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Grillnarzer-Preis box 40/2
Karl Schönherr erhielt, nachdem er für den Grillparzer=Preis
in Erwägung gekommen, sein Drama „Erde“ damals aber
noch nicht aufgeführt worden war, jetzt eine Ehrengabe¬
von 4000 Kronen aus der Eduard=Bauernfeld=Stiftung.
Genngtnung, Stolz und Frende begleiten auch diese
Entscheidung! In Schönherr und Schnitzler hat Österreich
zwei Dramatiker, die vielleicht noch zu Dichtern der dent¬
schen Nation werden. Ungeklärter, zukunftsreicher als der##
weitere Schaffensweg Schnitzlers ist der Schönherrs.
Schnitzler sucht Menschen und Leben in Erscheinungen zu
fassen, die an sich künstlerisch oder stilisiert sind. Er liebt
##ie dunklen, abgetönten Schicksale, sieht im Tod das große
Ziel. Schönherr ist sein völlig entgegenstrebendes Wider¬
spiel. Ohne Spur von Asthetentum, gerade, herb, wuchtig,
ist er ein Produkt unverfälschter Natur. Der Trang zu
leben und das Leben sind ihm die Quellen seines Schaffens.
Nicht, daß er es leicht nimmt. Aber er bildet und findet
sich mit den Stürmen seines Poctenherzens als aufrechter
Karl Schönherr.
lötzlich scheinen Prophete auch im eignen
+ Vaterland etwas zu gelten. Denn aber¬
mals ward in Deutsch=Österreich einem heimi¬
schen Schriftsteller die Ehre zuteil, von einem
heimischen Kollegium ausgezeichnet zuwerden.
Karl Schönherr.
##tssucher und Wahrheits¬