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1. PaschletsOfforints
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Stauf von der March.
Décadence.
Randglossen von Ottokar Stauf von der March.
(Mien.)
Salls nach hundert und mehr Jahren ein Mensch, ob „gebildet“ oder
EAs „ungebildet“ ist ganz egal — vorausgesetzt, daß es überhaupt noch
Einen giebt, der sich um Gedrucktes schert, ein Buch unseres Zeitalters
in die Hand nehmen und lesen wird, so dürfte dieser aus dem berühm¬
ten „Schütteln des Kopfes, wie es der alte Kortum in seiner Jobsiade
schildert, nicht so bald herauskommen.
Trotz der weltfernen Kulturperiode ist uns ein Homer, ein Pindar,
ein Aschylos, ja selbst ein Valmiki und Vjasa (Mahabharata und Rama¬
yana) — von Dante, Tasso, Calderon und Shakespeare gänzlich abgesehen —
auch in den subtilsten Stimmungen seiner Seele klar und verständlich; unsere
zeitgenössischen Dichter*) aber werden es dem Enkel nach der verhältnis¬
mäßig lächerlichen Zeitspanne eines Säkulums nicht, oder im günstigsten
Falle doch weit, weit minder, als die genannten mehr oder weniger sagen¬
umwobenen Dichterheroen sein.
Das Herumtaumeln zwischen der modernen Skylla und Charybdis:
Genuß und Ekel, das fieberische Tappen und Tasten, die elementaren Aus¬
brüche rasendster Leidenschaftlichkeit und gleich darauf, fast im selben Atem¬
zuge, die Auslassungen schlaffster Apathie, die halsbrecherische Equilibristik
auf dem zum Zerreißen angestrafften Nervenseil, und — Ende gut, alles
gut — das dumpfe, schwere Kolorit, die neurasthenische Atmosphäre —
alles in allem: die Décadence (es ist ungemein charakteristisch für den
Deutschen, daß er hier eine Anleihe beim französischen Wortschatze machen
muß), wie sie leibt und lebt, oder besser gesagt: vegetiert, wird dem Littera¬
turfreunde der Zukunft ein siebenfach gesiegeltes Buch, oder um mich hand¬
greiflicher auszudrücken: ein böhmisches Dorf sein.
Diese leider nicht Goethesche „Wirkung in die Ferne läßt sich einerseits
mit Zuhilfenahme der zeitpsychologischen Momente erklären, andrerseits aber
aus dem Bestreben der betreffenden Autoren: recht große Sensation zu
machen, induktiv herleiten.
Übergangsepochen zeichnen sich immer durch Zerfahrenheit, innere wie
*) Darunter sind (vgl. übrigens den Titel des Aufsatzes) selbstverständlich die
Dekadenten, oder wie die Gruppe sonst noch getauft wird: Sensitivisten, Fin-de-siecle-isten,
Aufbrütesamen, modernen Stimmungsmenschen, tutti quanti gemeint!
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