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Text

freut
eeneeeneschenrenen Aee enene ee eeree renerenee
Sein Bestes hat Donnay in den „Amants“ gegeben. Zi##
gleichgültig, solange sie mich denken und glauben lassen, was ich mag.
ung ab.
Leute, die einander heiß und tief lieben. Romeo und Julio
Ich: In dem „solange“ liegt der Fehler Ihrer Weltanschauung.
verliert
Paris. Trotzdem Claudine die Maitresse eines alternden Gra###
Dem Fanatiker ist es nicht gleichgültig, und dadurch müssen Sie auch
Lebens¬
ist und Betheuil auf der Straße warten muß, bis der ander
zum Verteidiger, das heißt zum Fanatiker Ihrer Meinung werden.
verschwunden ist. Sie lieben und streiten sich, versöhnen sie
Statt ruhig in Ihrem Klubsessel zu sitzen, müssen Sie sich eventuell
und hassen sich wieder. Heftige Eisersuchtsszenen, leidenschaft
geisterte
hinter seinen Lederwänden verteidigen.
liche Erklärungen. Er will nicht mehr in diesem Lügengespine
Er: Sie wollen mich nicht verstehen. Welchen Fanarismus ich
verharren; sie kann ihr Kind nicht verlassen. Nach kurzem ge¬
deutsche
meinschaftlichen, aller Seligkeit vollen Aufenthalt im Süde
bekämpfe, will ich Ihnen in einer kleinen Geschichte erklären. Als
gnädige
reißt er sich schweren Herzens los um sich einer Expedition na#
Napoleon daranging, Aegypten zu erobern, machte ihm ein Derwisch
: unter¬
Indochina anzuschließen. Ein Abschied, voll zitternder, leiden¬
viel zu schaffen, indem er die Massen sanatisierte und drohte, der
braucht
schaftlicher Erregung, voll Qual und Schmerz. „Lasse mie
Engel Gabriel werde sich mit erhobener Hand zwischen Erde und
besmüh.
dich betrachten,“ schluchzt Claudine, ... geh. geh. sag' un
Sonne stellen, wenn die Araber die Fremden im Lande duldeten.
r. Des¬
nichts mehr!“
Nun war aber eine Sonnenfinsternis in Aussicht, auf die der
ein, die
Sie weint und leidet lange, lange Zeit. Nie, glaubt sie, wird
Dermlsch mit dem Bild vom Engel Gabriel hingewiesen. Napoleon
ist das
sie das überwinden können. Der letzte Akt spielt achtzehn Mu¬
### An kommen und ihm durch Gelehrte die Sonnenfinsternis er¬
ernunft
nate später. Betheuil ist zurückgekehrt. Die beiden treisen
klare Er hörte aufmerksam zu, einmal, zweimal, dreimal, und
ergießt,
sich in Gesellschaft wieder. Er hat sich mit einem jungen
erwiderte jedesmal, wenn man ihn fragte, ob er die Sache einge¬
Mädchen verlobt und sie wird den alten Grafen heiraten. Man
sehen: „Es ist der Engel Gabriel, der sich drohend zwischen Erde und
ist geheilt und spricht freundlich, ja herzlich mit dem anderen.
ärmerei
Sonne stellt.“ Da verlor Napoleon die Geduld und rief: „Das ist
Sie spricht ie Photographie der Braut des einst so Heißge¬
liebten betrachtend: „Wenn ich jemals das Original treife,
ein Fanatiker. Werst ihn hinaus und prügelt ihn durch!“
ie selbst
Sie: Aber die Prügel werden ihn auch nicht überzeugt haben.
werbe ich es von ganzem Herzen küssen.“
intönige
# #Eine Sz##e. #n# die Vergänglichsei; irdischer Regien
Ich: Nein. Das öst g### des Schlimme, daß die Mittel g#gen
heilten,
fühlbarer wird. Der Menschheit ganzer Jammer im engsten
den Fanatismus nicht besser, sind als der Fanatismus selbst. Doch
zu er¬
Nahmen. Es liegt Melancholie und Heiterkeit über dieser Ko¬
es ist spät, und wenn wir weiter sprechen, werden wir noch alle
ssen uns
mödie; sie ist bitter und grotesk, schmerzlich und lustig wie das
sanatisch.
as neue
Leben. Heineverse klingen beim Lesen im Ohr: Schattenküsse.
u wir
Schattenliebe; Schattenleben wunderbar .
Liebesprobleme werfen auch fast alle übrigen Stücke
in der
Flaurice Donnay.
Donnays auf. Sie zeigen alle Phasen des Geschlechtskampfes
nuß ge¬
tachbruck
mit allen seinen Ueberraschungen und heimlichen Wunden.
Von Br. Theodor Reih (Glien). vertoten.]
seinem Hinterhalt und seinen Siegen. Am Ende gibt es aber
gnödige
eigentlich nur besiegte Sieger.
n Deutschland schließt iede Komödie mit einer Heirat.
uns gar
Der junge Mann ist bei Donnay ein Typ wie bei Arthur
* In Frankreich und im Leben beginnt sie damit. Stücke
en Ler¬
Schnitzler; es ist fast derselbe Typ. Er und seinesgleichen wer¬
# dieser Art schreibt Maurice Donnay.
den mit „vieux jeunes gens“ am besten bezeichnet. Er ist
Er begann im Chat=Noir, jenem berühmten Kabarett der
erfahren, witzig und gewitzigt, unbefangen und ungläubig. Er
Nue Massé, das der erstaunten Bourgeoisie immer neue
liebt fast immer zwei Frauen mit derselben Glut, mit derselben
Maler, Sänger und Dichter vorführte. Er las dort eine sym¬
Hingebung: er kann sich nicht helfen. (Der Fall wird von mo¬
bolische Revue „Ailleurs“ und die griechischen Szenen der
en muß
dernen Künstlern mit steigendem Ernst dargestellt.) Die Ge¬
„Phryne“ vor. Er feiert die Wollust und die Liebe, nicht
sanatis¬
pathetisch und enthusiastisch, sondern eher graziös und frech.kliebte, die mit ihm auf den Ball geht, hat Rivalinnen: alle
Frauen, die auf denselben Ball gehen. Eine unbezwing¬
Im Grand Théätre erringt er als Dreiunddreißigjähriger den
1 mehr,
ersten großen Sieg. „Lysistrata“ hieß das Stück. Schon in liche Neugierde treibt ihn zu neuen Abenteuern. Soll man es
bietet.
Untreue nennen. Man erinnere sich, daß in einem sehnsüchti.
„Phryne“ fiel die entzückende Maske griechischer Antike auf,
etwas
gen Augenblick Georg im „Weg ins Freie" Therese
unter welcher sich die Satire auf Pariser Verhältnisse verbarg.
ngt der
küßt. Und dennoch liebte er eine andere. Das eine
„Lysistrata“ ist eine köstlich freche Komödie. Hinter der offi¬
schließt das andere nicht aus — sondern fast ein. Sie ge¬
sich in
ziellen Geschichte werden Perspektiven aufgedeckt. (Man denkt
stehen es alle, diese jungen Leute daß sie „chercheurs de sen¬
igue in
während des Lesens an Shaws schwerfälligeres „Cäsar und
sations“ sind. Dieses Bedürfnis, sich und andere zu analysieren.
Cleopatra“.) Die Frauen und Hetären Aihens bringen es
ist ihre Krankheit: so sagen sie. Sie fühlen die Sehnsucht vor
dadurch, daß sie ihren Gatten und Geliebten alles gewähren
Kultur
der Erfüllung tragisch, nach der Erfüllung komisch. Sie sind
nur nicht — tout excepté ca, bringen es dadurch dahin, daß
der be¬
alle sentimentale Erotiker und gleichen Trinkern, welche den
der ihnen verhaßte Krieg mit den Spartanern abgebrochen
anatis¬
Katzenjammer lange vor dem Rausche haben. Sie machen nur
wird. Im Mittelpunkt Lhsistrata, welche dieselbe Taktik erfolg¬
sterung
die Geste, als amüsierten sie sich. Unterströmungen brechen¬
reich dem Manne und Liebhaber gegenüber zugleich anwendet.
manchmal in ihren Gesprächen durch: glühender Haß gegen
Szenen, bei denen man vor Lachen schreit; es wirft starke Män¬
ismus,
dieses ganze andere Geschlecht, diese andere Rasse, mit der sie
ner nieder. Ein unbefangen=herzhaftes Aufziehen des Vor¬
im Kriege leben, und alle Qualen einer beständigen Eifersucht.
für die
hanges, ein überlegen=frevles Spiel mit heiligen Gütern. Noch
„Hören Sie,“ spricht einer, „Sie sind mein, Antonia, aber wenn
nöglich
ist Kampffreudigkeit die Stimmung, die herrscht, noch mischt
Sie mich nicht mehr lieben, ich bitte Sie, sagen Sie es mir
gt. den
sich keine Resignation keine Melancholie hinein. Doch wir
Jeder hat schon so zu einer Frau ge¬
wenigstens frei
Bleiben
werden älter; eheu, Posthume, labunter anni
sprochen, jeder dies gefühlt: Wahrheit, Wahrheit um jeden
Die „verve chatnoiresque“ der „Lysistrata“ hat Donnay
ind, ich
und ieder wurde betrogen. Jeder. Ein anderer
Preis
nicht beibehalten. Sie kommt manchmal später zum Durch¬
gesteht, daß er alle Menschen haßt, weil sie seine Geliebte ver¬
bruch, doch eine andere Einstellung wird allmählich immer
hristen¬
wirren und ihm nehmen können. „Und dann habe ich
stärker. Lasset uns andere Töne anstimmen, ihr Freunde. Es
dustrie¬
Visionen ... sie zu erwürgen!" Derselbe äußert: „Was ich
sind keine freudenvolleren — wenngleich sie in Komödien er¬
Wie
wollte, wäre eine untrügliche Probe, eine Sicherheit ...“
s nützt
klingen. Das Gefühl dabei ist folgendes: Wie ernst muß es dem
oft erklingt dieser Ton bei Arthur Schnitzler, bei d'Annunzio.
ch auf¬
Dichter um diese Dinge sein wenn er darüber nur lachen kann!
bei Strindberg. Betheuil in „La douloureuse“ betrügt einen
Es folgen Gesellschaftskomödien; lyrisch und zynisch, sehnsüchtig
Freund mit seiner Geliebten. Aber er leidet darunter.
und zweifelnd, schmerzlich und ironisch, sentimental und
Er sieht Claudine mit einem Dritten kokettieren. Er
8 apo¬
illusionslos. Ein vorübergehender Reiz, ein verwehender Duft
hat Lust, dem Liebhaber zuzuschreien: „Aber rühren Sie sich
und ein lächelndes Rühren an wehe, verborgene Dinge.
ließen,
und kömische
Tragische
Sie sind ja blind ..
doch
Zuerst die „Pension de famille“: Pariserinnen, eine Russin,
ür un¬
Aspekte gehen in diesen komplizierten Gefühlen des Liebes¬
eine Französin in einer Familienpension in Nizza vereinigt.
Streit
lebens ineinander über.
Die freundliche Besitzerin, welche Witwe zu sein scheint, waltet
Völker
Ist Donnay ein Frauenh sser? In manchen Augenblicken
inmitten als züchtige Hausfrau. Der Gatte einer jungen Frau,
gewiß (wer ist es da nicht?). Doch das Mitleid überwiegt.
die herkam, ihren Geliebten zu treffen, war einst der Galan
ickvolle
Tout comprendre c’est tout pardonner.
der Pensionsbesitzerin. Er überrascht seine Frau, Revolver¬
Er schildert mit Vorliebe „femmes entretenues“, aber eine
n eben
schüsse fallen — es kann tragisch enden. Aber nein, das Leben
bestimmte Kategorie dieser Frauen: „sie sind in einer be¬
sonst
ist nicht so. Nun, man wird sich eben scheiden lassen. Das
stimmten Situation, sie haben Kinder, die sie ebensogut wie
Tod.
Stück endet an einem monderleuchteten Abend. Paare gehen
die haben
in den korrektesten Familien erziehen wollen“.
vorüber, finden das Leben schön, küssen sich, lieben sich und
Fälle
eine köstliche Aufrichtigkeit in Liebessachen, eine Gerissenheit.
werden einander betrügen. Ca-c’est la vie
Einige Kleinigkeiten folgen: eine eizvolle Banalität gegen
Seele
!) Die Berliner Kritik war über dieses Lustspiel Donnays etwas
die Konvenienzehe; immer vom Geiste eines Maurice Donnay
anderer Meinung. D. R.
irklich erleuchtet, belebt von seinem Witze durchzuckt. Ein Gelegen¬
i danande ans Keirlicher Vereune.
D#e feeber
OIEK·