicht nur hinnimmt, sondern den in
jedem Weibe schlummernden Höllendämon aus ihr erweckt, die ehdem so Reine
bis zur Teilnahme an schändlichen Orgien depraviert —, Erlebnisse, die ihre
zarte Seele nicht erträgt, so daß sie zuletzt gemütskrank an einen einsamen
Meeresstrand flüchtet, wo ein Zufall abermals alle ihre Freunde versammelt,
auch Falkenir, der nicht als Nächer noch als Netter kommt, sondern als Schuld¬
bewußter. Zwar spricht Aurelie ihn frei von Schuld, ja, sie dankt ihm, daß er
sie zur rechten Zeit erkannt hat als die, die sie ist und die sie war, eh sie es selber
wußte; er aber weiß jetzt, daß es allzu wohlfeil war, sich an solcher Erkenntnis