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1. Panp. offnrints
allem Erkennen beginnt, was einer menschlichen
: Verantwortung“ —, so spricht er?), der in der
und Nächten Besseres erworben hat als Weisheit,
em, was geschah, ist eine Wiedervereinigung des
II ein Falkenir, den ferne Zukunftsmöglichkeiten
auf das Glück verzichtete, vergangenen Wirklich¬
Märchen, die nicht mit Hochzeit enden, gehn mit
Aurelie finden sich zu gemeinsamem Sterben,
ber zugleich jede Gefahr künftiger Enttäuschung
Schnitzlers Schriften kann es nicht ent¬
ung noch einmal das Problem auf¬
„Zwischenspiel“ und der „Hirtenflöte“
diesen Werken war die Bekämpfung
Frauentreue, wie sie Anatol sich zum
abgelöst worden durch die Absage an
als Resultante blieb die Einsicht, daß
das Weib nicht freventlich Prüfungen
öglich bestehen kann. Ist der Kapell¬
s des Glaubens, „daß: Verlockungen
lcht in der Seele, von allen Lügen
rlichste wäre und daß man aus Aben¬
Hause käme als aus Wünschen“
ndrea Bassi („Schwestern“) gemeint,
schlimmer als Erfüllung,
rend in der Seele Gründen
ihr bis zur Quelle trübt —
als Gesinnungsgenosse, wenn er be¬
sind unheimlichere Gespenster als
ingen sind. Tausendfältig, unfaßbar,
im uns als Wünsche und Träume...
s das Furchtbarste, ist abgetan.“ Aber
und Erasmus („Hirtenflöte“), die sich
ie um ihre Frauen nicht kämpfen wollen,
benteuer hineintreiben, sie erscheinen
lose Narren, die eines edlen Weibes
dabei wird der Dichter in der Ver¬
: im „Zwischenspiel“ läßt er das Ehe¬
ehen; die „Hirtenflöte“ endet mit einem
Wißbegier des Gatten —, das Unheil,
hat, bringt ihn und die Geliebte zu
ird den frevlerischen Versuchern der
gemacht, daß ihre Untat dem Mangel
er Amadeus und Erasmus schlendern
Anklage, Falkenir erhebt sie mit nicht
des Heinrich Vermann in Schnitzlers Noman,
. 68f. angeführt ist.

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geringerer Entschiedenheit gegen sich selber. Er hat zu spät
begrifsen, daß es nicht der Sinn der Liebe ist, in Ruhe seines
Besitzes sich zu erfreuen, daß Liebe vielmehr heißt: Bangen,
Kämpfen, Werben und auch Bereitsein zum Verzicht; nicht
fordern, sondern Opfer bringen, ist das Wesen wahrer Liebe,
eine Erkenntnis, die bereits dem Herrn von Sala dämmert
(vgl. Körner S. 51). Aber dieser Männer absolute Liebes¬
unfähigkeit wird durch das Bewußtsein solchen Mangels nicht
behoben. Zur vollen Hingabe fehlt ihnen das Herz, zum Los¬
reißen die Kraft, so werden sie hin= und hergezerrt von wider¬
sprechenden Gefühlen, seelische Vettern von B. Constants
Adolphe —, toujours la victime de ce mélange d’égoisme et
de sensibilité
prévoyant le mal avant de le faire, et
reculant avec désespoir après l’avoir fait
Noch an andere ältere Dichtungen Schnitzlers wird man
durch Wesen und Schicksal von Falkenir und Aurelie erinnert.
Drei Männer um eine Frau werbend
unter ihnen gleich¬
falls ein Dichter und ein Fürst — stellte schon der „Schleier
der Beatrice“ vor, und mit Filippo Loschi begegnet sich Falkenir
in der maßlosen Forderung, die Geliebte so völlig und einzig
zu besitzen, „wie kein Mann eine Frau, keine Frau einen
Mann, wie niemals ein Mensch einen andern besitzen kann
und darf“. Auch Falkenirs und Aureliens tragisches Ende
ist vorgebildet in einer Dialogpartie des älteren Dramas.
Dort redet Beatrice, die aus des Herzogs Arm zu ihrem
geliebten Dichter zurückflüchtet:
Nach solchem Tag zusammen leben,
Das könnten andre, doch nicht du und ich!
Wie bald im Ekel sänken wir dahin,
Wohin wir jetzt erhob'nen Hauptes schreiten.
Wir wollen sterben.
Und Filippo stimmt bei:
Ränn' unser Leben weiter,
de wieder fort: und die Geraißheit nur,
Daß unser Ende nah ist, macht uns rein
Wie Kinder.
Auch Frau Beate weiß sich und den über alles geliebten
Sohn aus dem Schmutz, in den sie hinabgeglitten sind, nicht
anders zu erretten, als durch die entschlossene Flucht aus
diesem Leben.
Wer in Schnitzlers Gesamtwerk nach Gestalten und
Motiven sucht, die denen aus der „Komödie der Verführung“
verwandt sind, wird ohne Mühe reichliche Parallelen finden.
Der stolze Falkenir z. B. teilt manchen Charakterzug mit dem
bescheidenen Dr. Gräsler, der durch den Brief, darin die be¬
gehrte Sabine ihm das Jawort gibt, genau so in Verlegenheit