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1. PanphletOffnrints
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den Gracr Des Wine T. Grtetszg:
W.
Ein Pionier esterreichischer Litteratur.
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Man sagt: Der erste Eindruck ist bleibend ! - Aber nicht imner.
Im grossen Durchschnitt mag es Menschen gelingen, die im effentlichen
Leben stehen oder viel gereist sind, Mitmenschen rasch und richtig
abzuschätzen. Doch nur im Durchschnitt. Man stesst zeitweilig an
Persenlichkeiten, wo sich alles in Einem dagegen wehrt sie einzuschätzen,
oder sie nach dem ersten Eindruck in Schichten zu ordnen. Solch eine
Persnlichkeit ist Magister der Philosophie Niels Th.THChSEN, Er ist
ein Mann, der sein Leben zu leben verstanden hat. Ein sangufnäsch
über legen Lächelnder und ein Mephistophilig in der Maske des guten
Bürgers. Diese Worte scheinen Begriffen zu sein, die aber in ihrem
widersprechenden ausdruck doch ein vollkommenes Bild des Mannes geben.
Als ich den Magister zum ersten Mal sprach, im Dagmar Café am
Rathausplatz von Kopenhagen, unterhielten wir uns über Vien, Salzburg,
Gastein, nicht zu vergessen den Semmering, und all den reizenden Platzen
und Städten österreichs, die er bereist hatte und von denen er mit
ungeheuchelter Liebe sprach. Es ist mir als Österreicher im Auslande
nicht siten begegnet, dass man von meiner Heimat in Vorten der Be¬
geisterung spricht, doch selten begegnete ich einen Fremden, der von
der Mentalität eines Österreichers soviel Kenntnis hat, wie Thomsen.
Niels Th.THlolsns ist kein Globetrotter, der brav in der Trense von
Cooks Reisebureau läuft und sich mit Bädicker-Futter zufrieden zibt.
Thamsen wandert, nenn er reist. Beine Liebe zu österreich wurde durch
Schnitzler geweckt. als er von seinen Reisen durch Österreich heimkehrte,
wusste er, was Vien - und vas ein österreicher ist. Seine lebhaften
Schilderungen kleiner selbst erlebter Idyllen erinnern an die Lokal¬
Erzählungen Eduard Prizels. Selten wir ein ausländer Sigenartiges und
Fremdes eines Volkes verstehen, seltener aber richtig verstehen. Frei¬
lich, kennt man Thomsens Leben, ist man nicht mehr überrascht über sein
Verstehen. Seine Lebensphilosophie und seine Menschenkenntnis sind
die Brillen, durch die er Fremdes betrachtet.-
Als Student der Medicin begann er den beg des Lebens, den ein
Mann auf dem Planeten Erde machen muss. Varum Medicin? mit etwas muss
doch der Anfang gemacht werden, also warum nicht Medicin?. Lange
hielt es ihn nicht im Karbolgeruch der Laboratorien. Er wurde Journalist.
Zuerst bed einem ochenblatt, wo er die Aufgabe hatte, jede Yoche
eine Gresse des In- oder Auslandes zu intervieven. Specialgebiet
Theater und Litteratur. Es gibt in Dänemark schverlich eine Persgnlich¬
keit, die nicht mindestens einmal im Kreuzfeuer von Thomsens Feder
stand. Aber nicht alleine Dänemark, auch Frankreich und England be¬
sucht er häufig, um neues Vild für seine nimmersatte Feder zu finden.
Bald gurde Thomsen stadtbekannt und es gibt viele Kopenhagener, die sich
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