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box 38/3
2. Cuttings
Nr. 365°— 3. August 1934
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im Lürm
Landes und der Siedlungen; selbst Sama-Viraltung selbst. Zehntausende säumen den
Abschied von Bialik
Stille des 1
Weg. Kein Dach, kein Fenster, kein Gerüst
ritaner vom Berge Gerizim.
ist frei. Kaum fällt ein Wort, getaltige Stille!
Von Erich Goitgetreu.
Auf dem
Langsam bewegt sich der Zug durch die
grüßt den Tod. Und was kein Ereignis der
Kommandos schullten. Schiffsglocken
wird des U
Straßen. Kurz hält er zu Andacht und Ge-Iletzten Juhre zuwege brachte, bewirkt die
läuteten. Ankerketten rasselten und versan¬
gegeben —
bet vor der großen Synagoge in der Rohow
große Trauer: aller Parteienhuß wird unter¬
ken im Meer. Jaffa! Das war der Augen¬
Allenby, vor dem Haus eines Schriftsteller-Idrückt, und sichtbar an diesem Tag die Ein- Arlosoroff.
blick, an dem an Deck der Einwanderer¬
kameraden, vor der Ehrenwohnung, die die lheit des jüdischen Volkes. Armer wurden wir, Isich über d
schiffe die Chaluzim stets die Horrah tanz¬
Stadt ihm schenkte, und vor der Stadtver-aber dieses ist erschütternd schön. VergeßtEinsamkeit.
ten und Lieder des Glückes sangen. Doch
wie hütten sie diesmal tanzen können? Wie
hätten sie diesmal singen können? —
mum
Nachdruc
a
= Dr. Jakob Rosenthal:
Wie ein Blitz war zehn Tage zuvor die
22
Schreckensmeldung von Bialiks Tod auf das
222
kleine Land am Jordan niedergezuckt. Der
Nach

Begegnung mit Chalt
Himmel schien blasser, die Welt leerer, der
kräftigste Baum gefällt. Seit Jahrhunderten
hatte die Judennot nicht soich einen Sän¬
ger gefunden.
keine Arbeit
Der Wiener Aufenthalt Chaim Nachman Bialiks im Jahre 1932 wurde für alle, die
mit dem Dichter in Berührung kamen, zum unvergeßlichen Erlebnis. In Gesprächen
„wohin mich
Der Dichter wor aller Freund gewesen.
und in Vorträgen offenbarte sich der starke Zauber dieser ungewöhnlicher Dichter¬
der Aufschre
Es gab keinen, für den er nicht ein gutes
persönlichkeit.
Wort und klugen Rat hatte. Wo irgendwo
Die damals in Genf abgehaltene Abrüstungskonferenz nahm unser Redakteur wahr. hin?“ Für d
gebiete ersch
um den Dichter über diesen Punkt zu befragen.
ein Zweifel war, hieß es: Fragt Bialik! Am
Die bei diesem Gespräch geäußerten Gedanken des Dichters seien, wiewohl der un-droht gerad
Tag vor seiner Fahrt nach Wien erschien
mittelbare Anlaß hiezu fehlt, wegen ihres hohen pazifistischen Gehaltes, der großen
daß die ung
er auf der Stadtverwaltung und bat, daß
geistigen Klarheit und jener Ethik, die Bialik so auszeichneten, hier noch einmaal
gien in Verh
Moses Levy aus Hejschischek die Lizenz
wiedergegeben. Red.
Vergiftung
bekomme, auf der Straße Eis verkaufen zu
sich ziehen
lals Redner aufgetreten war, das Problem
dürfen
Bialik-Tage in Wien
der geistigen Krise des Judentums vongend anbetri
Der Wiener Besuch Chaim Nachman heute in erschöpfender Weise bereits be-einer konsti
Nun sah man überall sein Bild, dieses
Lande gegeb
Bialiks war zu Ende und der Dichter lhandelt hatte, galt meine erste Frage den
breite, gefurchte, gutartige Bauerngesicht.
nach Palästina abgereist. Dieselbe großelallgemeinen Eindrücken, die er von fuhr der Dic
Nun las man überall seine Bücher, zum
Liebe und Verehrung, mit der Millio-Ider heutigen geistigen Situation Europasl unserem Pal#
fünften- zum zehntenmal. Die Zeitungen er¬
streifen an
mitnimmt.
nen Herzen überall dem Sänger ihrer Sehn¬
schienen mit Trauerrand. Man besuchte
Meeres, wird
sucht, dem Kämpfer um ihre Erfüllung ent¬
„Meiner bescheidenen Meinung nach“, be¬
Trauerfeiern. Und es fragten die Kinder:
arbeit gemach
gegenschlugen, wurden ihm auch von dem
gann der Dichter, „bereiten sich in Europa
„Jetzt wird es keine neuen Gedichte von
schichte des
Wiener Judentum entgegengebracht. In der Ischon für die nächsten Monate mannigfache
Uhm geben?“ Esther, Ori und Chansah sagten
schieht es, de
Stadt Herzls und Chajes’ wurde Bialik
Anderungen politischer und wirtschaftlicher
die hebräischen Verslein auf, die ihnen so
friedlicher A
von allen Schichten des jüdischen
Natur vor. Denn die geistige, politische und
geläußig sind wie dem deutschen Kind dus
Existenz ring
Wien gefeiert, wie nur sin Volk seinen
ökonomische Situation Europas, wie sie ge¬
Backebackekuchen.
Palästina v
Dichter feiern kann. Und je länger er in genwärtig ist, dieses heillose Durcheinander,
Zwang eines
seiner Mitte weilte, je öfter man das Glück das Europa beherrscht und es aus den Fu¬
neuen wirtsch
Man überführt den Sarg von Wien nach
hatte, ihn zu sprechen und sprechen zu hö-Igen zu bringen droht, kann ohne nachhalti¬
die Ausfluß
Triest, von Triest übers Meer. In Cypern
ren, um so mehr offenbarte sich der Zauber
gen Schaden für seine Kultur unmöglich
beruhen kein
besteigen Delegierte aus Erez Israel die
dieser ungewöhnlichen Dichterpersönlichkeit.
fortgesetzt werden. Vielleicht werden sich
außen komme
„Italia“, und in Jaffa entbietet die Jugend
Empfänge und Bankette, pädagogische
politische Anderungen schon im Gefolge der
schließlich P
des Landes ersten Gruß: Pfadfinder holen
Konferenzen und Vorträge, Propagandaver¬
jetzt beginnenden großen Abrüstungskonfe¬
den Schrein vom Schiff. Das Motorboot
sammlungen für das hebräische Buch und
renz ergeben. Auch die Juden müssen für
Vielleicht
prasselt ans Land, die jüdische Fahne weht
Meetings für die Jugend, in deren Mittel-diesen Tag vorbereitet sein, um im gegebe¬
Weltgeschicht
vom Heck. Am Hofentor salutiert eine Ab¬
punkt Chaim Nachman Bialik stand, lösten inen Augenblick ihre Frage, die ihre Be¬
boren wurde
teilung der Polizei von Tel-Aviv. Bei der
einander in bunter Reihenfolge in diesen deutung als Weltfrage auch heute noch nicht
das Muster
Fahrt durch die jüdische Stadt grüßt jeder
acht Tagen ab. All diese Kundgebungen eingebüßt hat, vor das Forum der Welt
Welt und für
Verkehrsposten das schwarzumhüllte Ge¬
waren erfüllt von jenem tiefen Ernst, der
bringen zu können. Sonst könnte leicht
Denn von Zic
fährt. Dann gibt er Signal: Bahn frei für
heute die geistige und materielle Situation
diese historische Stunde ungenützt vorüber¬
das Wort G
Bialik!
des Judentums kennzeichnet, sie waren aber
gehen. Es ist aber notwendig, die allge¬
werden unser
gleichzeitig ein flammendes Bekenntnis der
meine Aufmerksamkeit auf die Verschlech¬
durch die
Wiener Judenheit zu der Geistesgröße Bia¬
terung der jüdischen Situation im gesamten
Lande nicht
In der Ohel-Schem-Halle, der Stätte der
liks, zu dem Weg, den ihnen der Dichter ge¬
Weltbild in ökonomischer und politischer Be¬
vorsieht, gefö
von Bialik eingeführten Volksfeiern des
wiesen.
ziehung zu lenken, Freilich, um die Ab-lihre Indolenz
„Oneg Schabbath“, wird der Sarg für
rüstungskonferenz, die für das Sein oder
auch gestört.“
einige Stunden aufgestellt. Zu beiden Seiten
Nichtsein Europas von größter Bedeutung
Gespräch mit dem Dichter
eine Ehrenwache der Jugend. Silberner
sein kann, zu einer machtvollen Tat wer¬
In vornehmer Stille liegt die zu beiden
Leuchter goldne Augen künden: Ein Großer
den zu lassen, bedarf es der Vereinigung
Seiten von Villengärten umrandete Krotten¬
In seinem
starb in Israel. In Riesensilberlettern glänzt
aller geistigen Menschen.
bachstraße im Döblinger Cottage. Nur sel¬
assimilierte J
auf dem Bühnenvorhang seines Gedichtes
ten wird hier die Ruhe durch das Hupen
Die Abrüstungskonferenz muß ein reales
klagt, daß es
Wort: „Und seines Lebens Lied ward plötz¬