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Both Birtnay
Seite 3
28. Februar 1922
ulen satten...
für elektrisches Licht.
diesem Verrechnungsabschnitt eine Mindereinnahme
von rund 800 Millionen Kronen. Wenn die
Zahlungsmittel der Staaten, in denen die Gemeindebetriebe Kohle
einkaufen, weiter eine finkende Hailung aufweisen, so kann dieser
Abgang leichter ertragen werden. Sollte dies nicht zutreffen, so
muß bei der Bestimmung des Strompreises für den nächsten
Verrechnungsabschnitt dieser Abgang in Betracht gezogen werden.
Der neue Straßenbahntarif.
Dem Gemeinderatsausschuß für die städtischen Unternehmungen
lagen gestern die Berechnungen der Direktion der Straßenbahnen über
die Einführung des Zonentarifs vor. Der Vorschlag der Direktion, für
eine Fahrt bis zu zwei Teilstrecken 60 Kronen und für mehr als zwei
Teilstrecken 100 Kronen einzuheben, wurde vom Ausschuß nicht ver¬
handelt, da neuerliche Vorschläge ausgearbeitet worden
Klose & Seidel
sind. Diese Vorschläge wurden vom Ausschuß dem Komitee zum Studium
des Zonentarifs zur weiteren Beratung zugewiesen.
Burenu für Zeitungenusschrette
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wird, erlebt König Assud, der Held einer verschollenen Jugend¬
arbeit. Dem Dichter Filippo Loschi („Der Schleier der Beatrice")
deuos ianer
sind Träume verkleidete Erfüllungsphantasien unterdrückter
Zeitung:
Wünsche.
Begierden ohne Mut.
Ort:
Sind freche Wünsche, die das Licht des Tages
Zurückjagt in die Winkel unserer Seele,
Datum: + FEED 142
Daraus sie erst bei Nacht zu kriechen wagen.
Das ungewöhnliche Liebespaar Medardus und Helene („Der
junge Medardus“) verblutet an einer komplizierten Ambirulenz
von Liebe und Haß. Daß sich in aller geistigen Tätigkeit nur ver¬
Artur Schnitziers Gestalten und
haltene libido sublimiert, ahnt die schöne Sozialistin Theiese
Golowski („Der Weg ins Freie"), in der ein gutes Stück
Probieme.
Abenteuerin steckt: „Wohin geriete man, wenn man sich nicht
für die Menschheit zu opfern hätte,“ spricht sie, „vielleicht ist
Ein interessamtes Werk.
— In einigen Wochen wird Aktur Schnitzler seinen 60. Ge= das alles nur eine Flucht von mir selbst.“
Auch andere Beispiele führt Josef Körner an, so das schöne
buristag feiern, und dieses Ereignis wirft bereits seine Schatten
Wort des Schriftstellers Heinrich Bermann in demselben Stück,
voraus Es war stets eine dankbare und interessante Aufgabe, sich
und meint dann, daß sich „Parazelsus in vollkommener Ueberein¬
mit dem Dichter Artur Schnitzler zu beschäftigen, mit diesem
stimmung mit dem Grundprinzip psychoanalytischer Neurosen¬
wienerischesten aller Wiener Dichter, in dessen Stücken und
die therapie befinde, wenn er zu Frau Justina sagt: „Scheut Ihre
Rowanen der Dust und Abglanz der Wiener Landschaft ist,
erhabene Schlnheit des Uenerwaldes und die sch#ere Süße des Erinnerung?“ Man kann ihr besser nicht die Schauer nehmen,
als wenn man sie zum Leben wieder weckt“
Weines, der an feinen Hängen wüchst. Josef Körners Artur
In überaus kluger Weise behandelt Körner das Problem
Schnitzlers Gestalten und Prrßleme“, das soeben im Amallhea=Verlag
erschtenen ist, ist das Weik eines Mannes, der tief in das der dichterischen Entwicklung Artur Schnitzlers. Es ist richtig,
dichterische Schaffen Artur Schnitzlers eingedrungen ist, eines wenn er sagt, daß sie in „seltener Geradlingkeit verlaufe“, die
nur durch geringe Rückfälle gestört wird. Nur ein Lebejüngling
objektiven Kritiker, der nicht unbedingt alles lobt, was Schnitzler
geschaffen hat und mitunter auch das Messer zu führen versteht. konnte den „Anatol“ schreiben, ein reiser Mann nur das „Zwischen¬
„Der Dichter und die Protagonisten“ „Liebelei“ Das weite spiel“ einzig ein alternder „Casanovas Heimkehr": „Wirklich ist
in den Theaterstücken und Erzählungen einer mit dem Jahre 1897
„Die Hirtenflöte", „Don Juan und
Land“, „Bacchusfest“.
etwa zu schließenden ersten Periode im Schaffen Schnitzlers die
Brackenburg“ „Komkvie der Worte". „Der Ruf des Lebens“
Welt einzig aus der Lebemannsschau gesehen.“ Körner gibt aller¬
Der Puppenspieler“ „Zerrbild“ „Extrablättchen“. Gehalt und
Form des Romans „Der Weg ins Freie" und „Der Dichter und dings zu, daß diese Welt nicht bloß von Geisetten bevölkert ist, aber
die feinen Damen der Gesellschaft finden doch nur als ehe¬
sein Werk“. Artur Schnitzler, selbst Arzt und in jungen Jahren
noch schwankend, sagt Körner, ob er seinen psychologischen Er- brecherische Liebchen hier Aufnahme. Der „Parazelsus“ eröffnet
die Aussicht auf die zweite Periode im Schaffen
kenntnisdrang als Forscher oder als Dichter „betätigen sollte, ist
Schnitzlers, die bis an das Jahr 1913 heranreicht, sagt
schon früh aus eigenem über den Weg gekommen, den
nachmals Sienmund Freud bis ans Ende abschritt. Auch der Verfasser: „Die Liebe wird jetzt erst eigentliches Problem,
er hat den Neurosen seine Aufmerksamkeit zugewendet und wird Räisel, wird Zentrum; die Ehe, für die Frühzeit überhaupt
eine kein Gegenstand und noch in den ersten Schriften der zweiten
beizukommen getrachtet.
Hypnose
mit
ihnen
Methode, die nach eigenem Geständnis auch Freud betrieb, bis Periode nur als Liebesproblem bedeutungsvoll, wird mit zu¬
nehmender Lebensreife des Dichters immer höher geachtet, ihr
er ihre Erfolglosigkeit einiah und es anders versuchte. Aber auch
die Grundsätze, z denen dieser in ernster Forschung gelangte, Sinn und Wert in einer über das Geschlechtliche hinausgehenden
hat Schnitzlers Dichtung vorgeahnt und mehr oder minder deutlich Lebensgemeinschaft erkannt. (Bezeichnenderweise setzt Josef Körner
ausgesprochen. Wie latente Eifersucht im Traum manisestiert als Motto zu dem Kapitel Bacchusfest die Stelle aus einem