Faksimile

Text

box 37/2
2. Cuttings
rarischen Vereinigung“ in Düsseldorf gab welche der Künstler durch Zugabe des
einem sehr willkommenen Gast, dem be¬
Liliencron'schen „Bruder Lüderlich“ dankte
kannten ausgezeichneten Recitator Marcell
Eine grössere Anzahl besonderer Verehrer
Salzer aus Wien, Gelegenheit, seine seltene
des Vortragsmeisters gab ihrem Dank durch
Vortragskunst im besten Lichte zu zeigen.
Ueberreichung eines Lorbeerkranzes nebst
„Jung-Wien“ war das Thema, das er für
Schleife mit gestickter Widmung Ausdruck.
diese Gelegenheit gewählt hatte, und er gab
Herr Salzer wird im Ortsverein Düsseldorf
zunächst in einem einleitenden Vortrag eine
stets ein sehr gern gesehener Gast sein.
geistvolle Charakteristik der jungen und
Elberfeld: Täglicher Anzeiger (8./10./11.
jüngsten Wiener Poeten. Den stärksten
11. 00). Vorträge über moderne
sichtbaren Erfolg erzielte Herr Salzer mit
deutsche Dichtung von Dr. Walter,
seinem köstlichen Vortrag von Hermann
Bloem und Marcell Salzer (ef. Barmer
Bahr’s Humoreske „Die schöne Frau“ und
Zeitung Seite 2). —
Im zweiten Theile
mit dem rührend-komischen Sittenbild aus
des Abends trug Herr Marcell Salzer, Recitator
dem Wiener Leben „Das Pferd“ von Chr.
aus Wien, eine Anzahl lyrischer Dich¬
G. Morgenstern.
tungen von Liliencron, Arno Holz, Gustav
Falke und Richard Dehmel vor. Mit er¬
Moderne Poesie und Prosa.
staunlicher Virtuosität wusste Herr Salzer
diese Gedichte zur Geltung zu bringen, im
Düsseldorfer Neueste Nachrichten (12.11.
heroischen die Wucht, im lyrischen die An¬
00). Gedichte wollen genossen, geschen,
muth und die Lieblichkeit hervorzuheben und
aber nicht im grossen Kreise vorgelesen sein.
auch die Pointen sicher und effectvoll heraus¬
Gedichte gleichen trauten Freunden, die man
zuschälen. Zugleich zeigte Herr Salzer dabei
empfängt, wenn man bei sich zu Hause ist;
ein feines Verständniss für das wirklich
wenn man abgelegt hat, was von des All¬
Poetische, für das Zarte und Sinnige auf der
tags Kümmernissen einen bedrückte und den
einen, für das Gewuchtige, Humoristische und
Sehnsuchtsflug der Seele hemmte; sie gleichen
Kecke auf der andern Seite.
Freunden, deren Sorgen und Freuden, deren
Kämpfen und Ringen man verstcht, weil man
Die Wiedergabe der Novellen durch
Alles, Alles mitzufühlen im Stande ist; weil
Herrn Salzer war wieder ganz ausgezeichnet.
jede Nuance ihrer Psychologie auf verwandte
Das Rührende in der kleinen Wildenbruch¬
Empfindungen stösst. Und so geht’s am
schen Geschichte „Das Orakel“ wusste er
Ende mit dem Genuss eines jeden Kunst¬
vorzüglich zu betonen; prächtig charakteri¬
werkes. Ich bin der Geniessende; ich habe
sirte er die beiden Alten in der Sylvester¬
ein Recht, Alles zu kosten, was mir kostens¬
beichte, mit köstlichem Humer wusste er
werth erscheint und zwar so, dass diese
über die schöne Frau zu plaudern, die nicht
geistige Erquickung durch nichts gestört und
leben kann, wenn sie nicht bewundert wird;
durch nichts beeinträchtigt wird. Im grossen
ergreifend kam das Tragische in der Er¬
Kreise muss man auf Vieles verzichten, und
zählung „Der Narr zum Ausdruck.
man entschliesst sich nur dann zu einer der¬
artigen Entsagung, wenn durch den geistigen
Den überaus fesselnden und geistreichen
und künstlerischen Gehalt des Vortrags ein
Darlegungen Dr. Bloem's folgten die Reci¬
Aequivalent für diese Selbstentäusserung ge¬
tationen des Herrn Marcell Salzer. Dieser
boten wird; wenn z. B. ein Marcell Salzer
brachte das Vorspiel zum „Johannes“ von
den Interpreten „moderner Poesie und Prosa“
Sudermann, „Anatol“ von Schnitzler und
macht. Was er gestern Abend von Detlev
den zweiten Act von Hauptmann’s „Webern“
von Liliencron, von Hugo Gerlach, Gottfried
zu Gehör. Herr Salzer verstand es meister¬
Keller, Arthur Schnitzler, Peter Rosegger und
haft, zunächst den getragenen elegischen
Fanny Gröger bot, war von einer packenden
Ton in der erstgenannten Dichtung, dann den
Gewaltigkeit des Vortrags, von einer tiefen
prickelnd-geistreichen, fein pointirten in der
Verinnerlichung und gewissenhaften Gründ¬
Wiener Plauderei und schliesslich den ge¬
lichkeit, dass jede Kritik überflissig, jedes
wuchtigen expulsiven, mit grellen Lichtern
Wort der Anerkennung zwecklos wäre.
durchsetzten in dem 2. Act der „Weber“
Salzer begeisterte, riss mit fort, zwang den
festzuhalten. Vor unserm geistigen Auge
Hörer in den Bann jeder Stimmungsphase
bauten sich die geschilderten Scenen lebendig
und — trat trotz alledem nicht mit seiner
auf; bei den „Webern“ meinte man den
Kunst in den Vordergrund, der Dichtung und
ganzen Jammer mit zu erleben. Herr Salzer
dem Dichter zum Schaden. Wie malte er
documentirte sich dabei als ein geistreicher
mit derben Strichen den kraftstrotzenden,
Interpret, der dem Dichter bis zu den feinsten
seines und seines Rechtes bewussten Pidder
Andeutungen folgt. Ganz besonders glück¬
Lüng; wie stimmungsfein brachte er „Das
lich beanlagt scheint er für die Wiener Scene
Gewitter“ heraus! Mit welcher Technik
zu sein, für die elegante humoristisch¬
wusste er Gerlach’s grob hingehauene, er¬
elegische Stimmung, die er vielleicht noch
greifende Scizze „In letzter Stunde“ wieder¬
weiter cultivirt.
zugeben! Ich könnte Vortrag um Vortrag
Emder Zeitung (Emden, 16. 2.90). Wir
durchgehen und wüsste nur Rühmenswerthes
können nur aufrichtig gestehen, dass Herr
zu vermelden. Von den litterarischen Gaben
Marcell Salzer uns vortrefflich zu unter¬
selber nichts; sie sind durchweg bekannt,
halten verstanden hat und dass wir be¬
und wem etwa Fanny Gröger’s feine Satire
dauerten, als das fast zweistündige Pro¬
als solche fasse ich sie auf — „Sanct
gramm zu Ende war. Herr Salzer hat uns
Nothburgas Erdenwallen“ unbekannt war, der
hier, gelegentlich seiner Rückreise aus Eng¬
wird sich gefreut haben, die Bekanntschaft
land, wo er in Manchester, London etc. mit
eines starken Talentes gemacht zu haben. —
durchschlagendem Erfolg gesprochen hat,
Der Beginn der dieswinterlichen Campagne
einen seltenen Genuss geboten.
war gut. Mag die litterarische Gesellschaft
Essener General-Anzeiger (18. 1. 1900).
zusehen, dass Sieg um Sieg erfochten und
Im Krupp’schen Bildungsverein trug Herr
der modernen Litteratur ein immer aus¬
Marcell Salzer aus Wien am letzten
gedehnteres Verständniss erschlossen wird.
Sonntag eine grössere Anzahl ausgesuchter
Der grosse Saal des Hlotels lleck dürfte
Werke unserer zeitgenössischen Dichter, wie
auf die Dauer zu klein sein.
Rosegger, Morgenstern, Liliencron und Andere,
Düsseldorf: (Ortsverein des Verbandes
in vollendeter Weise vor. Sein äusserst an¬
deutscher Post- und Telegraphen-Assistenten)
genehmes, modulationsfähiges Organ wurde
Deutsche Postzeitung (Berlin, 16. 2. 1900.)
beim Vortrag durch eine beredte Mimik
Am 26. Januar vereinigten sich die Mitglieder
unterstützt und fand allgemeinen Beifall. Der
mit ihren Damen und Gästen zur Feier des
Redner verstand alle Saiten des menschlichen
Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers. Der
Herzens meisterlich zu berühren, und wenn
erste Theil der Feier bestand aus Vorträgen
öfters laute Lachsalven ihn an der Fort¬
des Wiener Recitators Marcell Salzer, der
setzung seiner Recitation unterbrachen, so
ter tent Anzeimeiien
#sverei
liess genussreiche Stunden erwarten, und das
ist in vollem Masse eingetroffen. Die zahl¬
reiche Zuhörerschaft, die sich gestern Abend
im Saale des „Flensburger Hof“ versammelt
hatte, hat in Herrn Salzer einen Sprech- und
Vortragskünstler im besten Sinne des Wortes
kennen gelernt. Seine sorgfältig geschulte
technische und geistige Veranlagung befähigt
ihn, den verschiedensten Anforderungen der
von ihm vorgetragenen Dichtungen, allen
Stimmungen und individuellen Besonderheiten
in künstlerischer Form gerecht zu werden.
Der Künstler versteht sich besonders auf
intimere Wirkungen. Mit grossem Geschicke
bewegt er sich auf dem humoristischen Ge¬
biete. Hermann Bahr’s sehr amüsante
Scizze „Die schöne Frau“ Liliencron’s Ge¬
dicht von den sieben jungen Mädchen und
„Die Musik kommt“, sowie Rosseger’s Dialect¬
humoresken kamen, mit voller Künstlerschaft
vorgetragen, vortrefflich zur Geltung. Die
Zuhörerschaft war höchst befriedigt von dem
Gebotenen, spendete lebhaften Beifall und
wird es gern erfahren, dass Herr Marcell
Salzer beabsichtigt, gelegentlich wieder hier¬
her zu kommen.
Geraisches Tageblatt (17. 2. 98). Der
Kaufmännische Verein hielt seine gestrige
Versammlung in der Tonhalle ab, weil mit
Recht befürchtet wurde, dass der gewöhn¬
liche Versammlungssaal für einen Recitations¬
abend des Herrn Marcell Salzer aus Wien
nicht ausreichen würde. — In der Kriegs¬
novelle Liliencron’s „Der Narr“ schuf das
modulationsfähige Organ des Recitators eine
ganze Reihe greitbarer Momente des Sol¬
datenlebens im Kampf und am Krankenbett.
Einen tiefen Eindruck bei allem Humor
machte Chr. G. Morgenstern’s „Das Pferd“
in zeiner rührenden Schilderung zweier
heruntergekommener Individuen, des Pri¬
vatiers Sommer und seines Rosses „Pascha“.
Dialecthumoresken bildeten den dritten
Theil der mit grossem Beifall aufgenommenen
Recitationsproben des intelligenten Recitators.
Gleiwitz, Der oberschlesische Wanderer
(11. 11. 98). Wir hatten gestern auf Ver¬
anlassung der Gleiwitzer Ressourcengesell¬
schaft den Genuss, Herrn Marcell Salzer zu
hören. Von den namhaftesten Blättern der
Hauptstädte gingen dem Künstler die
schmeichelhaftesten Beurtheilungen voraus.
Wir müssen anerkennen, dass Herr Salzer
diesem Rufe voll und ganz gerecht wurde.
Fassen wir seine Leistung zusammen, So
können wir nur bestätigen, dass es ein
Kunstgenuss war, dem Vortrage dieses
Mannes zu lauschen.
Gleiwitz: Der oberschlesische Wanderer
(5. 12. 99). Der gestern Abend von Herrn
Marcell Salzer aus Wien im Saale des
Deutschen Hauses veranstaltete Recitations¬
abend hatte ein zahlreiches Publikum an¬
gelockt. Der Saal war vollständig besetzt.
Das Recitationsprogramm war in interessanter
Weise zusammengestellt und zeichnete sich
durch Mannigfaltigkeit aus. Den Vortritt
darin hatten altbiblische Poesien, deren
Vortrag Herr Salzer einige kurze, einleitende
Bemerkungen voranschickte, in denen er auf
die künstlerische und dichterische Kraft vieler
Bibeldarstellungen hinwies. Zu eindrucks¬
vollster Wirkung gelangte in seiner Recitation
„Simson und Delila“ sowie Heinrich Heine's
„Belsazar“, bekanntlich der betreffenden Er¬
zählung aus dem Buche Daniel nachgedichtet.
Dann kamen einige Goethe'sche Gedichte an
die Reihe, und zwar „Zueignung“. Der ge¬
#treue bekurt“ und „Virhung in die Ferne“.
Während nach unserem Gefühl die lyrische
Stimmung der „Zueignung“ nicht in ihrer
ganzen Schönheit vermittelt wurde, bot die
Recitation der beiden anderen Gedichte
Cabinetsstücke vollendeter Vortragskunst.
Nun folgte eine hübsche Plauderei von Arthur
Schnitzler, dann eine recht drastische Humo¬
reske von Fanny Groeger und schliesslich
bekam man noch einige sehr lustige, mit
rschen
G
vereinig
Städte
kennun
Herr N
lesung
berufen