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ARTHUR SCHNITZLER.
VON
ALFRED KERR.
und erzählten noch allerhand Trübes und
Frendiges. Da klangen aus Florestans Stube weiche
Töne herüber, die Freunde wurden still und stiller,
da sie die Sonate erkannten. Und wie Florestan
aufgehört, sagte der Meister: und nun kein Wort
mehr!
Robert Schumann.
I.
Da ich den Namen dieses Dichters niederschreibe, sinkt es wie Erinne¬
rung still auf die Gegenwart herab. Mit leisem Zauberschlag erscheint eine
schmerzlich-süsse Welt, voll traurig-schalkhafter Grazie, voll ironischer Melan¬
cholie, voll leiser, lachender Innigkeit. Sie ist von zartem Leichtsinn durchweht,
von schwermütigem Zweifel umwittert, von holdem Betrug umspielt. Voll
süssesten Elends und stummen Schluchzens; voll sterbender Liebesworte, voll
verschollener Thränen und toter Seligkeit. Schumann mag die allgemeine
Stimmung angeben; aber bei besondrem Hinhören umklingt sie in der Ferne,
von Geigen gespielt eine wiegende Walzermelodie, traurig-lustig; oder auch
das schmeichelnde wiener Lied vom guten Himmelsvater (zuweilen, wie wenn
ein Snob Variationen darüber spielte) — es stockt und bricht ab.
Dämmernde kleine Stuben mit Blumen vor dem Fenster; schlichte
Schattenrisse tauchen auf, liebe blasse Mädchengestalten, zarte, gesenkte
Köpfe, lautlos öffnet ein blasser, eleganter Herr die Thür und blickt hinein
mit melancholisch-witzigem, etwas müdem, aber innigem Ausdruck.
Alles flutet durcheinander: Innigkeit und Eleganz, Weichheit und Ironie,
Weltstädtisches und Abseitiges, Lyrik und Feuilletonismus, Lebensraffinement
und volksmässige Schlichtheit, Oesterreichertum und Halbfranzösisches, Schmerz
und Spiel, Lächeln und Sterben.
Ein junger Meister, ein glücklicher Götterfreund, ordnet mit weicher,
leiser, spielend vollbringender Hand die Bestandteile.
Das ist die unvergleichliche Welt Arthur Schnitzlers.
Seltsam, wie eng wir in unsrem Kunstfühlen zusammenhängen mit
eignen Erlebnissen. Im Jahre 1894 hatte ich Berlin verlassen, um für drei
Monate dieser Stadt fern zu bleiben und allerhand Zerwühlendes los zu werden.