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ist ohne Nachtoige geblieben. Nur seinem
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Feinde und glücklicheren Nebenbuhler Richard
von Wildenbruch: „Das Orakei, Theodor
Wagner ist es auf musikalischem Gebiete ge¬
Fontane: zwei Balladen; Hermann Bahr:
lungen, dem Volke die alten Heldengestalten
„Die schöne Frau“, eine Wiener Hlumoreske;
wieder lieb und werth zu machen. Was
Detlev von Lilieneron: „Der Narr“; Peter
wir sonst an epischer Dichtkunst haben, die
Altenberg: „Ein schweres Herz“, und Her¬
Werke von Scheffel, Julius Wolff u. A., sind
mann Sudermann: „Des Hausfreunds Syl¬
keine Epen im technischen Sinne, sondern
vesterbeichte. Den zum Theil frei aus dem
historische Romane in Versen. Die specifisch
Gedächtniss und meisterhaft vorgetragenen
moderne Kunst hat einen eigentlichen gross¬
Recitationen folgten die Zuhörer mit ge¬
artigen epischen Versuch nicht mehr hervor¬
spanntester Aufmerksamkeit. Beiden Vor¬
gebracht. Nur ein Ansatz muss genannt
tragenden dankte das Publikum durch leb¬
haften Beifall.
werden: Heinrich Hart, der Westfale, der mit
seinem Bruder Julius zusammen 1882 einer
III. Das moderne Drama.
der Ersten war, die den Kampfruf der neuen
Richtung erlönen liessen, hat sich an dem
Barmer Zeitung (12.11.90). Der dritte
Wiederautbau nach dem Bildersturm be¬
und letzte der von Herrn Dr. W. Bloem und
theiligt, er hat ein grosses Epos projectirt:
Herrn Marcell Salzer veranstalteten Vortrags¬
„Das Lied der Menschheit“, das auf 24 Bände
abende behandelte die moderne Dramatik.
berechnet war und von dem auch einige
Ein zahlreiches Herren- und Damenpublikum
Bände erschienen sind. Er hatte vor, die
hatte sich eingefunden und lauschte zunächst
ganze Entwickelung der Menschheit in Bildern
mit gespanntester Aufmerksamkeit den Aus¬
auszuführen. Das Gedicht ist nicht fertig
führungen des Herrn Dr. Bloem, der in
und wird wohl auch nicht fertig werden.
grossen Zügen, die aber in geistvoller Weise
Ein anderer Zweig epischer Versdichtung, die
fesselnder Einzelheiten nicht entbehrten, die
Ballade, wird von unseren Modernen nicht
Entwicklung des modernen Dramas und vor
gepflegt. Erwähnt muss noch werden, dass
Allem das Aufkommen des realistisch-natura¬
Theodor Fontane der einzige von den Alten
listischen Tendenzdramas schilderte. E. v. Wil¬
gewesen ist, der mit vollem Herzen und
denbruch gehört noch der älteren, an Schiller
jugendfrischer Kraft in das Lager der Mo¬
und Kleist anknüpfenden Richtung an; der
Mann, der revolutionirend wirkte, war der
dernen übergesiedelt ist und alle die An¬
regungen, die die neue Dichtung dem Schaffen
neue Magus des Nordens, Henrik lbsen, auf
seiner Greisenjahre gegeben, zu von durch¬
dessen negativ-kritische Weltbetrachtung
Redner an der Hand einzelner Dramen näher
aus modernem Geist getragenen Schöpfungen
verwerthet hat. Im Uebrigen wurde die
einging. Von lbsen stammten jene Forde¬
epische Versdichtung vollständig zurück¬
rungen, die bald darauf auch im deutschen
Drama ihren Widerhall fanden: das Recht
gedrängt durch die epische Prosadichtung:
der individuellen Sittlichkeit und die Forde¬
durch Roman, Novelle und Skizze. Der
Roman giebt in grossartig angelegter Schil¬
rung des Auslebens der eigenen Persönlich¬
keit. Was bei dem nordischen Meister noch
derung zugleich ein Weltbild, ein nach allen
kritisch gebunden war und sich in seinen
Richtungen hin vielseitiges Bild eines ganzen
letzten Werken bis zur Anerkennung des
Gesellschaftszustandes eine bestimmten Zeit
einen Ideals der Entsagung auswachsen
und löst auf dem Hintergrunde dieser Zu¬
standsschilderung zugleich eine Gewissens¬
konnte, zerflatterte in deutschen Köpfen zu
leeren Phantastereien und verschmolz sich
frage der Menschheit, die Frage: Wie hat
der sittliche Mensch in dem und dem Con¬
gleichzeitig mit geradezu widersprechenden
Ideengängen. So wirbelte der sittliche Indi¬
flict der Pflichten sich zu verhalten? Das ist
vidualismus bald mit dem materialistischen
das Ideal des Romans. Dem gegenüber stellt
sich die Novelle als Schilderung einer ein¬
Socialismus in tollem Tanz durcheinander,
und den Niederschlag dieser Widersprüche
zigen interessanten Begebenheit, eines ein¬
zeinen interessanten menschlichen Schicksals.
finden wir bei Niemand stärker als bei
Gerhatt Hauptmann, dem Führer des deutschen
Tritt das Handlungselement in einer solchen
Naturelismus im Drama. Der Charakteristik
Schilderung zurück gegenüber der Schilderung
dieser in unserer Litteratur zweifellos einzig
eines einzelnen Seelenzustandes oder zurück
gegenüber der Schilderung eines einzigen Ge¬
dastehenden Persönlichkeit schickte der
seilschaftszustandes, dann haben wir nicht
Redner eine feinsinnige Darstellung der
mehr die Novelle, sondern die Skizze. Diese
Theorie des naturalistischen Dramas voraus,
Skizze wird besonders gepflegt von den Im¬
wobei er Stoffwahl und Technik nach allen
ihren Seiten behandelte. Darauf hier näher
pressionisten, von den Augenblicksmalern
unter den Dichtern, denen es darum zu thun
einzugehen, müssen wir uns leider versagen.
ist, die Dinge so zu schildern, wie sie sie
Mit feinsinniger Kritik beleuchtete Dr. Bloem
die inneren Widersprüche der naturalistischen
sehen. Die höchste Blüthe epischer Prosa¬
dichtung, der Roman, eignet sich zu einem
Theorie und die Consequenzen derselben,
wobei die Schatten Shakespeare's und Schiller’s
recitatorischen Vortrage wegen der be¬
schränkten Zeit nicht. Da nur abgeschlossene
als Zeugen in wirkungsvoller Recitation
Dichtungen vorgeführt werden sollten, so
heraufbeschworen wurden, um schliesslich
müssten sich die Recitationen im Wesent¬
zu dem Ergebniss zu kommen: der Natura¬
lismus ist unfähig, uns das grosse, heroische
lichen auf das Gebiet der Novelle be¬
Drama zu schaffen Er scheitert dabei, wie
schränken. Redner giebt im Folgenden eine
das Beispiel Gerhart Hauptmann's beweist,
Uebersicht über die Entwickelung des mno¬
an seiner Theorie und vor Allem an seiner
dernen Romans, wobei er zurückgreift auf
das Werk über den „Roman des 19. Jahr¬
Weitanschauung, die der echten Tragik ent¬
behrt und daher keine echt tragische Persön¬
hunderts“ von Hellmuth Mielke. Redner
lichkeit schaffen kann. Lebhafter Beifall
ging von der Sonderstellung aus, die Berlin
wurde dem Redner für seinen überaus ge¬
als Reichshauptstadt in dem deutschen Cultur¬
dankenreichen Vortrag zutheil. Darauf nahm
leben einzunehmen gewusst hat und die in
der neueren litterarischen Entwickelung sich
Herr Marcell Salzer das Wort zunächst zur
Recitation des Vorspiels von Sudermann's
immer mehr in dem Grade geitend macht,
„Johannes“. Mit seiner klangvollen, schönen
dass ein litterarischer Erfolg in der Provinz
Barytonstimme hob der Recitator die eir zelnen
von einem litterarischen Erfolg in Berlin ab¬
Figuren in wirkungsvollster Weise von
hängig ist. Auf dem heissen, vulcanisch
einander ab, wobei ihm die Charaliteristik
unterminirten Boden Berlins sind die zwei
des religiös Schwärmerischen im „Jonannes“
wesentlichen Schattirungen des modernen
neben den von Seufzern und Jamimer er¬
Prosa-Romans erwachsen: desfeuilletonistisch¬
füllten Elenden Israels besonders gut gelang.
realistischen Romans und des eigentlich con¬
Eine kleine reizende Plauderei, in gleichem
sequenten naturalistischen Tendenz- und
Ton vorgetragen, war der Dialog „Weih¬
Kampfromans. So grosse Ziele, wie der
nachtseinkäufe“ aus Schnitzler’s „Anatol“,
grosse Meister auf dem naturalistischen Ge¬
dessen feine Stimmungsmomente Herr Salzer
biete in Frankreich, Zola, haben sich unsere
mit den discretesten und doch zugleich
deutschen Naturalisten nicht gestellt. Redner
prägnantesten Mitteln zu treffen wusste. Nach
charakterisirt in Folgendem die bedeutendsten
diesem Aquarell des Wiener Leichtsinns aber
Romanschriftsteller, den einstigen Fabrik¬
kam ein düsteres Gemälde in den kräftigsten
arbeiter Max Kretzer, Hermann Sudermann,
und brennendsten Farben: der zweite Act
den erfolgreichsten Romanschriftsteller der
aus Hauptmann’s „Webern“. Er dürfte in
Gegenwart, ferner Ernst von Wildenbruch,
der wuchtigen Vortragsweise des Recitators
Peter Altenberg, Hermann Bahr und die dich¬
den Zuhörern stark auf die Nerven gefallen
tenden Frauen Helene Böhlau und Gabriele
sein, denn es wurde ihnen nichts geschenkt
Reuter. Herr Recitator Marcell Salzer
von den grellen Verzweiflungstönen, die durch
illustrirte im zweiten Theil des Vortrags¬
diese kleine dramatische Hölle schallen.
abends die von Herrn Dr. Bloem entwickelten
Gedanken durch den lebendigen, kunstvollen
Diese Recitation war ein Meisterstück ersten
Vortrag, einer Reihe geschlossener Dich- Ranges. Herrn Marcell Salzer wurde
hervorragende Leistung gedankt.
Wir hoffen, ihn bald im Wupperthal
wiederzuschen!
Berlin, Das Magazin für Litteratur
(5. 2. 08). (Dr. Rudolf Steiner und Otio
Erich Hartleben.)
Freie litterarische
Gesellschaft in Berlin. Freitag, den
28. Januar, hatte die freie littrarische Ge¬
sellschaft Gelegenheit, einen ausgezeichneten
Recitator kennen zu lernen. Marcell Salzer
las Dichtungen und Prosaschöpfungen der
Wiener Autoren. Er hat eine — Hermann
Bahr würde in seinem Wienerisch sagen —
gemüthliche Art, sich in die artistisch feinen
und amüsanten Dinge Schnitzler’s, Morgen¬
stern's und Bahr’s einzuleben und sie so
wiederzugeben, dass dem Wiener, der ihn
hört, ganz heimisch zu Muthe wird. Aber
mir scheint, Salzer’s Talent geht noch
weiter. Er ist als Recitator ein wirklicher
Künstler. Das ist gar nicht so leicht. Denn
dem Recitator wird es schwer, Künstler zu
sein. Der Kreis seiner Mittel ist nur ein
geringer. Wort und Wortnuancirung kommen
im Grunde allein in Betracht. Will der Re¬
citator mit anderen Mitteln wirken, so wird
er aufdringlich. Seine Kunst gehört zu den
intimsten, die es giebt. Ich fand bei Vor¬
lesungen aus den Werken der genannten
Autoren, dass Marcell Salzer sich in den
Grenzen seiner Kunst hält und innerhalb
dieser Grenzen Vorzügliches leistet. Die aus
dem Wienerthum herausgeborenen Skizzen
Schnitzler’s, Bahr’s und Morgenstern’s sind
bis auf die reizvolle Andeutung des Dialects
hinein echt wiedergegeben worden. Cabinet¬
stücke Salzer’s Kunst waren die Proben von
Schnitzler, Bahr und Morgenstern — —
Berliner Fremdenblatt (30. 1. 98). Die
freie Litterarische Vereinigung veranstaltete
Freitag Abend in den Victoriasälen einen
Marcell Salzer-Abend. — Speciell die No¬
velle: „Das Pferd“ von Chr. G. Mergenstern
und die Humoreske: „Die schöne Frau“ von
Hermann Bahr fanden allgemeinen Beifall.
Der Herr Vortragende musste wiederholt das
Podium betreten, um sich für den lang an¬
dauernden Beifall zu bedanken.
Berliner Fremdenblalt (9. 4. 97). Die
jungen Wiener Poeten können sich beglück¬
wünschen zu dem genialen Interpreten ihrer
Musenkinder (H. W. Breslau).
Berliner Börsen - Courier (11. 4. 97).
Die Jungwiener Dichtungen wurden von
Herrn Marcell Salzer so meisterhaft, mit so
ausserordentlicher Gestaltungskraft inter¬
pretirt, dass der Abend mit einem grossen
Erfolge abschloss.
Bonner Zeitung (7. 3. 99). Marcell
Salzer’s weiches, modulationsfähiges Organ,
das die verschiedensten Stimmungen auf den
Hörer überträgt, sein schlichter Vortrag, dem
alles Theatralische und Gesuchte fremd ist,
seine hervorragende Begabung für den fein
pointirten Dialog, sein echter Humor und¬
nicht zum wenigsten seine Liebe zum Kunst¬
werk und die Begeisterung für die selbst¬
gewählte Aufgabe, die Kenntniss der Modernen
weiteren Kreisen zu vermitteln, errangen den
Dichtern und Dichtungen, die er vortrug, wie
seiner reifen Vortragskunst lebhaften Beifall.
Kam den Wienern das landsmannschaftliche,
österreichische Element des Vortragenden und
die reizvelle, discrete Art, mit der er den
Dialect zur Färbung und Charakterisirung
verwerthete, zu statten, so wurde er nicht
minder dem schlichten Ton der Kinder¬
geschichten Wildenbruchs, der poetischen
Sprache in den Gedichten von Arno Holz
und der charakteristischen Eigenart Lilien¬
cron's gerecht. Am virtuosesten brachte er
Liliencron's „Bruder Lüderlich“ und „Be¬
trunken“, am bedeutendsten zweifellos die
Dialogprobe aus „Anatol“ von Schnitzler,
„Weihnachtseinkäufe“ als ein Cabinetstück
der Vortragskunst heraus.
Kölnische Zeitung (16. 3. 99). — Der
Wiener Recitator Marcell Salzer hat sich
kürzlich auch bei dem Bonner gebildeten,
für schöngeistige Dinge besonders interessirten
Publikum in der dortigen Dramatischen Ge¬
sellschaft auf's Beste eingeführt und seinen
guten Ruf glänzend bewährt. Er trug moderne,
reichsdeutsche und österreichische Dichtungen
von Bahr, Morgenstern, Liliencron, Rosegger
u. s. w. vor und wusste durch seine klare.
klangvolle und schmiegsame Stimme, durch
sein verständnissvolles Anpassen derselben an
die verschiedenen Gestalten seiner Dich¬
tungen in ungekünstelter Weise seine Zu¬
hörer stundenlang auf's Angenehmste zu
unterhalten.