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1. Panphlets offnrints
box 36/7
Heft 9 u. 10
„Die Quelle“
Seite 13
Heft 9 u. 10
ein Abend
um Verzeihung bitten — ich weiß es . .. Nun,
Der Spiegel des Hauses Uller.
Fritzi war
scheint mir, habe ich nichts mehr zu sagen. Es
Ein Zeitgemälde von Rudolf Dattler, Wien.
par allein —
schlägt eins. Gute Nacht, meine Lieben. Nun
eift nicht, daß
Zum zweitenmale im Verlaufe eines Viertel¬
geh' i, noch einmal ins Nebenzimmer und küsse
heures Grauen
jahrhunderts war das Städtchen aus der gleichen
mein Kind und meine Frau zum letzten Mal —
n glühenden
dann geh’ ich fort. — Lebt wohl.
Ursache in große Aufregung versetzt worden. In
ärten emp¬
beiden Fällen handelte es sich um das spurlose
Verschwinden von stadtbekannten Persönlichkeiten.
ang wartete
Anfang vom Ende.
ie wieder¬
Vor fünfundzwanzig Jahren hatte Willy von
Don Arthur Schnitzler, Wien.
Tore ge¬
Uller, der Besitzer eines an der Gemarkung der
Daß all' das Schöne nun längst zu Ende,
s. Dies
Stadt gelegenen feudalen Landhauses, eine Reise
Wie könntest du's verstehn?
e,
als ich
angetreten, von der er nie zurückgekehrt war. Jetzt
Ich hab' ja die lieben, süßen Hände
emerkt
war Daisy Gräfin von Schart spurlos verschwunden!
Geküßt beim Kommen und Gehn;
Ein innerer Zusammenhang zwischen diesen beiden
acken
Ereignissen war nicht herzustellen, da sie ja ein
ganz
Und hab' in deinem dämmrigen Zimmer
Vierteljahrhundert auseinanderlagen, wohl aber
wußte
Mit dir gekost und gelacht
hatten vor dieser Zeit die Klatschbasen der Stadt
ter
Und hab' auch geplaudert mit dir wie immer
über gewiße Beziehungen zwischen der Gräfin und
Bis spät, bis spät in die Nacht.
erzen
Herrn von Uller gemunkelt ..
t, daß
Im Heimgehn wieder, durch stille Gassen,
Über das Verschwinden des Herrn von Uller
n den
war man längst zur Tagesordnung übergegangen.
Schlich's über mich so bang,
Selbst in dem kleinsten Neste treten immer wieder
Wie ich mein armes Mädel verlassen,
alles
Ereignisse oder Ereignischen ein, die vorange¬
So lange schon! ach wie lang!
gangene Geschehnisse — und hätten sie die gute
Doch, daß ich so einsam von dir gegangen,
ter
Stadt noch so sehr aufgeregt — vergessen machen.
Wie käm's dir denn zu Sinn,
Wer aber nicht so leicht über das Verschwinden
Und daß ich von deinem Arm umfangen,
des Herrn von Uller hinwegkam, das waren — die
n
So endlos fern dir bin!
Möbel in seinem Landhause. Erst taten sie sehr
aufgeregt, dann tieftraurig, schließlich langweilten
Ich will ja morgen wieder kommen
sie sich, weil kein Mensch da war, der sich ihrer
Mit lächelndem Gesicht:
hätte bedienen dürfen. Das Haus war nämlich nach
Und daß ich längst Abschied von dir genommen,
Feststellung des darin Vorhandenen vom Gerichte
Mein Mädel,
Du weißt's ja nicht ...
gesperrt worden und konnte erst wieder geöffnet
werden, nachdem die verschiedenen Prozesse erledigt
Tiebeslied.
waren, die zur Freude der Herren Advokaten jene
Von Robert Reinhard, Wien.
gegeneinander führten, die auf das Vermögen des
Herrn von Uller Anspruch zu haben vermeinten.
Du bist so lieb und bist so gut,
Weil nun durch soviele Jahre niemand diese
Wie wallt mein ungestümes Blut
Kostbarkeiten benützte, erwachten die Möbelstücke
In deiner holden Nähe.
aus ihrer todesähnlichen Ruhe und gähnten sich
Wie lockt dein kirschenfrischer Mlund,
schließlich zu Wesen wach, die ganz nette Ge¬
Nach einem Nuß aus Herzensgrund
spräche führten. Sie hatten ihrem letzten Besitzer
Dor Sehnsucht ich vergehe. —
gar manches abgeguckt, das sie ihm nun mit
größerem oder geringerem Geschick nachäfften. Vor
Denn deiner Augen mildes Ticht
allem war jedes der Dinge unsagbar stolz auf
Zu mir vertraute Worte spricht,
seine hohe Wichtigkeit. Bis zum Größenwahn ge¬
Und dringt in meine Seele.
steigertes Selbstgefühl war diesen Herrschaften
0) daß der liebestrunkene Blick
eigen, die doch sonst nur stumme Diener sind.
Eines Tages ließ sich der Schreibtisch, ein
Mir brächte neues, reines Glück
Prachtstück aus Mahagoni, im Stil der Zeit des
Und mich zum Kampfe stähle.
Sonnenkönigs Ludwig, also vernehmen:
Sagt ja der zarte Druck der Hand,
„Am liebsten hatte unser gute Herr wohl mit
Daß ich den Weg zum Herzen fand,
mir zu tun! Was war ich ihm nicht alles, was
Was einzig ich erflehe.
hat er mir nicht alles anvertraut! Vor mir hatte
er absolut kein Geheimnis; was je sein Inner¬
Denn du bist lieb und du bist gut,
stes bewegte, hat sicher einmal auch mein Inneres
Wie wallt mein ungestümes Blut
beschäftigt. Ich verstand es, jedes seiner Geheim¬
In deiner holden Nähe.
nisse zu bewahren . .. Kurz bevor unser Herr