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ze bemüht sich, von epigrammatischer Kürze zu sein und sein Stil ist
und von der Schlankheit der Satzformen eines Nietzsche, mägerer noch
die als der Satzbau Schopenhauers, asketischer noch als die Schreib¬
jel= weise von Karl Kraus. Von der Stilsette her ist ihm wohl
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11. Miscellaneens
zät. Marimilian Harden unsympathisch, und er wird nicht müde,
irde Harden zu verletzen und zu einer Polemik herauszusordern.
zuf=] Einmal nennt er ihn eine Grunewaldgröße (Harden wohnt in
der kleinen Gemeinde Grunewald bei Berlin), dann wieder einen
nte
uch Deklamator mit dem Konversationslexikon (weil Harden gar so
ät= belesen tut). Dann wirft er ihm seinen „Bandwurmstil“ vor,
de.seine Schauspielervergangenheit (indem er ihn Schminkeles heißt),
tieg spricht in einem Atem von ihm als dem alten ehrlichen Harden,
Be= also höchst ironisch, und behauptet ein andermal, er wäre in Kunst¬
fragen „schwach begabt wie Bohnenstroh, aber sehr befähigt, glänzend
ieg
sensationelle Artikel zu verfassen". Auf alle diese Schmeicheleien!!
sien
hat Harden, der sich selbst als Raufbold in der Literatur und in
per
der Publizistik einen Namen gemacht hat, niemals mit einer
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Sterbenssilbe, nicht mit der verstecktesten Andeutung geantwortet.
mit
Ich habe Kerr einmal gefragt, wie er sich das Schweigen von
den
Harden erkläre, und er sagte mir: „Das Berliner Gerücht, das
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bestimmt davon wissen will, ich hätte gegen die Privatperson
Harden kompromitticrendes Material im Schreibtisch liegen, und
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Harden fürchte im Fall einer Polemik die Ausnützung dieser
Dinge gegen ihn, ist nicht mehr als ein Gerücht. Die
Sache liegt vielmehr so: Für so unehrlich ich auch Herrn
Harden halte, so glaube ich doch, daß er sich selbst einigermaßen
kennt und auch ahnt, daß ich ihn erkannt habe. Hardens Taktik
ist es immer gewesen, zu schweigen, wenn er im Unrecht war! k
und nicht unbedingt antworten mußte!“
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Dr. Kerr stammt aus Breslau, steht in der Mitte der
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vierziger Jahre, und seinen Ruf — er wird von Autoren und je
Schauspielern in gleichem Maße gefürchtet — verdankt er nichtg
n
so sehr seinem Können, seinem Geist und seinem Urteilsvermögen, k.
wie dem Skandal, den er oft und oft erregt hat. Das fing er schon
in
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vor 25 Jahren an. Damals spielte ein, seither völlig vergessener
Musikkritiker eine gewisse Rolle in Bertlin. Er hieß Tappert,
und Kerr erfuhr, daß sich Tappert gelegentlich für seine
kritischen Urteile mit barem Geld bezahlen ließ. Diese
in
der X
Sünden des armen Teufels deckte Kerr
„Neuen Rundschau“, deren ständiger Mitarbeiter er
war und ist, auf, und es gab einen Höllenlärm. Noch mehr
machte sein Streit mit Hermann Sudermann von sich reden.
Eines Tages ließ Sudermann jene paar Artikel über
die Verrohung der Kritic los. Als einen der rohesten
unter den Rohen bezeichnete er Kerr. Darauf faßte Kerr seine
Aufsätze über Sudermann schleunigst zu einer Broschüre zusammen,
der er den Titel gab „Hier Sudermann — der D ... Di
Dichter". Das wirbelte unerhörte Staubmassen auf. Auch seither
ist es durch Kerr noch manchmal zu einem Riesenkrach gekommen.
Von den deutschen Dramatikern schätzt er nursch
Gerhart Hauptmann; Ludwig Fulda rühmt er als den
Geburtstagsdichter. Max Dreyer ist ihm
anmutigsten
„ein Naturspiel der Farblosigkeit“ an Hermann Suder¬
mann findet er kein echtes Haar, nur falsche Rührung, falsche
Leidenschaft, falsche Schlichtheit. Die Oesterreicher, Schönherr
Schnitzler, Hoffmannsthal, schneiden bei ihm besser ab. Vor¬
behalte macht er auch bei ihnen.
Alfred Kerr.
So meint er von Hoffmannsthal: „Bei ist das Dramatischel m¬
Ein Porträt.
äußerst schwach. Ich möchte sagen, seine Werke haben keineflat
(Von unserem Korrespondenten.)
Rippen, und seine strahlenden, dekorativen Verse, seine
Berlin, im Oktober.
Beionungen sind so leise, daß er für das Theater nicht mis
Die drei Millionen Menschen, die Berlin bevölkern, haben
taugt, und das Herausarbeiten, Hervorkehren, Aufblitzen=Die
in diesem steinernen Ungeheuer eine mehr oder weniger kom¬
Artur Schuitzle###
lassen ist seine Sache schon gar nicht.
sortable Wohnung, aber darum noch lange kein Heim und des¬
ist ein Kenner, ein geistvoller Empfinder, aber mehr ein Dichter mi¬
wegen auch kein Theater — trotz der dreißig Bühnen, auf denen
W
als ein Ausarbeiter. Auch ihm fehlen die wuchtigen Akzente.
hier Komödie gespielt wird. Und wie das gesamte Beiliner
Es ist eine Episodenpoesie, aber es ist so viel Grazie und Nach¬ A
Publikum, so hat auch der Berliner Theaterkritiker fürs Theater
denklichkeit darin, daß man das mitfrißtz was dem Kritiker ##
nicht ein bißchen Liebe übrig. Dem Pud. 'um dieser kühlen und
sich
widerspricht!“
nüchternen Stabr isi das Theater auch im tiefsten Frieden nur
Kerr ist kein Freund Reinhardts — sein Mann war Ottosme
eine Stundensensation für die arbeitswunden Nerven, eine
Brahm, und unter den Schauspielern liebt er nur die Leute ger
gesellschaftsmögliche Form des Rummelplatzes, dem Kritiker eine
Brahms (Bassermann, Reicher, die Else Lehmann) und — Girardi,
lästige Fessel, die ihn so lange drückt, bis er ganz freuslos,
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ganz mürrisch ganz gleichgültig und geschäftsmäßig wird, venn den er über alle Mas# verehrt und den er sogar in Veisen
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