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0. Antisenitisn
GEISTLTCHE und JUDEN
Ein Nort 2
seiner Zeit.
Von
Moritz Markbreiter. (1848)
Zwei Klassen der Bevölkerung einander entgegengesetzt im Glauben,
in der Stellung, in ihren Wirken, ihrem Streben, ihrem Handeln, ihrem
Schaffen, sind es, die in unsrer so stürnischen Zeit, als Blitz¬
ableiter bestimmt zu sein scheinen, in velche die unheilschwvangeren
Wolken, mit denen unser politischer Horizont überdeckt ist, sich
entladen sollen.-
Die Priesterkaste, mit ihren tausendjährigen Vorrechten, mit ihren
Privilegien, mit der Unantastbarkeit ihres Gewandes,bisher geschützt
durch des Volkes eigenen Glauben, durch den mächtigen Glanz der Tiara,
durch die Mächtigen, die auf den Thronen Europas sitzen,sie sind die
einen, gegen welche Vogen des entfesselten Cceans zu überfluthen drohen,
ihnen gegenüber stehen die Parias alter Nelt. Der Eris Apfel der Meinun¬
gen, der Fangball der Nationen, die Kinder Jacobs und Israels, die
unzerstörbaren, vereinzelt dastehenden und in ihrer Schwäche noch
immer mächtigen Juden. Und sonderbar, während sich nun für die
letzteren Stimmen erheben, um ihre Rechte aufrecht zu erhalten, oder
vielnehr um ihnen zu jenen zu verhelfen, auf die jeder lensch schon
durch seine deburt Anspruch hat,stehen die andern jetzt beinahe hilf¬
1os, schutzlos da. Preisgegeben den Anschuldigungen einer zahlreichen
Volksmasse unterstützt durch das Furfgeschütz, der freigenachten Presse,
der Grund dieser sonderbaren Erscheinuig ist nicht schwer zu enträtseln.
Die Verfolgung eines Theiles der Priesterkaste ist neu, wo man auf keinen
Angriff rechnet ist auch die Gegenwehre nicht so schne11 fertig, bei
den Juden ist sie so alt, wie die Nation selbst.
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