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2. guttings
box 38/3
„OBSERVER
. österr. behördl. konzessioniertes
Unternehmen für Zeitungs-Ausschnitte
WIEN, I., WOLLZEILE 11
TELPPHON R-23-0-43
Ausschnitt aus.
Fiele Presse, Wien
Abenablen
vom:
30. 382.
(„Jahrbuch deutscher Bibliophilen und Literatur¬
freunde.“) Das soeben im Zsolnay=Verlag erschienene,
von Professor Hans Feigl herausgegebene „Jahrbuch deutscher
Bibliophilen und Literaturfreunde" birgt in seinem 18./19.
Jahrgang wieder fesselnden und abwechslungsreichen Inhalt. Den
Reigen der Beiträge eröffnet der Dichter des Stephan=George¬
Kreises Karl Wolfskehl mit einer auch durch sprachliche
Schönheit ausgezeichneten Erörterung über „Beruf und Berufung
der Bibliophilen in unserer Zeit" Karl Wolfskehl selbst wird als
Hüter des Erbes von Erich Lichtenstein (Weimar) gewürdigt.
Felix Salten erfreut durch seine viel Unbekanntes und Merk¬
würdiges vermittelnden Erinnerungen an die Anfänge des lierari
schen Jung=Wien, dessen hervorragendste Erscheinung, Arthur¬
Schnitzler, gleichfalls mit zwei Beiträgen aus dem Nachlaß ver¬
treten ist. Eigentümlich berührt es, daß schon der achtzehnjährige
e in seinem ganzen späteren Leben, um die
Preruneb kreist. („Frühlingsnacht im Seziersaal“),
Für die große Schritzler=Gemeinde stellt auch die bis ins kleinste
gehende, von Professor an der Columbia=Universität in Newyork
Otto P. Schinnerer nach jahrelangem Mühen zusammengestellte
Bibliographie sämtlicher Drucke, Schriften und Ausgaben der
Schnitzlerschen Produktion eine ungemein willkommene Gabe dar
Der als Gastrosoph ebenso wie als bibliophiler Palyhister großer
Ruf genießende Münchner Kari Georg v. Maaßen deckt als
„Grundgescheuter Antiquarius“ wieder eine Anzahl Anonyma der
deutschen Literatur auf, Dr. Konrad Höser (Eisenach) vermittelt
zum erstenmal einen ungemein lesenswerten Briefwechsel zwischen
Ferdinand =ürnbgrger und dem Kritiker und Hebhel=Biographen
Emsl Kuh, der der Bedeutung des damals erst von wenigen
Kennern geschätzten Gottfried Keller und dessen „Grünem Heinrich“.
gilt. Nebst einer Anzahl weiterer literarisches und bibliophiles
Gehiet behandelnder Aufsätze kommt auch die österreichische Lyrik
mit Anton Wildgans (aus dem Nachlaß), Max Mell, Guldo Zer¬
natlo, Erika Mitterer, Jakob Haringer, Heinrich Suso Waldeck
zum klangschönen Wort. Der Herausgeber Hans Feigl stellt sich
auch diesmal wieder mit seiner die ganzen Jahre her bewährten um¬
fassenven, die gesamte geisteswissenschaftliche Produktion der letzten
Zeit in scharfumrissenen Charakteristiken würdigenden Bücher¬
schau ein; doch über diesem wertvollen Buchinhalt wird auch der
Buchgestalt unter anderm in Beiträgen von Robert Haas „Ueber
das Drucken auf der Handpresse“ und von Rudolf Geyer über
den „Verlegereinband“ nicht vergessen. Das schön gedruckte, mit
reichem Bilderschmuck versehene, auch durch seinen ungemein
aparten Einband sich dem Auge einschmeichelnde Jahrbuch wird
sich ohne Zweifel wieder viele neue Freunde gewinnen. n.