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2. Cuttings
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Marcell Salzer aus Wien einen Vortrag über des Ausdrucks ebenso beherrscht, wie Formen
„Ernstes und Heiteres aus zeitgenössischer
und Tonfall des Dialects, zumal des öster¬
Litteratur“. Herr Salzer besitzt ein sehr
reichischen. Für seine Soirée, die Donnerstag
kräftiges und modulationsfähiges Organ, eine
im Concerthaus Fünfhausen bei sehr gutem
ausserordentlich klare Aussprache und eine
Besuche stattfand, hatte er ein durchaus ge¬
ungewöhnliche Zungengewandtheit, er be¬
schmackvolles Programm gewählt, das natur¬
herrscht ausser der hochdeutschen Sprache
gemäss hauptsächlich solche Dichtungen ent¬
noch den oberbayerischen und namentlich
hielt, die dem Verständniss des Publikums
den Wiener Dialect ganz vorzüglich, vermag
nicht allzu fern lagen. Besonders dankens¬
in seinem lebendigen und ausdrucksvollen
werth war es, dass dies Programm auch Ge¬
Vortrag die einzelnen Personen durch Wechsel
dichte von Detlev v. Lilieneron enthielt, des
der Stimmfärbung und des Tempos sehr
holsteinischen Dichters, der leider immer noch
scharf zu charakterisiren und zur Kenn¬
viel zu wenig gekannt und gelesen wird.
zeichnung der Situation eine förmliche Ton¬
Wir besitzen in ihm einen Lyriker, der zu
malerei auszuführen; er besitzt prächtigen
den grössten der Gegenwart gehört — neben
Humor, weiss aber zugleich dem Ernst und
ihm kann man von deutschen modernen
dem Schmerz ergreifende Töne zu verleihen.
Lyrikern vielleicht noch Richard Dehmel,
Jeder seiner Vorträge nahm das Interesse der
Gustav Falke undi George nennen. Aber auch
Zuhörerschaft in hohem Grade in Anspruch,
diese Dichter erreichen ihn nicht an Origi¬
jeder war von allgemeinem und lebhaftem
nalität des Ausdrucks und an Frische und
Beifall gefolgt. — Herr Salzer trug — voll¬
Plastik der poetischen Anschauung. Die vier
ständig frei aus dem Gedächtniss — vor:
Gedichte, die Herr Salzer vortrug, „Cincin¬
„Das Orakel“ von Wildenbruch; „Das Ge¬
natus“ „Das Gewitter“. „Bruder Liederlich“
witter“ „Bruder Liederlich“ und „Die Musik
und „Die Musik kommt“, sind jedenfalls ge¬
kommt“ von Detlev v. Liliencron; „Die
eignet, einen Begriff von dem Charakter seiner
schöne Frau“ von Hermann Bahr; „Die Ge¬
Dichtung zu geben, zumal bei einer so ver¬
schichte vom trutzigen Bauer“, den „Regen¬
ständnissvollen Recitation. Besonders liebens¬
schirm“, „Wie Gott Vater dem Adam im
würdig und stimmungsvoll war der Vortrag
Paradiese das Vaterunser lehrt“, „Wie der
von „Ein Gewitter“.
Richter einen falschen Zeugen erwischt“ und
Sehr interessant waren auch die übrigen
„Die Entdeckung von Amerika“ von Rosegger
Vortragsstücke; meisterhaft wurden besonders
und „Das Pferd“ von Morgenstern. — Der
die in österreichischem Dialekt verfassten
erheiterndste Vortrag war „Die schöne Frau“,
frischen Erzählungen Roseggers und die
wo ein junger Mann, um seiner Frau die ge¬
humoristische Skizze „Die schöne Frau“ des
wohnte Bewunderung zu schaffen und in
formal sehr begabten Wiener Schriftstellers
Schliersee seine Ferien ruhig zubringen zu
Hermann Bahr vorgetragen. Auch. Das
können, den dortigen Kirchendiener engagirt,
Pferd“, eine interessante Studie von Christian
um für Zehr-, Trinkgeld, Honorar und einen
Morgenstern, der ausser hübschen Gedichten
neuen schwarzen Salonrock die verwöhnte
hauptsächlich durch seine liebenswürdig an¬
und nervöse Schönheit durch einige Wochen
muthende Modernisirung Horazischer Oden
„anzuschmachten“; das ergreifendste „Das
bekannt geworden ist, wurde mit grosser
Pferd“ wo ein heruntergekommener und an¬
technischer Feinheit und Bravour vorgetragen
gezechter Wiener Privatier, früher Husar, zu¬
und errang stürmischen Applaus, ebenso wie
erst mit Wirth und Sicherheitsbeamten Krakehl
die bekannte Erzählung „Das Orakel von
bekommt, dann vor einem Droschkengaul
Wildenbruch, der als Lyriker und Novellist
niederfällt, diesem erzählt, wie ihn einst ein
ungleich bedeutender ist, als als Dramatiker.
Vollblutpferd durch seine Schnelligkeit vor
Das Publikum stand von Anfang an unter dem
dem Tode durch Wölfe gerettet und dabei
Banne des Recitators und brachte allen seinen
eine grosse Narbe an der Hüfte davongetragen
Darbietungen ein sichtliches starkes Interesse
hat. Als der Betrunkene dem Droschkengaul
entgegen, das selbst die im Saale herrschende
zeigen will, wo diese Narbe gewesen sei, er¬
unangenehme Kälte nicht zu beeinträchtigen
kennt er in jenem seinen ehemaligen Retter
vermochte.
wieder; in der Selbsterkenntniss, dass er und
Lübecker Nachrichten (Eisenbahn-Zei¬
das Pferd in gleicher Weise von der Höhe
tung 3. 2. 1000). Dem ziemlich zahlreichen
nach der Tiefe gelangt sind, lässt er sich
Publikum, welches gestern den vom Verein
ohne Widerstreben von dem Sicherheitswach¬
Lübecker Journalisten und Schriftsteller ver¬
mann zur Wache führen, wehmüthig dem
anstalteten volksthümlichen litterarischen
Pferde noch zurufend: „Servus Pascher!!“
Abend im Concerthaus Fünfhausen besuchte,
Lübecker General-Anzeiger (3.2. 1500).
ist nicht zu viel versprochen worden. Es
Duch die Heranziehung des rühmlich be¬
war in der That ein aussergewöhnlich feiner
kannten Recitators Marcell Salzer aus Wien
geistiger Genuss, den Marcell Salzer’s Reci¬
zu einem Vortragsabend, der ausschliesslich
tation moderner Dichtungen wohl Allen ohne
der Recitation zeitgenössischer Dichtungen
Ausnahme bereitet hat. Marcell Salzer, der
gewidmet war, hat sich der Verein Lübecker
Ernstes und Heiteres mit gleicher Virtuosität,
Journalisten und Schriftsteller ein
namentlich im Punkte der Einzel-Charakteri¬
entschiedenes Verdienst erworben. Das Lü¬
sirung, recitirt, ist wirklich ein Meister der
becker Publikum, das sich keineswegs durch
Vortragskunst und erntete denn auch all¬
litterarische Bildung und Interesse auszeichnet,
seitig den ausgiebigsten Beifall. Hoffentlich
steht, wie es scheint, gerade der modernen
kommt er bald wieder einmal nach Lübeck;
litterarischen Produktion, die doch in vieler
es wird dann die Gemeinde seiner Zuhörer
Beziehung höchst interessant ist, ziemlich ver¬
sicherlich noch grösser sein.
ständnisslos gegenüber; und eine jede An¬
Mannheim, Neue Badische Landes¬
regung ist hier mit Freuden zu begrüssen.
Zeitung (25. 2. 98). Aus dem Feuilleton
Es wäre zu wünschen, dass der Journalisten¬
Sudermann's „Johannes“. Der hiesige Journa¬
Verein es nicht bei solchen einzelnen Ver¬
listen- und Schriftsteller-Verein hat sich das
anstaltungen bewenden liesse, sondern eine
Verdienst erworben, einem grossen Kreise
„Freie litterarische Gesellschaft“ gründete,
von Zuhörern durch einen der bedeutendsten
wie sie in vielen anderen Städten schon be¬
Recitatoren, Herrn Marcell Salzer aus Wien.
stcht; der Erfoig würde sicherlich nicht aus¬
die Tragödie „Johannes" von Hermann
bleiben. Um Dichtungen durch Recitation
Sudermann vortragen zu lassen. Herr Marcell
dem Verständniss des Publikums näher zu
Salzer ist ein Meister der Vortragskunst, voll
bringen, ist ein solcher Vortragskünstler, wie
Temperament und Feuer, der die Zuhörer in
Marcell Salzer. so recht der geeignete Mann.
den Geist der Dichtung einzuführen und an
Er hat sich seinen Ruf nicht nur durch seine
sich zu fesseln weiss. Seine Stimme ist
declamatorische Fähigkeit verdient, sondern
sehr modulationsfähig; von den süssen Tönen
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Hoffentlich haben wir noch recht oft das
Vergnügen, Herrn Salzer in Mannheim zu
begegnen.
Mannheimer Journal (25. 2. 98). Herr
Salzer zählt nach seinem gestrigen Meister¬
werk zweifellos zu den besten Recitatoren,
die wir gegenwärtig haben, und wir können
nur dem Wunsche Ausdruck geben, dass es
uns vergönnt sein möge, diesen geistig ganz
hervorragenden Mann bald wieder in Mann¬
heim zu hören.
Mohrunger Kreis-Zeitung (13. 2. 1900).
Der gestrige Vortragsabend des Herrn Marcell
Salzer aus Wien im hiesigen Litterarisch¬
polytechnischen Verein bot einen Kunstgenuss
ersten Ranges. Obwohl Herrn Salzer der
beste Ruf vorausging, konnte man füglich
sagen, dass unsere Erwartungen doch noch
übertroffen wurden. Das gemüthvolle Ge¬
präge, eine ausgezeichnete, kraftvoll und im
schönsten Verhältniss zum Ausdruck ge¬
brachte Modulation der ausgiebigen Stimm¬
mittel gewannen sogleich die allgemeinste
Sympathie der zahlreichen Zuhörer. Herr
Salzer ist hauptsächlich Vertreter der Mo¬
derne und beweist bei der Auswahl seiner
Vortragsstücke ein tiefes Verständniss für
die Schönheiten der neueren deutschen Litte¬
ratur. Herrn Salzers Domäne scheinen unter
Anderem die zarten innigen, zum Theil mar¬
kigen Dichtungen Freiherrn von Liliencron's
zu sein, die er mit unerreichbarer, Geist und
Seele athmender Ausgestaltung wiedergiebt.
Hervorragend war gestern die Wiedergabe
von Ernst v. Wildenbruch's „Orakel“ Wie
ergreifend vermochte Herr Salzer den Seelen¬
kampf des Knaben zu charakterisiren. So
vermag es nur ein Vortragsmeister, der neben
Bethätigung seiner Kunst den Widerstreit der
kindlichen Seele bis in die innersten Tiefen
nachzuempfinden weiss. Weitere Kunst¬
leistungen waren die reizende Humoreske
„Die schöne Frau“ von Bahr, „Das Gewitter“,
„Die Musik kommt“ von Liliencron und „Das
Pferd“ ein tief ergreifendes Wiener Lebens¬
und Sittenbild von Morgenstern. Köstlich
war bei letzterem die Charakteristik eines
echten Wiener Bummlers, der einst bessere
Tage gesehen und nun den Gram im Fusel
ersäuft. Seine nächtliche Wanderung durch
die Gassen Wiens ist mit jenem ernsten Humor
geschildert, hinter dem die Thräne blinkt.
Ilerr Salzer schuf uns durch seine Kunst
Bilder von plastischer Naturtreue und so
war es nicht zu verwundern, dass alles ge¬
spannt an seinem Munde hing, um bei Schluss
der einzelnen Nummern erst nach einiger
Zeit der Insichaufnahme des eben Gehörten
durch lebhafte Beifallsbezeugungen den Dank
zu äussern. Wir können Herrn Salzer wohl
ein „Auf Wiedersehen“ im nächsten Jahre
zurufen. Dieses erste Mal, da derselbe seine
Kunst in unseren vorgeschobenen deutschen
Osten getragen hat, soll wohl nicht das letzte
Mal sein.
München, Allgemeine Zeitung (30. 10.97).
Herr Marcell Salzer versteht zu Charakterisiren
und weiss sich der Eigenart seiner Autoren
anzupassen. Das Publikum zeigte sich für
das Gebotene sehr dankbar.
Münehner Neueste Nachrichten (23.12.99)
Herr Salzer ist ein Künstler in des Wortes
voller Bedeutung. Feinsinniges Verständniss
für den Dichter, ein vorzügliches Charak¬
terisirungsvermögen in Stimme und Geberde,
eine glänzende Vortragsweise, unterstützt von
einem wohlklingenden, kräftigen Organ — das
sind die Mittel, mit denen ## ##tur diesen
Kunstier begluckt hat und die ihm seine
grossen Erfolge sichern. In der rührenden
Wildenbruch'schen Novelle „Orakel“ gab der
Vortragende herrliche Proben tiefempfundener
Seelenstimmungen; er verstand es, den
Figuren dieser Erzühlung wahrhaftiges Leben
einzuhauchen, er malte Bilder von ergreifender
sondern durch
Hörer hinreis
bildete der V
„Das Pferd“
wunderbaren
an Fritz Reu
Nürnber
99). Der
Bayerischen
gestern im
einen sehr
geboten, wol
Wien als Re
Salzer trat ge
und führte sia
Geltung zu
einen aussa
verschafft.
Verig